In Jülich entsteht die größte Kita im Kreis

Von: Volker Uerlings
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Der Spatenstich setzt die Erfolgsgeschichte fort: (v.r.) FZJ-Vorstand Karsten Beneke, Trägervereinsvorsitzende Petra Jerrentrup, Staatssekretär Thomas Rachel, Landrat Wolfgang Spelthahn. Foto: Uerlings
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Der Blick von oben auf die neue Kita der „Kleinen Füchse“, die auf dem Gelände des Forschungszentrums entsteht. Umgesetzt wurde ein Dorfkonzept mit Marktplatz (Mitte), um den sich die anderen Bereiche gruppieren – mit großzügem Außengelände. Zeichnung: Terhalle GmbH, Foto: Uerlings

Jülich. Mitunter kann es schnell gehen. Dann entwickeln sich gesellschaftliche Aufgaben, die Altkanzler Gerhard Schröder 1998 noch als „Gedöns“ bezeichnet hat, in weniger als 20 Jahren zu Vorhaben höchster Priorität. Der Verein „Kleine Füchse“ in Jülich liefert dafür ein Paradebeispiel.

Vor 19 Jahren startete die ehrenamtliche Elterninitiative zur Kinderbetreuung auch gegen Widerstände mit zehn Jungen und Mädchen in einer Hausmeisterwohnung. Im nächsten Jahr beziehen sie auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich die größte Kindertagesstätte des Kreises Düren mit 120 Kindern. Sie ist dann zu einem mittelständischen Unternehmen mit 35 Pädagogen und Millionenetat mutiert. Am Dienstag war Spatenstich für einen Neubau, der gleich ein ganzes Dorf ist.

Denn zugrunde liege das „Dorfkonzept“, wie Jens Kuchenbecker, Leiter Technischer Bereich im Forschungszentrum, informierte. Alles gruppiert sich um einen Marktplatz. Und alles ist wörtlich zu nehmen, denn die entstehende Kindertagesstätte deckt mit ihren acht Gruppen zur U3-, Ü3- und Hortbetreuung eine sagenhafte Altersspanne von vier Monate jungen Babys bis zu 14-Jährigen ab. Der Anteil der Unter-Dreijährigen liegt bei etwa 40 Prozent. Mit dem Neubau erweitert die Einrichtung, die vor zwei Jahren von 70 auf 90 Plätze gewachsen ist, ihr Angebot für weitere 30 Mädchen und Jungen.

Keine Unternehmens-Kita

Die „Kleinen Füchse“ sind betriebsnah, aber keine Unternehmens-Kita. Sie steht grundsätzlich den Eltern und Kindern in der Stadt Jülich und dem Kreis Düren offen. Derzeit stammen gut 90 Prozent der betreuten Kinder aus dem Nordkreis um die Herzogstadt.

Wie wichtig das ist, berichtete Karsten Beneke, stellvertretender Vorstandschef des Forschungszentrums, mit aktuellem Hintergrund. Bei einem „Gewinnungsgespräch“ mit einer Spitzenkraft, die das FZJ gern für sich gewinnen würde, hätten dieser Tage die ersten Fragen nicht dem Gehalt, dem Büro oder einem Dienstfahrzeug gegolten, sondern: „Gibt es hier eine gute Betreuung für mein Kind?“ Das Forschungszentrum müsse nicht nur als verantwortungsvoller Arbeitgeber, sondern auch im Wettbewerb um Köpfe hier eine Antwort geben können. Daher sei der Neubau „ein Vorgang von enormer Bedeutung“.

Die Elterninitiative von damals und der Trägerverein von heute wurden am Dienstag vielfach gelobt, weil vor rund 20 Jahren Pioniergeist gezeigt und ein Meilenstein gesetzt wurde. Landrat Wolfgang Spelthahn erinnert allerdings auch daran, „dass wir dicke Bretter bohren mussten“. Vor der Inbetriebnahme eines Provisoriums 2003 habe es zwei Jahre Diskussionen gegeben, ob nicht hier eine „Eliteeinrichtung befördert“ werde. Diese Widerstände hätten die „Kleinen Füchse“ mit Charme und Überzeugungskraft gebrochen. Die mehrfache Erweiterung spreche eine deutliche Sprache: „Die Menschen stimmen mit den Füßen ab.“

Parlamentarischer Staatssekretär Thomas Rachel gestand zu, dass die Förderung einer Kita durch das Forschungsministerium „erklärungsbedürftig“ sei. Aber es sei eben wichtig, den Beschäftigten in Deutschlands größtem Forschungszentrum bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf beste Voraussetzungen zu bieten. Spitzenforschung ist eben nationaler „Rohstoff“, und im FZJ gibt es einen Frauenanteil von einem Drittel, die Hälfte davon im „Familienalter“. Zudem handele es sich um eine öffentliche Einrichtung, die künftig Betreuung „nach den neuesten Maßstäben“ eröffne.

Bilingual deutsch und englisch

Das kann man sagen, denn das Pädagogische Konzept, das unter Beratung von Dr. Ilse Wehrmann (Wehrmann Education Consulting) mit Kita-Leitung und Trägerverein erstellt wurde, sieht neben einem Bewegungskindergarten die bilinguale Erziehung (deutsch und englisch) die Zertifizierung als „Haus der Kleinen Forscher“ vor.

Petra Jerrentrup, die Vorsitzende der „Kleinen Füchse“, freut sich mit ihren Mitstreitern auf die Eröffnung der neuen Kita. Sie kann sich wie viele Mitglieder, die bis heute dabei sind, noch gut an die Anfänge erinnern. Damals habe man nicht im Traum daran gedacht, „dass unsere Eltern-Idee der organisierten Betreuung unserer Kinder so groß werden würde“. Aber 1998 war das noch „eine andere Welt“. Mit Gedöns!

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