Hoëcker im KuBa: Am Ende gibt es eine Liedfassung

Von: ptj
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Kleiner Mann bietet geistreiche Unterhaltung: Zum zweiten Mal in Jülich, landet der Kabarettist und Comedian Bernhard Hoëcker erfolgreich beim Publikum. Auf abgedroschene Witze zurückzugreifen, hat er bei seinen Auftritten nicht nötig. Foto: Jagodzinska

Jülich. Intelligente Unterhaltung mit wortwitzigen Überraschungseffekten bot sich den Zuschauern im voll besetzten Saal des Kulturbahnhofs beim Kabarett- und Comedyabend mit Bernhard Hoëcker in der Reihe „Watt zum Lachen“.

„So liegen Sie richtig falsch“ war der Abend überschrieben, an dem der kleine Mann mit der breiten Stirn und dem großen Hirn für kaum abschwellende Lachmuskelkrämpfe sorgte. Wenig überraschend gestand der Heavy-Metal-Fan mit einem Faible für wissenschaftliche Denkstrukturen, das Gehirn sei sein „Lieblingsorgan“. Der durchschlagende Erfolg seines Bühnenprogramms basierte sowohl auf seinem engen Kontakt zu den Zuschauern und der Analyse ihrer Denkmuster als auch auf seiner typischen Art, unbekanntere wissenschaftliche Fakten darzustellen, Erwartungshaltungen aufzubauen, um sie spontan und unerwartet aufzulösen.

Im „interaktiven Teil des Programms“ waren seinen „supergeilen“ Gäste sogar ausdrücklich aufgerufen, ihre Smartphones einzuschalten, die Browser App zu öffnen, und abzustimmen – wobei die Jülicher meist für eine Überraschung Hoëckers sorgten. Als Sahnehäubchen resümierte der Philanthrop, der immer wissen will, „wie sein Publikum tickt“, die Antworten des Abends in seinem Pausenresümee und im abschließenden musikalischen Teil.

Seinen Themenkreislauf Evolution, Mythologie und Religion mit politischer Würze startete der komische Wortakrobat mit interkulturellen Verständigungsproblemen, etwa durch falsch verstandene Handzeichen in anderen Kulturen. Nach einem Exkurs über das „Vergehen am Recht am eigenen Bild“ einer jungen WhatsApp-Userin im Publikum widmete er sich – stets mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik – sprachlichen Verständigungsproblemen. So sei etwa in Amerika das „Public viewing“ das öffentliche Aufbahren eines Verstorbenen.

Der katholische Spaßmacher, der sich „in Kirchen sehr wohl fühlt“, veranschaulichte sein breites Wissen über Reliquien, von der Longinuslanze, mit dem der römische Centurio Jesus nach seinem Tod in die Seite stach, bis hin zur Kontaktreliquie, die mit „Originalreliquien in Kontakt gekommen sind“ – „nach einer Idee des Heiligen Borromäus“. Mythologisch befasste er sich von der Herkunft des Begriffs Walküre, vom Komponisten Richard Wagner geprägt, bis hin zum (Un)Sinn von Hörnern auf germanischen Helmen.

Korrelationen ohne Kausalität

Schon war er bei seinem Lieblingsthemenkreis angelangt, Gehirnfunktionen und Wahrnehmungstäuschungen. Im Unterpunkt „Korrelationen ohne Kausalität“ stellte Hoëcker je zwei statistische Variablen vor, die trotz gleichen Verlaufs nichts miteinander zu tun haben müssen, wie etwa die absinkende Scheidungsrate in Maine und die gleichartig fallende Verkaufsquote von Margarine.

Von der Idee des „Vier-Ohren-Modells“ in Verständigungsfragen gelangte er zur „Theorie der optischen Verzögerung“ (Déjà-vu) bis hin zur „Überhöhung von negativen Einzelereignissen“ und ihrem „evolutionären Vorteil“. Anhand von unkomplizierten „experimentellen Zahlenreihen“ bewies er dem Publikum, dass „unser Gehirn die ganze Zeit nach komplizierten Mustern sucht“.

Kräftig abgelacht wurde auch nach eigentümlich anmutenden Antworten des einheimischen Publikums und Hoëckers Verblüffung. So wurde bei der Frage nach Jülicher Sehenswürdigkeiten an erster Stelle der „Schwanenteich“ genannt. Als Antwort auf die Frage nach einem Jülicher Wallfahrtsort fiel: „Der Hexenturm“.

Für anhaltende Erheiterung sorgte auch die unromantische Schilderung Barmener Eheleute, wie sie sich einst an Sylvester im „Broicher Tanzsaal“ kennengelernt hatten.

In seinem Abschlusslied „in Zimmerlautstärke“, mit dem Titel „Es ist noch nicht vorbei“ fasste Hoëcker die Eckpunkte des Abends zusammen, bevor ihn lang anhaltender Applaus für einen köstlich amüsanten Abend belohnte.

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