Ideenschmiede mit Draht zur Ministerpräsidentin

Von: Volker Uerlings
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Hinter dieser Tür im Technolo
Hinter dieser Tür im Technologiezentrum Jülich hat die Innovationsregion Rheinisches Revier ihre noch bescheidene Geschäftsstelle, in der (von links) Benno Esser arbeitet und Michael Gramm berät. IHK-Geschäftsführer Jürgen Drewes und TZJ-Chef Carlo Aretz sind aber häufig zu Gast.

Jülich. Rote oder rot-grüne Landesregierungen in Düsseldorf hatten in der Vergangenheit eine erkennbare Vorliebe für das Ruhrgebiet. In dem Ballungsraum mit zahlreichen Großstädten befand sich schließlich auch ein Großteil der Stammwählerschaft.

Das hat sich mit der Bildung des Minderheitenkabinetts von Hannelore Kraft grundlegend geändert. Der Koalitionsvertrag von SPD und Grünen sieht nur noch eine Region vor, die systematisch gefördert werden soll: das rheinische Braunkohlenrevier. Das Kind hat auch einen Namen, der die Richtung zeigt: „Innovationsregion Rheinisches Revier” (IRR). Es ist nur leicht übertrieben, wenn man Jülich als „Hauptstadt” dieser Region bezeichnet.

Immerhin haben die Erneuerungswilligen die Herzogstadt als Sitz ihrer Geschäftsstelle auserkoren. Im Technologiezentrum tritt die „IRR” derzeit bescheiden auf. Ein schlichter Ausdruck an der Tür weist auch darauf hin, dass sich der Betrieb noch im Aufbau befindet.

Die Innovationsregion darf man sich als Ideenschmiede vorstellen. Über alle Städte- und Gemeinde-, aber auch Parteigrenzen hinweg gibt es eine Bestandsaufnahme, Bewertungen und dann Empfehlungen. Das macht nicht irgendwer. Da sich in der „IRR” praktisch die gebündelte Kompetenz aus Wissenschaft und Forschung zusammengetan hat, die es im Rheinland zum Glück zuhauf gibt, ist zu unterstellen, dass hier hochwertige Pläne für die Zukunft entstehen.

Was die Innovationsregion so besonders macht, ist ihr direkter Draht zur Ministerpräsidentin. Alle vom „IRR”-Beirat - einem breit besetzten Gremium - entwickelten Vorschläge kommen sofort auf den Tisch des Düsseldorfer Kabinetts. Hier wird entschieden, welche Idee aus welchen Fördertöpfen unterstützt wird. Das Revier darf also auch auf eine ordentliche finanzielle Unterstützung beim Strukturwandel hoffen. Schließlich dreht sich alles um die Frage, wie sich die Region aufstellt, wenn die Kohleförderung endet und tausende Arbeitsplätze wegfallen.

Bei einem seiner regelmäßigen Besuche im TZJ-Büro von der derzeit einzigen „IRR”-Kraft Benno Esser, die der Kreis Düren „ausgeliehen” hat, versucht Jürgen Drewes, das Verfahren zu erklären. „Nehmen Sie die Gewerbeflächen. Da machen wir eine Bestandsaufnahme. Kein Mensch will, dass die Republik nur noch aus versiegelten Flächen besteht. Wir müssen das priorisieren.” Qualität vor Quantität. Wenn sich also die Stadt oder Gemeinde X als besonders geeignet für die Logistikbranche darstellt, sollten die Bemühungen dort auch konzentriert werden - und nicht „klein-klein” verteilt auf unzählige Standorte.

Das Revier ist ein Zentrum der fossilen und künftig auch der regenerativen Energiegewinnung. Beides hat nach dem Atomausstieg an Bedeutung gewonnen. Der Strom soll sauber produziert werden, aber gleichzeitig für die Wirtschaft weiter verlässlich verfügbar sein. Wie kriegt man das hin - und wo? Auch das ist ein „IRRes” Thema. „Die großen Diskussionen müssen wir führen!”, sagt Jürgen Drewes entschlossen. Der Aachener IHK-Geschäftsführer wurde von der Landesregierung auserkoren, die Innovationsregion auf die Schiene zu setzen. Und er hat sich für die Geschäftsstelle in Jülich entschieden, „im Herzen des Reviers”.

Mit dem Wirtschaftsgeographen Professor Michael Gramm aus Jülich hat die „IRR” einen Berater, der sein Ziel so beschreibt: „Wir müssen uns regional so vernetzen, dass sich das Revier optimal entwickeln kann.” Gramm dürfte nicht allein bleiben, denn dem bescheidenen Anfang im TZJ muss ein gewisser Ausbau folgen. „Das ein oder andere müssen wir extern untersuchen lassen”, erklärt Drewes. Dazu gibt es für fünf Jahre eine 500.000-Euro-Mitgift des Landes, mit der auch zwei weitere Kräfte bezahlt werden. Einen „Wasserkopf” soll und darf es nicht geben, denn am Ende will Jürgen Drewes eine hochwertige „Politikberatung, die zu einer enormen Beschleunigung führen kann”, erreichen.

Noch unbemerkt hat die Innovationsregion in kurzer Zeit einiges bewegt. Elf Arbeitsgruppen mit 20 Themen werden laut Drewes 500 Personen beschäftigen. Die Ergebnisse bleiben abzuwarten.
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