Indeland bereitet sich auf Zeit nach dem Braunkohlentagebau vor

Von: Antonius Wolters
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Professoralen Rat ans Indeland gaben beim Zukunftslabor FH-Rektor Marcus Baumann (v.l.), Energieexperte Dirk Uwe Sauer von der RWTH Aachen und Logistik-Spezialist Otto Jockel von der Hochschule Neuss für internationale Wirtschaft. Rechts Moderator Hartmut Hermanns. Foto: Wolters
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Im „ausverkauften“ Technologiezentrum begrüßten die Entwicklungsgesellschaft Indeland und die Aachener Stiftung Kathy Beys Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung zum Zukunftslabor Indeland. Foto: Wolters

Jülich. Wenn 2030 der Braunkohlentagebau Inden II schließt, wird dieser erneute Einschnitt die ohnehin mit stetigem Wandel beschäftigte Region nicht unvorbereitet treffen. Einen Blick darauf, in welche Richtung sich der hiesige Raum entwickeln könnte, riskierten die Entwicklungsgesellschaft Indeland und die Aachener Stiftung Kathy Beys, die zum „Zukunftslabor Indeland“ in den Palmengarten des Technologiezentrums Jülich gebeten hatten.

Für den verhinderten Landrat Wolfgang Spelthahn führte Indeland-Geschäftsführer Jens Bröker in das Thema des Abends ein, das viel mit Strukturentwicklung, Wirtschaftsförderung, interkommunaler Zusammenarbeit und Perspektiven nach der Braunkohle zu tun hat. Er machte auch klar, dass im Labor keine fertigen Lösungen präsentiert werden, sondern durchaus der Mut zum Irrtum bestehe.

Teil der Indeland-Familie

B. Stephan Balduin ist Vorstand der Stiftung Kathy Beys, die sich der Indeland-Familie zugehörig fühlt und seit 1999 dort langfristige Prozesse anstößt und begleitet. Er versuchte, die „neue Landkarte“ zu skizzieren, die gerade geschaffen wird und den Rahmen für die Zukunftsplanung bildet. „Indeland ist der Vorreiter in der Region, wie ein neuer Landschaftstyp eine hochwertige Standortqualität schafft“, lautet eine seiner fünf Thesen, die er in seinem Kurzvortrag vorstellte. Die Innovationsregion Rheinisches Revier (IRR), in der das Indeland eine Teilregion darstellt, habe gar das Potenzial, „eine der Kernräume der neuen industriellen Evolution (Industrie 4.0) zu werden“.

„Indeland ist die Speerspitze des IRR“, versuchte sich Ministerialrat Frank Butenhoff aus dem Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes NRW, der seinen Staatssekretär Dr. Günther Horzetzky vertrat, in einer Abgrenzung beider Organisationen. In einer Zeit intensiven Wandels und Anpassungsproblemen bei der Braunkohle gehe es darum, die regionale Wettbewerbsfähigkeit auszubauen.

So riet er der Indeland-Gesellschaft, im Zuge der weiteren Strukturentwicklung frühzeitig die Fühler nach außen auszustrecken, um weiterhin Wertschöpfung zu betreiben. Butenhoff betonte, dass die Landesregierung Indeland nicht in Frage stelle, sondern als substanziellen Teil der IRR betrachte. Es gelte, die Kraft der Region zu nutzen. So zeichne sich das Indeland bereits als überregionaler Tourismus-Magnet ab.

Die IRR befinde sich noch in der Findungsphase, bekannte der Ministerialrat. Zudem fehlten noch die strategischen Grundlagen und ein „Kümmerer“, der die Aktivitäten koordiniert. Eine Potenzialanalyse wird kommende Woche im IRR-Beirat vorgestellt, berichtete Butenhoff weiter, anschließend werde man sich auf weitere Entwicklungsschritte fokussieren, „zum Wohl des Ganzen“.

Zukunftsbranchen im Blick

Die Entwicklungsgesellschaft Indeland ist hier schon einen Schritt weiter, denn Geschäftsführer Bröker stellte mit Logistik sowie Energie und Umwelt zwei Zukunftsbranchen, wo das Indeland durch seine geografische Lage im Herzen Europas profitieren und partizipieren könne bzw. durch die gebündelte Kompetenz bei Hochschule und Forschung.

Zu den Stellen, wo „das Innovationspotenzial abgeholt werden kann“, zählt die Fachhochschule Aachen, die auch in Jülich mit eigenem Campus und mehr als 3000 Studierenden vertreten ist. „Wir liefern erhebliche Absolventenzahlen“, rührte FH-Rektor Prof. Marcus Baumann die Werbetrommel für sein Haus und „eine Region, in der die Wissenschaft zu Hause ist“. So gründet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Jülich ein großes Solarinstitut, dem Baumann „weltweite Reputation“ zutraut. Verbesserungswürdig sieht der FH-Rektor den wechselseitigen Austausch von Forschung und Wirtschaft sowie die Internationalisierung, um mit einer neuen „Willkommenskultur“ attraktiv für ausländische Arbeitskräfte zu werden, um so dem demografischem Wandel zu begegnen.

Prof. Dr. Otto Jockel von der Hochschule Neuss für internationale Wirtschaft beleuchtete die Logistik-Branche, wo allein in NRW mehr als 600.000 Menschen beschftigt werden. Und der Trend der Branche geht weiter aufwärts, was Verkehrsprognosen für 2030 und Zuwachsraten der Häfen unterstreichen. Für den Standort Indeland sprechen nach Worten des Experten die Nähe zu den Hochsee-Häfen sowie zu den Frachtflughäfen Köln/Bonn und Lüttich sowie das hier bereits vorhandene logistische Know-how. Um vom zunehmenden Güterfrachtverkehr in Form neuer Arbeitsplätze zu profitieren, gelte es, rechtzeitig ausreichend geeignete Logistik-Flächen zu aktivieren, so Prof. Jockel.

„Die Energiewende wird uns alle treffen“, sieht Prof. Dr. Dirk Uwe Sauer, Leiter des Institus für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe bei der RWTH Aachen, auf der Forschungsseite in der Energieregion Indeland „optimale Voraussetzungen“.

Sonnenstrom ist konkurrenzfähig

Während die Förderleistung bei fossilen Energien zurückgehe, habe es bei den regenerativen Energien „fundamentale Veränderungen“ gegeben. So habe sich die Photovoltaik schneller als erwartet entwickelt, und auch „der Preis ist dramatisch runtergegangen“. Mit einer Dachanlage werde Strom inzwischen für 13 Cent pro Kilowattstunde erzeugt, bei einer Freiflächenanlage seien es sogar nur neun Cent.

Strom als dominierender Energieträger, der für Wärme (billiger als Gas) und Mobilität eingesetzt werden könne, sei damit die effizienteste Art der Flächennutzung. Bei weiter wachsender Stromproduktion aus Photovoltaik und Windkraft gelte es, Lösungen für die Effizienzsteigerung zu finden, Kurz- und Langzeitspeicher (z.B. Wasserstoff) zu entwickeln und den Netzausbau so zu gestalten, dass die Energie flexibel zu nutzen ist. Prof. Sauer sieht „Chancen für innovative Unternehmen“ und glänzende Perspektiven für das Indeland.

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