Im Berufskolleg werden genetische Zwillinge gesucht

Von: gep
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Die künftigen Zahnarzthelferinnen kontrollieren im Berufskolleg Jülich die Registrierungsbögen. Ermöglicht wurde die Typisierungsaktion durch die Zahnärzte im Kreis Düren, die 5000 Euro spendeten. Foto: gep
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„Nichts dabei“: Lukas aus Boslar erledigt den Wangenabstrich.

Jülich. Hochbetrieb an über einem Dutzend Tischen im Forum des Berufskollegs Jülich. Die über 70 Auszubildenden zur Zahnmedizinische Fachangestellten (ZFA) am Berufskolleg Jülich ließen sich am Mittwoch für die DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei, Tübingen/Köln, registrieren. Und nicht nur sie.

Nina (19) aus Düren zückt ein Registrierungsset mit Wattestäbchen. Mit diesen Wattestäbchen rubbelt Lukas aus Boslar, Auszubildender im Handwerk Sanitär, Heizung, Klima 30 Sekunden lang die Schleimhaut der Wangeninnenseite ab. „Nichts dabei“, sagt er nach der Prozedur. Es gehe darum, „Menschen zu helfen“, die an Blutkrebs erkrankt sind.

Diese Patienten können die Krankheit häufig nur mit den Stammzellen eines passenden Spenders besiegen. Bei Leukämie und malignen Lymphomen mit Lymphknotenschwellungen und krankhafter Vergrößerung der Milz ist die Übertragung gesunder Stammzellen sogar die einzige Aussicht auf Heilung. Aber selbst im familiären Umfeld findet sich manchmal kein passender Spender.

Deshalb werden über Typisierungsaktionen genetische Zwillinge ausfindig gemacht. Die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger müssen exakt übereinstimmen, selbst Geschwister weisen hier nur mit viel Glück die erforderlichen Merkmale auf.

Etwa 4,3 Millionen Spender sind bei der DKMS registriert. Trotzdem findet immer noch jeder fünfte Blutkrebspatient in Deutschland keinen passenden Spender. Nur bei höchstens fünf von hundert potenziellen Stammzellspendern kommt es, so der Erfahrungswert der DKMS, innerhalb der nächsten zehn Jahre überhaupt zu einer Stammzellenspende.

Eine Typisierung kostet 50 Euro. Diese Summe wird aber nur dann von den Krankenkassen übernommen, wenn sie in direktem Zusammenhang mit einer Behandlung steht. 5000 Euro hatten daher die Regionalinitiative Dürener Zahnärzte und der Jülicher Zahnärzteverein gespendet, und die Aktion gemeinsam mit der DKMS und dem Berufskolleg organisiert.

Die Aktion war „mehr als erfolgreich“, sagt der Jülicher Zahnarzt Dr. Thomas Heil nach dem 180. Abstrich im Forum.

Zur Halbzeit waren es bereits 100 Registrierungsbögen, die kontrolliert und abgeheftet waren.

Sie enthalten, so erklärt die Auszubildende Katharina (20) aus Ellen, die persönlichen Daten mit E-Mail-Adresse und einer siebenstelligen Spender-Nummer. Dies Arbeit erledigt sie mit drei Klassenkameradinnen. Unter ihnen ist Ines (34) aus Nideggen. Sie hat sich ebenfalls typisieren lassen. „Es war okay. Stäbchen rein und fertig“, sagt sie, die einen Onkel durch Blutkrebs verloren hat.

Auch Stephanie (20) aus Jülich hat mitgemacht. Denn „jede Spende zählt.“ Sie ist wie Ines schon regelmäßige Blutspenderin – wie Michelle (20) aus Drove. Michelle: „Junges Blut ist immer gut.“ Und Ines ergänzt: „Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein.“ Auch das Kollegium wird von den Schülerinnen zum Abstrich gebeten – wie Sven Wasner. „Haben Sie sich schon typisieren lassen?“ Das hat der Lehrer für Wirtschaftswissenschaften und Englisch längst getan. Er ist „seit fünf oder sechs Jahren registriert“ und außerdem Organspender.

„Soziales Engagement hat Tradition“ am Berufskolleg, sagt Schulleiterin Heike Schwarzbauer und erinnert an die regelmäßigen Blutspendetermine. Was die ZFA-Schülerinnen hier durchzögen, sei „eine wunderbare Aktion“. Auch Zahnarzt Heil ist von den Auszubildenden begeistert. „Es ist schön, in diese motivierten Augen zu schauen“, schwärmt er.

Hier sei eine „Berufung“ zum künftigen Beruf spürbar. Die Aktion zeige zudem, dass diese Generation „besser als ihr Ruf ist, mit dem sie bedacht wird“. Und der Arzt hofft, in insgesamt vier Stunden „die 200 zu knacken“.

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