Linnich - Hochwertiger intimer Klaviernachmittag beim „Kultursommer“

Hochwertiger intimer Klaviernachmittag beim „Kultursommer“

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
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Ein Wohnzimmer-Konzert mit hoher Klasse am Flügel bot der junge Pianist Murad Abasov.

Linnich. Es ist sicher keine Übertreibung, wenn man den Auftritt des aserbaidschanischen Pianisten Murad Abasov als einen Höhepunkt des diesjährigen „Linnicher Kultursommers“ bezeichnet.

Der mit seinen 19 jungen Jahren bereits mit etlichen Wettbewerbserfolgen dekorierte Musiker bestritt im Hauskonzert der Familie Herzogenrath ein denkbar anspruchsvolles Konzert, dessen Erlös geflüchteten Kunstschaffenden aus aller Welt zugutekommen wird.

Eine gute Idee der Veranstalter, den Vereinigungen „Kultur ohne Grenzen“ und „Wir in Linnich“ mit Unterstützung des FDP Stadtverbandes Linnich, angesichts der vielen Krisenherde, die begabte und eigentlich dringend gebrauchte junge Menschen aus ihren Heimatländern vertreiben. Der politische Hintergrund blieb zum Glück das einzige, das einen Schatten auf die rundum gelungene Veranstaltung werfen konnte. Künstlerisch war der Nachmittag ein voller Erfolg.

Murad Abasov machte keinen Hehl aus seiner besonderen Vorliebe für Frédéric Chopin, von dem er zwei Balladen und zwei knifflige Etüden vortrug. Die Balladen, die dunkler getönte in g-Moll op. 23 Nr. 1 und die lichter gefasste in F-Dur op. 47 interpretierte der Musiker technisch versiert, mit Gespür für die melodische Substanz, aber auch für den dramatischen Pulsschlag der Musik, ohne sich in oberflächlicher virtuoser Eitelkeit oder auf sentimentalen Abwegen zu verlieren.

Fein empfundene, pianistisch sorgfältig geformte Interpretationen, die den Werken vollauf gerecht wurden. Chopins erste Etüde aus dem Zyklus op. 10 ist zwar sehr kurz, aber die gewaltigen Akkordsequenzen so locker und entfettet entfalten zu können, dass man die kräftezehrenden Anforderungen vergessen kann, daran kann Murad Abasov noch feilen. Dafür hat er noch viel Zeit und darin besteht schließlich auch der Sinn einer Etüde.

Die größte gestalterische Herausforderung verlangte dem Pianisten natürlich Beethoven mit der gewaltigen „Waldstein-Sonate“ op. 53 ab. Manuell ließ Abasov kaum einen Wunsch offen. Und, nicht selbstverständlich nicht nur bei Musikern seines Alters: Er behielt den Überblick über die komplexen Strukturen der drei Sätze. Dass es ihm nicht restlos gelang, dem kurzen, aber extrem zerrissenen langsamen Satz eine stimmige Geschlossenheit zu verleihen, ist verzeihlich. Und dass die dynamischen Kontraste bereits in den vorwärtsdrängenden Achtel-Figuren des Kopfsatzes stumpfer ausfielen als gewünscht, ist nicht zuletzt dem Flügel zuzuschreiben, der besonders ausgefeilte Anschlagsnuancen nicht zuließ.

Ergänzt wurden die Hauptwerke durch das schlicht vorgetragene Präludium und die im Stimmverlauf klar ausgearbeitete Fuge in As-Dur aus dem 2. Band des „Wohltemperierten Klaviers“ von Johann Sebastian Bach, dem zwei exotische Raritäten vorausgingen: „Qaytagi“, eine kraftvolle, motorisch vorwärts drängende Miniatur von Abasovs Landsmann Tofiq Quliyev, und „First Love“, eine etwas salonhafte Romanze aus der Feder des maltesischen Komponisten Alexey Shor.

Großer und verdienter Beifall für einen hochwertigen Klaviernachmittag.

Im Rahmen des „Linnicher Kultursommers“ findet an gleicher Stelle (bei Familie Herzogenrath, Im Krähwinkel 9 in Linnich) am 27. August um 17 Uhr ein Liederabend mit dem Bariton Sebastian Sietz und dem Pianisten Tobias Koltun statt.

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