„Holz Eschweiler“: Letzter eines einst florierendes Gewerbes

Von: hfs.
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„Holz ist unsere Leidenschaft“, sagen Daniel Schmitz (l.) und Hermann-Josef Zurkaulen, die das letzte Sägewerke im Jülicher Land betreiben. Jagdhund „Luck“ ist ebenfalls immer dabei, bewacht das rund 35 000 Quadratmeter große Betriebsgelände in Ederen. Foto: hfs
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Baumstämme werden bis zu einer Länge von zwölf Meter tagtäglich in der Gattersäge zu Holzplanken geschnitten die dann weiter verarbeitet werden. Foto: hfs

Ederen. Holz ist stabil, lässt sich auf vielfältige Art und Weise verarbeiten. Jedes Stück Holz bindet das umweltschädliche Kohlendioxid. „Holz gehört die Zukunft, als Rohstoff, Werkstoff und als Arbeitgeber.“ Hermann-Josef Zurkaulen lacht, schließlich gehört er zur letztgenannten Kategorie.

Der 65-Jährige aus Lich-Steinstraß hat fast sein ganzes Leben mit Holz verbracht. Er ist Holzkaufmann, führt in zweiter Generation mit seinem Neffen Daniel Schmitz ein Laubholzsägewerk mit Holzhandlung in Ederen, dessen Ursprünge über 100 Jahre alt sind.

Früher, so um die Jahrhundertwende, war der Umgang mit und die Verarbeitung von Holz eine der Hauptbeschäftigungen im alten Lich-Steinstraß. Jenem Ort, der dem Braunkohlenabbau zum Opfer fiel. Bis in die 1970er Jahre gab es dort neben den elf Kneipen noch vier Sägewerke, die bis zum Jahre 1990 allesallesamt verschwunden waren. „Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits acht Jahre lang an unserem jetzigen Standort gearbeitet“, erinnert Zurkaulen sich an den Umzug seines Unternehmens, das kurz nach der Jahrhundertwende gegründet worden war und vom Besitzer Josef Eschweiler noch in Alt-Lich-Steinstraß betrieben wurde.

So erinnert der Name „Holz Eschweiler“ noch an jene Tage, als im Altkreis Jülich zehn Sägewerke in Betrieb waren, von unterschiedlicher Art und Größe. Übrig geblieben ist nur noch „Holz Eschweiler“ in Ederen. Auf einem rund 35.000 Quadratmeter großen Betriebsgelände gibt die Firma 15 Leuten Arbeit und Brot.

Onkel-Neffe-Tradition

Dass Hermann-Josef Zurkaulen den Beruf eines Holzkaufmannes erlernte, war einem Zufall geschuldet. Von dem kinderlos geblieben Onkel Josef Eschweiler großgezogen, gab der ihm damals die Chance, in den Betrieb einzusteigen. „Mir hat der Umgang mit Holz von Kindesbeinen an Spaß gemacht, es strahlt Wärme und Behaglichkeit aus.

Ich fühle mich beim Umgang mit diesem Naturprodukt so richtig wohl.“ Ein Umstand, den auch Daniel Schmitz – neben Zurkaulen der zweite Geschäftsführer des Betriebs – hervorhebt. Ihn holte der ebenfalls kinderlos gebliebene Zurkaulen in die Firma. „Er ist mein Neffe, er zeigte ebenfalls großes Interesse, sich mit Holz und dessen Verarbeitung zu beschäftigen“, sagt der „Senior“-Chef über seinen 36-jährigen Kompagnon, der eine Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann absolvierte.

Die als traditionell und bodenständig geltende Holzwirtschaft zählt in Deutschland zu den solidesten Arbeitgebern. „Junge Leute haben in unserem Gewerbe gute Voraussetzungen, Karriere zu machen. Wer sich was zutraut und sich einbringt, aus dem kann im Holzfachhandel etwas werden“, sagt man beim Gesamtverband Deutscher Holzhandel (GD Holz), dem auch Holz Eschweiler angehört.

Spezialisiert auf so genannte Blockware bietet man ein umfangreiches Programm heimischer Laubhölzer in A- und B-Qualität, aber auch in der Massenware der B-und C-Sortierung an. „Zu 90 Prozent verarbeiten wir Eiche- und Buchenholz“ gewährt Zurkaulen einen Einblick in die Geschäftsphilosophie und verrät, dass rund 30 Prozent der Gesamtproduktion nach China, Vietnam oder Indien exportiert werden. „Der asiatische Raum wächst ständig. Wir beobachten diese Entwicklung natürlich mit großem Interesse“, blickt Zurkaulen voraus.

Dass man auf diese Entwicklungen reagieren muss, ist für den mittelständischen Betrieb selbstverständlich. So verfügt man über eigene Trocken- und Dämpfungskammern, hält laufend kammergetrocknete und lufttrockene Ware in sämtlichen Güteklassen und Stärken vorrätig. „Wir schneiden Bunthölzer in kleineren Mengen ebenso ein, wie wir nach Wünschen und Vorstellungen der Kunden arbeiten“, berichtet Daniel Schmitz, der den Holzeinkauf seinem Onkel überlässt. „Natürlich kaufen wir viel Holz in Deutschland, aber ich fahre auch oft nach Luxemburg oder Frankreich, je nach dem, was wir an Qualität brauchen und suchen.“

Darüber hinaus wird sämtliches Laubholz, das im Hambacher Forst anfällt, vom Ederener Betrieb aufgekauft. Dass manchmal sogar die Natur selbst für „Nachschub“ im Sägewerk sorgt, erlebten die beiden Holzfachleute im Vorjahr und sprechen das Pfingstunwetter in der Region an. „Da haben wir anschließend 17 000 Bäume von der Stadt Düsseldorf gekauft“.

Die lagen dann, nicht wie sonst üblich gefällt und entastet an einem Waldweg, sondern an Straßen oder Wegen in der Landeshauptstadt. Mit eigenen Kranfahrzeugen wurden die Bäume geholt, zwei Hauptspediteure – man greift je nach Auftragslage auf Aushilfsfirmen zurück – sorgten dafür, dass die Stämme nach Ederen kamen oder aber nach Belgien, wo in der Nähe von Eupen ein Sägewerk für „Holz Eschweiler“ arbeitet.

Dass die modernen Trockenkammern den Wünschen der Kunden „nach angepasster Qualität“ gerecht werden, dies ist für den Betrieb selbstverständlich. Ebenso der Schutz des wertvollen Holzes vor äußeren Einflüssen. „Kammergetrocknete Ware wird in geschützten Hallen bei ausreichender Belüftung bis zur Verladung gelagert“, sagt Zurkaulen. der im Holzhandel noch weiteres Zukunftspotenzial sieht. Natürlich seien Aufträge – zur Restaurierung eines alten Schlosses bestellte der Besitzer über 200 Meter Festholz – nicht das Tagesgeschäft. Aber der Trend nach Holz, der halte unvermindert an.

Zurzeit der Renner ist bei Schreinereien oder der verarbeitenden Möbelindustrie Eiche rustikal. Holz, das früher auf Grund von Astlöchern oder anderen Unebenheiten nicht gewollt wurde und im Schredder landete. „Das ist heute aus optischen Gründen gefragt, man will Astlöcher im Schrank oder in der Vertäfelung und im Parkett sehen“, sagt Schmitz und wie zur Bestätigung dieser Aussage kommt ein belgischer Schreiner, möchte eben dieses Rustikale. „Je mehr desto besser.“

Schiffsreise nach Asien

Derweil rattert in einem Nebengebäude die Gattersäge, „verschlingt“ Baumstämme bis zu einer Länge von zwölf Meter. Eingeschnitten kommt der Stamm zu den vielen Tausend anderen, die auf dem Gelände gelagert oder geschnitten in Container zum Hafen nach Antwerpen gebracht werden. Von dort treten Deutsche Eiche und Co. ihre mehrwöchige Schiffsreise nach Asien an.

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