Immer mehr Flüchtlinge: Titz mietet und kauft

Von: hfs.
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Eine Konzeptstudie der Titzer Verwaltung legt dar, dass auf dem ungenutzten Sportplatzgelände in Ameln Wohnraum für bis zu 390 Personen geschaffen werden kann: in Fertighaus-Mobilheimen. Foto: hfs.
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Wird bei Engpässen auch als Domizil für Flüchtlinge ins Auge gefasst: die Alte Schule Rödingen, die eigentlich als Vereins- und Bürgerhaus dienen soll. Foto: hfs.

Titz. Die Gemeinde Titz wird mehr denn je in die aktuelle Flüchtlingssituation hineingezogen. Das wurde deutlich, als sich der Rat am Dienstag zu einer Sondersitzung traf, um ein Handlungskonzept zu verabschieden, wie mit den ab sofort zu erwartenden Zuweisungen von Asylbewerbern beziehungsweise Kriegsflüchtlingen umgegangen werden soll.

Denn nach einem landesweiten Verteilungsschlüssel muss Titz künftig pro Woche 13 Personen eine Unterkunft zur Verfügung stellen. Folge ist, dass die bisher strikt erfolgte Dezentralisierung der Unterbringung aufgehoben werden muss: Falls erforderlich muss zum Beispiel auf dem Sportplatz in Ameln Wohnraum für bis zu 390 Personen geschaffen werden.

„Bis vor zwei Wochen war die jetzige Situation für unsere Gemeinde nicht absehbar“, sagte eingangs der Sondersitzung der Titzer Bürgermeister Jürgen Frantzen, als er dem Rat und den vielen anwesenden Zuhörern den Ist-Zustand erklärte. Dieser Zustand hat sich binnen kürzester Zeit erheblich verändert. Das wurde im Verlauf der sehr sachlich geführten Diskussion vor der Verabschiedung des von der Verwaltung vorgelegten Handlungskonzeptes deutlich.

Zurzeit leben in der Gemeinde 120 Flüchtlinge, davon waren allerdings 54 bereits zu Jahresbeginn untergebracht. Somit sind lediglich 66 Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge im Laufe des Jahres aufgenommen worden. Dass die „Zuweisungsgeschwindigkeit“ allerdings deutlich zunehmen wird, machte Frantzen anhand der aktuellen Bemühungen der Bezirksregierung deutlich.

Demnach müssen rund 5000 Menschen wöchentlich innerhalb des Regierungsbezirks Köln verteilt werden. „Auf Titz bezogen heißt das, dass wir ab Mitte des Monats wöchentlich 13 bis 14 Personen aufnehmen müssen.“ Bis Jahresende sei also mit weiteren 150 Asylbewerbern zu rechnen. Sind bisher die Flüchtlinge in gemeindeeigenen Objekten untergebracht worden, ist man jetzt dazu übergegangen, sukzessive und dem Bedarf entsprechend geeignete Objekte zur Unterbringung anzumieten.

„Wir bevorzugen eine dezentrale Unterbringung, weil hierüber eine Ghettoisierung der Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge vermieden werden kann und eine Integration der Menschen in das Gemeindeleben gefördert wird“, sagte der Bürgermeister mit Verweis auf das Handlungskonzept, in dem diese Aussage sozusagen als Präambel festgehalten ist. Das wird von allen Fraktionen begrüßt und weiterhin auch als Priorität angesehen.

Realisiert wird das über Anmietungen und gegebenenfalls über den Ankauf geeigneter Immobilien. Letzteres soll über die eigene Gemeindeentwicklungs- und Dienstleistungsgesellschaft erfolgen, wofür der Rat einstimmig unter anderem für solche Investitionen 500.000 Euro außerplanmäßig noch im Haushaltsjahr 2015 bereitstellte.

Die Titzer Berechnungen umfassen auch die geplante Erstaufnahmeeinrichtung auf der Merscher Höhe, die als interkommunales Gewerbegebiet von Jülich, Titz und Niederzier entwickelt werden soll. Die in diesen Landeseinrichtungen aufgenommenen Flüchtlinge werden auf das Kontingent der Kommune angerechnet. Die Stadtverwaltung Jülich habe vorgeschlagen, die Anrechnung der dort entstehenden Kapazitäten nicht allein der Herzogstadt, sondern über einen Schlüssel auch Titz und Niederzier zugutekommen zu lassen, hieß es im Gemeinderat. Tritt das ein, könnten laut Titzer Berechnung 136 der in der Erstaufnahmeeinrichtung zu schaffenden Plätze auf das Zuweisungskontingent der Gemeinde Titz angerechnet werden. Das wäre aus Sicht der „eine erhebliche Entlastung der Situation“ und ein rund zehnwöchiger Zeitgewinn.

Wohnanlage mit Mobilheimen

Diese Zeit ließe sich nutzen, um parallele Unterbringungsmöglichkeiten in der Gemeinde zu realisieren. Das Titzer Handlungskonzept nennt als Beispiel die Errichtung einer wirtschaftlich vertretbaren Wohnanlage mit Mobilheimen auf dem alten Amelner Sportplatz. Eine Prüfung hat ergeben, dass so bis zu 390 Personen in Fertighauseinheiten – Kosten rund 835.000 Euro – untergebracht werden könnten. Dabei würde auf dem Sportplatz ein zentrales Sozialgebäude mit Sanitärbereich eingerichtet, drum herum die Wohneinheiten.

„Das ist eine Option, es werden auch andere Flächen geprüft“, bemerkte Jürgen Frantzen angesichts der Bedenken des Amelner Ortsvorstehers Hans-Willi Gilles („Ameln hat nur knapp doppelt so viele Einwohner“) an. Gilles appellierte, ortsübergreifende Lösungen zu schaffen. Das unterstrich auch Dagmar Kalugin (W.I.R).

Das Konzept sieht ferner vor, in Notfällen temporär auch die Alte Schule in Rödingen und die Turnhalle der ehemaligen Hauptschule als Unterbringung zu nutzen. Der Gemeinderat votierte einstimmig für den Gesamtplan der Verwaltung, im Falle Alte Schule Rödingen und Turnhalle Titz enthielt sich die W.I.R.-Fraktion.

Der Bürgermeister lobte bei der Sitzung das große ehrenamtliche Engagement vieler Helfer und betonte, „dass das Gemeindewohl nicht unter dem Flüchtlingsstrom leiden darf.“

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