Jülich - In der Pflege fehlt Zeit für das Wesentliche

In der Pflege fehlt Zeit für das Wesentliche

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Zeit für Zuwendung und das persönliche Gespräch bleibt in der Altenpflege nicht immer. Die Beschäftigten der Caritas auch in Jülich beklagen zu viel Bürokratie und zu hohe Arbeitsbelastung. Foto: Stock/epd
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„Wir sind im Schulterschluss unterwegs“, sagt Rudolf Stellmach, Leiter des Caritaszentrum Düren-Nord, zu den Forderungen der Caritas-Mitarbeiter aus dem Bistum Aachen an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Foto: Mengel-Driefert
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Zeit für Zuwendung und das persönliche Gespräch bleibt in der Altenpflege nicht immer. Die Beschäftigten der Caritas auch in Jülich beklagen zu viel Bürokratie und zu hohe Arbeitsbelastung. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. Im Alter benötigen viele Menschen Pflege. Das kann jedem von uns passieren. Doch was ist, wenn das Pflegesystem zusammenbricht? Vor dieser Entwicklung warnen 6500 Caritas-Mitarbeiter aus dem Bistum Aachen in einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe (CDU).

Karin Reeb, Mitarbeitervertreterin beim Caritasverband Düren-Jülich, und Rudolf Stellmach, Leiter des Caritaszentrums Düren-Nord und Fachbereichsleiter Stationäre Pflege, informieren im Gespräch mit unserer Zeitung über eine hohe Arbeitsbelastung der Pflegekräfte, der zeitaufwendigen Dokumentationspflicht und einem zu niedrigen Personalschlüssel.

Oft die Hände gebunden

Reeb, die im Altenheim St. Hildegard als Verwaltungsangestellte beschäftigt ist, stellt klar: „Auf der politischen Ebene müssen viele Dinge geändert werden.“ Es gehe nicht darum, den Dienstgeber anzuklagen, dem seien in vielen Situationen ebenfalls die Hände gebunden. Im Fokus stünden die politischen Rahmenbedingungen. Die Caritas-Mitarbeiter sprechen in ihrem Brief Probleme offen an. Rudolf Stellmach stellt sich hinter die Mitarbeiter: „Wir stehen mit der Pflege öffentlich auf dem Präsentierteller.“ Besonders Altenheime seien in einen „Generalverdacht“ geraten. Der Gesetzgeber verbessere jedoch nicht die Rahmenbedingungen, sondern erhöhe die Auflagen.

Der gesetzliche und private Medizinische Dienst prüfe die Häuser, lege in diesen Tagen den Betrieb lahm, da alle Mitarbeiter beschäftigt seien mit dem Nachweis, dass sie der Dokumentationspflicht nachkommen. Listen müssten erstellt werden, Medizinprodukte werden geprüft. Es muss – nur als Beispiel – nachgewiesen werden, wann das letzte Mal das Fieberthermometer ausgetauscht wurde. „Dieser bürokratische Aufwand und die Prüfungswut auf angebliche Missstände machen uns das Leben schwer“, verdeutlicht Stellmach.

Ein weiterer Kritikpunkt bezieht sich auf den Pflegeschlüssel, also den Richtwert, wie viele Bewohner von einer Pflegekraft versorgt werden. Der sei nämlich seit fast 20 Jahren gleich geblieben. Damals hätten Bewohner mit Pflegestufe 3 von Bewohnern mit geringerer oder keiner Pflegestufe profitiert, welche weniger Betreuung brauchen. Heute funktioniere dieser Ausgleich nicht mehr, da der größte Teil der Bewohner die Pflegestufen 2 oder 3 hätten.

Auch die gesellschaftliche Anerkennung für die anspruchsvolle Tätigkeit in der Pflege bleibe aus. In Dienstgesprächen stelle Stellmach oft fest, dass sich die Pflegekräfte nicht wertgeschätzt fühlen. Sie kämen mit hohen Idealen in den Beruf, seien mit der Arbeit zufrieden, aber nicht mit den Rahmenbedingungen. Die Caritas-Mitarbeiter fordern nun Veränderungen im Hinblick auf mehr Personal, einer höheren Vergütung und der finanziellen Sicherstellung der Ausbildung.

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