„Huhzicksdaach“ lockt Scharen in die Stadthalle

Von: ptj
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Alkohol bestimmt die Handlung: Hier will Karl Roberz (l.) mit seiner „Fahne“ Max aus seiner vermeintlichen Ohnmacht befreien. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Huhzicksdaach“ – und zwar ihren 25. – feierten Dora (Ilsemie Fleischhauer) und Hubert (Ralf Schmitz) von der „Heimatbühne Eifeler Mundartfreunde“ in der Stadthalle – auf Einladung der VHS Jülicher Land und der Mundartfreunde des Jülicher Geschichtsvereins.

Die vergnüglichen Theaterstücke in „Eefler Platt“ aus der Feder von Karl Roberz sind in Jülich inzwischen schon Tradition und garantieren ein volles Haus. So rief der Mundartautor zu Beginn erfreut aus: „Herrlich, wenn man so in de Saal eren luurt.“ Charakteristisch für Roberz-Stücke entwickeln einfach gestrickte Charaktere im dörflichen Umfeld in einem Geflecht aus realen und erträumten Beziehungen sowie Eifersucht und verschmähter Liebe reichlich Chaos und Situationskomik – zur Freude des Publikums. Das Volksstück lebt von der Lebendigkeit und Spielfreude seiner Akteure.

In dem Dreiakter mit zwei Pausen verbringen Dora und Hubert, ein „stinknormales deutsches Ehepaar“, jedes Jahr ihren Hochzeitstag mit der buckligen Verwandtschaft, zur Silberhochzeit wünscht sich die Silberbraut mal eine Reise zu zweit. Aber nein, Hubert „ess am leevsten doheeim“, was er später noch bereuen wird. Erwähnenswert ist, dass Ilsemie Fleischhauer auf Krücken geht, weil sie im wahren Leben einen Skiunfall hatte. Also musste das Drehbuch eine Änderung erfahren: Just am Silberhochzeitstag fiel sie von der Leiter.

Nach und nach trudeln ein: Josi (Edith Leßenich), Doras beste Freundin aus Kindertagen, die schon immer ein Auge auf Hubert geworfen hat, gerne einen über den Durst trinkt und wieder einmal in Scheidung steht. Der ungeschickte Junggeselle Max (Kalle Leßenich), Huberts Arbeitskollege, dem es trotz flotter Sprüche nicht gelingt, eine Frau aufzureißen. Nun verliebt er sich auf der Stelle in Josi, die aber einen Draufgänger haben will. Doras übergewichtige Schwester Ida (Gertrud Kau), die daheim „de Botz anhat“ und ihr Mann Wölfi (Michael Küpper). Und nicht zuletzt „Öhm Justav“ (Karl Roberz) mit seiner Frau „Tant Anni“ (Neuzugang Mariele Braun), die denkt „sie wör mehr wert“. Ehetaktisch versteckt sich Onkel Gustav hinter seiner Rolle als Depp. Hubert will Max helfen, ein attraktiver Mann zu werden und ersinnt die skurilsten Methoden. Der Schuss geht allerdings nach hinten los, weil seine Frau Dora genauso beeindruckt ist wie Ida und Anni von Max‘ angeblicher Liaison mit Dolly Parton.

Mit zunehmendem Alkohlkonsum an der festlichen gedeckten Kaffeetafel, im letzten Akt am Abendbrottisch mit „Schnittchen“, lösen sich die Zungen und lockern sich die Manieren. Der „Sumpf kommt ans Tageslicht“, die Dialoge werden gröber. So werfen sich etwa Anni und Gustav an den Kopf: „Dir jefällt et doch üvverall, wo et jet ze suffe jit“. Öhm Justav kontert: „Du kallst Blödsinn, Ahl“. Als wäre die Anspannung beim „Famillijefes“ nicht schon groß genug, schwärmt die inzwischen total betrunkene Josi von dem langen und leidenschaftlichen Kuss, den ihr einst „Hubi“ gegeben hat. Josi wird ins Bett gebracht, alle anderen Frauen verlassen beleidigt die Tafel, trudeln später aber wieder ein. Hubert wirft eine Saufkumpanen raus, weil er die Wogen für die anstehende Silberhochzeitsnacht glätten will.

Schlussendlich verkündigt Dora, dass es im nächsten Jahr keine Hochzeitstagsfeier gibt. Sie lässt Hubert eine Urlaubsbuchung verlesen: „Zwei Tage für acht Personen“. Die Formulierung löst wahre Begeisterungsstürme unter den Gästen aus, ist jedoch falsch. Sie muss lauten: „Acht Tage für zwei Personen“.

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