Im Süden stirbt der Strohmann den Feuertod

Von: ptj
Letzte Aktualisierung:
14108509.jpg
Da fliegt er: Der Selgersdorfer Lazarus wird von der Kindergruppe aufgeworfen. Wie sein großes Vorbild aus der Innenstadt stirbt er am Abend des Veilchendienstags. Foto: Jagodzinska

Selgersdorf. „Als Lazarus gestorben war, da weinte die Anna Susanna, die Philippina, die Schmitze Mina...“ Solche Wehklagen hörte man auch in den südlichen Stadtteilen – aus dem Mund des recht heiseren Ausrufers Thomas Peterhoff.

Morgens war der aus langhalmigem Rohstroh gefertigte „Stohmanes“ indes noch lebendig und zog mit den singenden und preckenden Strohmännern, Strohfrauen und -kindern von Selgersdorf aus mit dem Bus nach Altenburg, von dort nach Daubenrath und über den Schopenhof wieder zurück. Der Hof „ist ein Muss“, er erinnert an schöne Zeiten, als dort stets in der Scheune die traditionelle Erbsensuppe zu Mittag gereicht wurde.

Wo Zuschauer in den Straßen standen, spielte das „ganz wild für diesen Anlass zusammengewürfelte Musikcorps“ einen Tusch. Die blau-weißen Strohmänner umkreisten das Wurftuch, die Besenträger umwanderten es in zweiter Reihe und in entgegengesetzter Richtung. Jetzt wurden abwechselnd jeweils das große Wurftuch der Tuchgruppe und das kleinere Exemplar der Kindergruppe gespannt, die Besen gestreckt, um einen eventuellen Fall der Strohpuppe zu korrigieren. Leider war die Maßnahme diesmal wegen des Windes wirklich nötig.

Rosenmontag vor 51 Jahren wurde in Selgersdorf das Preckbrauchtum in Anlehnung an das des großen Bruders, der „Historischen Gesellschaft Lazarus Strohmanus“ in Jülich geboren. Spontan zogen Männer in mit Mühlstroh ausgestopften Monteuranzügen durch den Ort. Man war es einfach leid, in anderen Dörfern Karneval feiern zu müssen, weil im Süden nichts mehr los war. Schon am nächsten Tag verfeinerte man das eigene Brauchtum mit einem Strohmanes im Monteuranzug und einem gefülltem Strumpf als Gesicht. Das sogenannte Nationallied der Jülicher Gesellschaft wurde in großen Teilen als Strohmanes-Ruf übernommen. Die Strohpuppe entgeht allerdings dem Tod durch Ertrinken, die Rur ist „zu weit weg“.

So fand das traditionelle Treiben der Session am frühen Abend sehr emotional ein Ende im Feuer. Das Selgersdorfer Prinzenpaar Brigitte I. und Michael I. (Plum) übergaben in Begleitung von Prinzenführer Helmut Eßer den Strohmanes seinem spektakulären Feuertod.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert