In vier Tagen radelt Bürgermeister Stommel in Ruhestand

Von: Volker Uerlings
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Sattelt um: Jülichs Bürgermeister Heinrich Stommel hat sich für den Ruhestand fest vorgenommen, ein E-Bike so oft wie möglich zu nutzen. Foto: Uerlings

Jülich. Das Chefzimmer im Jülicher Rathaus wirkt zwar nicht leer, aber leerer als noch vor ein paar Wochen. Da türmten sich auf dem Schreibtisch Heinrich Stommels ansehnliche Aktenberge. Die letzten Tage seiner Amtszeit nach 25 Jahren im Dienst der Stadt Jülich waren von Urlaub zu einer für ihn eher ungewöhnlichen Zeit geprägt – und einem neuen Gefühl.

So allmählich fallen die Verantwortung und der hohe Zeitdruck von ihm ab. „Das hat mich stark in Anspruch genommen. Der zeitliche Aufwand ist schon extrem. 60 bis 80 Stunden pro Woche wie nichts. Und wenn was schief läuft – wer wird gefragt? Der Bürgermeister!“ Das sieht ab nächsten Mittwoch anders aus. Dann ist Heinrich Stommel Ruheständler.

Abhängig von den Fragen im Redaktionsgespräch kann der 64-Jährige immer noch in Sekundenbruchteilen in den „Bürgermeister-Modus“ umschalten, blickt dann ernster. Aber grundsätzlich ist die Last schon ein wenig abgefallen von dem Mann, der drei Direktwahlen in der Stadt haushoch für sich entschieden hat – als Parteiloser.

War diese Unabhängigkeit ein Vorteil – oder wäre es nicht manchmal besser gewesen, wenn er ein Parteibuch besessen hätte? „Parteigebundene Kollegen scheinen mir nicht glücklicher zu sein. Da gibt es ja auch eine Erwartungshaltung von Parteien. Das hatte ich nie.“

Gewählte haben den Rücken frei

Der gebürtige Gelsenkirchener sieht auch ohne Parteibuch „ein hohes Maß an Gestaltungsmöglichkeiten“ in einer Verwaltung „mit einer engagierten, guten Mannschaft und kompetenten Leuten in der Führungsebene“. Ein direkt gewählter Bürgermeister hat aus seiner Sicht „eine gute, stabile Legitimation“. Anders als zuvor ein Stadtdirektor kann der nicht einfach so abgewählt werden und hat den Rücken frei.

Aus dieser Position heraus sieht Heinrich Stommel auch die am Ende überraschende Entscheidung für die Landesgartenschau 1998, obwohl im Stadtrat deren Gegner eine Mehrheit zu haben schienen. Die „LaGa“ war eines der Highlights seiner Amtszeit, für das er gekämpft hat. Sie habe das Gesicht Jülichs im Positiven verändert, zumal zig Millionen Landeszuschüsse in die Stadt geflossen sind.

Und der heutige Brückenkopf-Park sei nun ein wichtiger weicher Standortfaktor Jülichs. Die Entscheidung für den Solarturm – zunächst in Trägerschaft der kommunalen Stadtwerke – sieht der scheidende Bürgermeister als die „größte Wirtschaftsförderungsmaßnahme in meiner Amtszeit“. Der Weg sei schwierig und anfangs auch teuer gewesen, zahlt sich nach Stommels Überzeugung langfristig aber aus. Die aktuelle Weiterentwicklung mit zweitem Turm, künstlicher Sonne und der Übernahme durch das Deutsche Zen­trum für Luft- und Raumfahrt ist für ihn ein untrügliches Zeichen.

Vielleicht wäre Jülich im Bäderbereich heute besser aufgestellt, wenn das vor einigen Jahren von Stommel vehement unterstützte Freizeitbad-Projekt „Waikiki“ realisiert worden wäre. Letztlich spielte die Politik nicht mit. Deutlich wichtiger ist dem Familienmenschen Heinrich Stommel, dass trotz dauerhafter Haushaltsschieflage die Stadt in der Lage war, eine „gute Versorgung in den Bereichen Schulen und Kindertagesstätten“ zu gewährleisten.

Was nun, Herr Stommel – wie sieht der „R-Plan“ aus mit „R wie Ruhestand“? „Ich werde jetzt erst einmal die freie Zeit genießen und die Möglichkeit haben, etwas für meine Gesundheit zu tun“, sagt der 64-Jährige, der immer einen Sportfaible hatte. Tennis, Skifahren, Fußball (eher passiv als Fan von Schalke 04). „Jogging oder Laufen habe ich nie gemocht“, sagt der Verwaltungsleiter, der 1990 als Technischer Beigeordneter seine Jülicher Karriere begann.

Und da er mit seiner Ehefrau Elisabeth die Vorliebe fürs Radeln teilt, werden im Hause Stommel nun E-Bikes angeschafft. „Sie kommen damit überall hin“, erklärt der Mann, der das Rheinland lieben und den die Jülicher schätzen gelernt haben. Auch eine „Annäherung an das Golfspiel“ kann er sich vorstellen.

Selbstredend hat der Job über Jahrzehnte einige private „Projekte“ kaum zugelassen. „Es gibt noch etwa vier Fünf-Jahres-Pläne in Haus und Garten, die von mir nur sehr fragmentarisch abgearbeitet worden sind.“ Und Baustellen, die nicht beendet werden, mag Heinrich Stommel gar nicht.

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