Jülich - Hubert Perschke zeigt Fotos vom Tagebau Hambach

Hubert Perschke zeigt Fotos vom Tagebau Hambach

Von: bro
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Emily Willkomm-Laufs, Marita Boslar und Gudrun Zentis (v.l.) präsentieren die Bilderausstellung im Grünen-Büro. Foto: Laura Broderius

Jülich. „Ruhe, aber nicht in Frieden“, heißt die Fotoausstellung von Hubert Perschke. Bis zum 28. April sind seine Momentaufnahmen aus dem Tagebau Hambach und dessen Auswirkungen auf Natur und Mensch noch im Büro der Grünen in Jülich zu sehen.

Eine Reflexion über die Folgen, die Menschen damit in Kauf nehmen, ganze Dörfer zwangsumzusiedeln und mit riesigen Erdlöchern nicht nur den Klimawandel sondern auch den Grundwasserspiegel zu beeinflussen. „Wir können jetzt noch nicht absehen, was wir kommenden Generationen damit hinterlassen. Dass wirklich ein See am Indemann entsteht, werden wir wahrscheinlich nicht mehr erleben“, sagt Landtagsabgeordnete Gudrun Zentis. „Was wir aber wissen, ist, dass über 40.000 Menschen eine Heimat verloren haben, die nur noch ein blinder Fleck auf der Landkarte ist.“

Wie dramatisch die Schicksale sind, wenn man nicht nur die Zahlen, sondern auch die Menschen sieht, zeigen die Bilder: Eine Nachbarin, die als ältere Frau mit dem Stress der bevorstehenden Umsiedlung frühzeitig verstarb, eine Bäckerei, die in Manheim geschlossen werden musste, weil sie wenig Aussicht auf Weiterführung in Manheim-neu hat. Den Bewohnern von Manheim, die bereits zum größten Teil dem Tagebau Hambach gewichen sind, widmete Perschke diesen Bildband - zur Erinnerung an die Heimat – ruhig und verlassen, aber nicht friedvoll.

Perschke selbst konnte wegen Krankheit nicht zur Eröffnung der Ausstellung erscheinen, aber seine Absicht wird dennoch deutlich: Es sind Bilder, die den Konflikt wieder neu aufarbeiten und den Betrachter auffordern, sich zu positionieren – nicht nur reduziert auf den Konzern RWE und die am Hambacher Forst ausharrenden Umweltaktivisten, mit denen das Problem derzeit personalisiert wird, sondern im Gesamtblick. Das Dilemma der Stromversorgung auf der einen und die Verantwortung für den Menschen und seine Umwelt auf der anderen Seite.

„Es gibt Alternativen zur Braunkohle, die effizienter sind, weniger Abgase haben, weniger Schaden beim Menschen und der Umwelt hinterlassen. Es gibt Gaskraftwerke, die stillstehen. Natürlich, weil sie teuer sind. RWE ist ein Konzern, der wie jeder andere auf seine Ausgaben achten muss. Die Verantwortung liegt damit letzten Endes bei der Politik“, fasst Zentis zusammen. Ob die Braunkohle die richtige Lösung war, mag keiner im Endeffekt wissen, aber wer das letzte Wort hatte, war die Regierung.

Gudrun Zentis liest aus dem Roman „Die Grube“, den die Autorin Ingrid Bachér für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt hat: „Wir hatten keine Chance, nichts entgegenzusetzen gegen die Werbung der Behelmten“, heißt es in dem Roman. Akribisch recherchiert und eindrucksvoll schildert Bachér die andere Seite der Medaille - gegenüber den Arbeitern, „den Behelmten“ Rheinbrauns und der Politik.

Die Seite der Protestler zu der Zeit, als die Umsiedlung für den Tagebau Garzweiler zur Diskussion stand - eine Schein-Diskussion, in der alles schon entschieden war. Diese verzweifelte Machtlosigkeit vor politischen Entscheidungen, die so weitreichende Folgen haben, wird deutlich. Mit Worten wie „Verletzung der Erde“ und „Wahnsinn der Vernichtung so vieler Dörfer und einer ganzen Landschaft“ setzt sie ein klares Statement.

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