Titz/Höllen - Im Garten wächst Geschichte

Im Garten wächst Geschichte

Von: Christina Diels
Letzte Aktualisierung:
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Erst zuschauen, dann zupacken, damit die eisenzeitliche Siedlung wächst: Diese Teilnehmer im Titzer Workcamp beobachten den Fachmann bei den Dacharbeiten. Foto: C.Diels

Titz/Höllen. Einen größeren Aha-Effekt auslösen. Und Enttäuschung vermeiden. Das will Udo Geilenbrügge mit der Nachbildung einer eisenzeitlichen Siedlung im Garten der Außenstelle Titz des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege.

„Wir wollen zeigen, wie die Grabungsergebnisse ausgesehen haben”, sagt der Leiter der Außenstelle. Und dank 15 Workcamp-Teilnehmern und ihren zwei Teamleitern wächst die Siedlung auch in diesem Sommer weiter.

Die Häuser im Garten stehen exakt so, wie sie die Archäologen im Tagebau Hambach gefunden haben, sagt Geilenbrügge. Er möchte, dass die Besucher nicht nur die archäologischen Reste der eisenzeitlichen Siedlung an der Abbaukante sehen, sondern über die Nachbildung leichter in die Welt des 5. bis 1. Jahrhunderts eintauchen. „Sonst ist die Enttäuschung groß”, sagt der Experte für archäologische Denkmalpflege.

Mit seinen Mitarbeitern versucht er vor dem Schaufelradbagger das zu retten, was zu retten ist. „Die Bodendenkmalpflege”, so steht es auf der Homepage der Außenstelle, „bemüht sich darum, diese wichtigen Quellen vor unbeobachteter und achtloser Zerstörung zu bewahren.” Lässt sich der Verlust nicht vermeiden, heißt es weiter, so führe sie „eine planvolle und genaue Dokumentation durch. Durch eine Bergung und Aufzeichnung von Funden und Befunden lässt es sich zumindest in Ausschnitten auf dem Papier zurückgewinnen”.

Für zeitaufwendige Nachbildungen im Garten bleibt dem Titzer Team um Geilenbrügge leider meistens keine Zeit. Einmal in der Woche arbeiten seine Fachkräfte im Garten. So wächst die Siedlung nur langsam. „Darum haben wir uns über die Workcamps Unterstützung geholt”, sagt er.

Im fünften Jahr lädt die Außenstelle Titz Jugendliche zum Workcamp ein. Die 16- bis 25-Jährigen aus aller Herren Länder haben für drei Wochen ihre Feldbetten in der Niederlassung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) aufgeschlagen und sorgen zwischen 9 und 14 Uhr dafür, dass die eisenzeitliche Siedlung wächst.

„Wir stellen die Arbeitsmittel- und -bedingungen und sorgen für die archäologische Betreuung”, sagt Geilenbrügge. Der Internationale Jugendgemeinschaftsdienst (ijgd) übernimmt die Organisation des Camps und entsendet zwei Teamleiter nach Titz. In diesem Jahr heißen die Konstanze Päßler, 31, und Laura von Kersbergen, 22.

„Es dauert immer eine Zeit, bis die Gruppe sich findet”, weiß Päßler aus Erfahrung. „Mittlerweile sind alle angekommen”, sagt die Sozialarbeiterin. Für das Camp nimmt sie Urlaub. „Und es gibt ein bisschen Sonderurlaub”, erzählt sie.

Die Gruppe soll sich drei Wochen selbst versorgen: Kochen, Räume und Gelände sauber halten und die Freizeit organisieren. Die Teilnehmer sollen die Ideen haben. „Wir Teamleiter geben nichts vor. Wir stacheln höchstens an, dass etwas passiert.” Ein Ausflug nach Köln oder Maastricht etwa.

Päßlers Kollegin Laura von Kerbergen feiert Premiere als Teamleiterin. Im Herbst beginnt die junge Frau ihr Psychologiestudium. Und auch wenn sie sich nicht für Archäologie eingeschrieben hat: „Ich finde es sehr interssant, dass wir ein Dorf aus der Eisenzeit nachbauen”, sagt sie.

Einige Teilnehmer haben Tonschalen getöpfert, andere Lehm gemischt, wieder andere die Äste geschält. Die körperliche Arbeit strengt an. „Anfangs waren immer alle pünktlich um 9 Uhr da”, sagt van Kersbergen. „Mittlerweile wird es später.” Um 10 Uhr sitzen vier Teilnehmer noch mit kleinen Augen auf der Bank im Hof.

Darunter Anna Raupach, 16, aus Berlin. Allein wegfahren in den Ferien. Das wollte die Schülerin und hat das Workcamp in Titz entdeckt. Und auch wenn sie arbeitet, fühlt es sich für sie wie Urlaub an. „Einen Bezug zur Archäologie habe ich nicht”, räumt sie ein, „aber zur Geschichte.” Und der ist wichtig, schließlich ensteht die im Garten.

Umgangssprache Englisch

Umgangssprache in der Gruppe ist Englisch. Auch wenn zwei Mädchen nur ein paar Brocken Deutsch und Russisch sprechen. „Die anderen russischsprachigen Teilnehmer übersetzen”, sagt Päßler. Die anderen Jugendliche kommen aus Deutschland, Armenien, Estland, Korea, Finnland und Spanien. Immer zwei, erklärt Geilenbrügge, dürfen mit den Archäologen zu den Ausgrabungsstätten zu fahren. Dort sehen sie dann die Reste an der Tagebaukante.

Ob das Haus aus Lehm und Stroh am Ende der drei Wochen steht? Teilnehmerin Anna Raupach schaut skeptisch. „Daran glaube ich nicht”, sagt sie. Dann müssen die Jugendlichen, die im kommenden Sommer kommen, die Siedlung weiterbauen. Für den großen Aha-Effekt.
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