Jülich - Hospizbewegung schöpft Kraft für das Kommende

Hospizbewegung schöpft Kraft für das Kommende

Von: jago
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Seit 20 Jahren berührt die Hospizbewegung Jülich-Düren die Menschen. In der Christuskirche stand eine meditative Stunde im Rahmen der Vorträge und Aktionen des Jubiläumsjahrs unter dem Motto „Und die Seele spannte ihre Flügel aus“. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Wir berühren den Kreis Düren“ lautet das Motto, unter das die Hospizbewegung Düren-Jülich das Jahr ihres 20-jährigen Bestehens gestellt hat. Eine der Berührungen erfolgte in der Jülicher Christuskirche, wo sich auf Einladung der Bewegung etwa 30 Mitbürger einfanden, um zu einer Stunde der Besinnung zu verweilen.

„Und die Seele spannte ihre Flügel aus“ waren die meditativen Texte und die Orgelmusik überschrieben. „Heute geht es mal nicht um das Sterben, sondern um das Leben“, begrüßte Anette Fischer, Koordinatorin in Jülich, die Zuhörer und ermunterte sie, durch die Teilnahme an der kleinen besinnlichen Stunde ein wenig Kraft zu schöpfen für das Kommende.

Die Geschäftsführerin der Wohnanlage „Sophienhof“, Gerda Graf, hatte eine Auswahl besinnlicher Texte zu fünf Themenbereichen ausgewählt, mit denen sie als Reflektion auf den zermürbenden Alltag Wege aufzuzeigen versuchte, dem inneren Gleichgewicht eine Chance zu geben. „Es ist, als stehe die ganze Gesellschaft balancierend auf einem Bein“, zitierte sie und bezog sich auf eine Schrift von Ricarda Moufang, die die Diskussion über die „große Erschöpfung“ um die These erweitert hat: „Gott ist abgetaucht. Vielleicht muss er sich einfach mal von den Menschen erholen.“

Die nächste Betrachtung handelte vom Augenblick, der alle denkbaren Möglichkeiten beinhalte. So geschehe es zur gleichen Sekunde, dass eine Hand liebevoll streichelt und eine andere schwere Verletzungen verursacht. Tiefe Nachdenklichkeit machte sich da bei den Zuhörern breit.

Auch Fehlschläge akzeptieren

Weiter angesprochen wurde die Lebensaufgabe, die man annehme oder auch nicht. Unter der Voraussetzung, dass das Interesse eine grundlegende Emotion des Menschen sei, empfahl Gerda Graf, sich um nachhaltiges Interesse zu bemühen, aus dem Vertrauen zu sich selbst erwachse. „Wir können Lebensaufgaben übernehmen, wenn wir uns selbst vertrauen“, machte sie Mut, auch Fehlschläge zu akzeptieren.

Das Alter anzunehmen und zu ihm zu stehen, lautete die vierte Passage. Dabei lohnte sich ein Blick zurück in die Zeiten, als die Alten noch als wertvolle Mitglieder der Gesellschaft galten, da sie Wissen und Erfahrung weiterzugeben vermochten. Heute habe sich die gesellschaftliche Betrachtung des Alters maßgeblich verändert, stellte die Vortragende fest und forderte auf, die Sichtbarkeit des Alters nicht zu verdecken: „Es ist lächerlich, wenn wir uns als 70-Jährige wie 50-Jährige gebärden.“

Zum Schluss wurde der Begriff Erbarmen hinterfragt. Auch wenn es uns fremd geworden sei, bräuchten wir es ab und zu doch, behauptete Gerda Graf und belegte dies mit der Aussage: „Wo das Erbarmen eine Chance haben will, wird es uns verbal verkleidet als Empathie genannt.“

Mit musikalischen Zwischenspielen verstärkte Bernd Schmidt, Vorstandsmitglied der Hospizbewegung, die meditative Stimmung und trug wesentlich dazu bei, dass die Stunde tatsächlich zu einer mentalen Erholung wurde.

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