„Hochexplosive Mischung”: Backpfeife im Treppenhaus

Von: gep
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Aldenhoven/Jülich. Es war, so die Staatsanwältin, eine „hochexplosive Mischung”, die im März 2011 in einem Aldenhovener Mietshaus zur Entladung kam.

Damals geriet der ehemalige Knackie und Alkoholiker B. (57) mit seinem Nachbarn D. (64) aneinander. Wegen einer vorsätzlichen Körperverletzung und zweimaliger Bedrohung wurde B. jetzt vom Amtsgericht Jülich zu einer Geldstrafe verurteilt - 70 Tagessätzen zu je zehn Euro. Das fand auch der Verteidiger „Tat und Schuld angemessen”.

Ein Psychiater hatte ihm zuvor eingeschränkte Schuldfähigkeit attestiert. B. habe, so der Sachverständige vor Gericht, damals an einer „langjährigen Alkoholabhängigkeit” gelitten. Sei er „hochgradig alkoholisiert” gewesen, sei er ab 2,5 Promille „aggressiv” geworden.

Er habe es auf einen Tageskonsum von bis zu 20 Flaschen Bier gebracht, fast vier Promille seien bei ihm schon ermittelt worden. B. lebt von Sozialhilfe nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch. Netto, so sagte er , seien das 255 Euro. Nach Aktenlage ist er Vater von vier Kindern. B. hierzu: „Ich weiß nur von drei.”

Akute Psychose

Abzahlen muss er eine Glasscheibe, die er im Mai 2011 mit einer Holzwasserwaage zertrümmert hatte. Damals, so der Gutachter, litt er unter Alkoholentzug, die sich u. in Halluzinationen geäußert habe und mit einer „akuten Psychose” einhergegangen sei. Hier wurde auf Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen nach Paragraph 20 des Strafgesetzbuches erkannt und daher in diesem Verfahren nicht verhandelt.

Mittlerweile, so führte sein Betreuer aus, sei er seit einem Jahr „trocken” und habe den Alkoholkonsum „selber auf Null gebracht”. In seiner äußerst sauberen Mietwohnung verhalte er sich ruhig. Zuvor hatte es B. auf 20 Eintragungen im Bundeszentralregister gebracht, derart viele Vorstrafen, so die Staatsanwältin, seien „schon eine Hausnummer”. B. lebt von Sozialhilfe nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch, netto, so sagte er, seien das 255 Euro.

Abzahlen muss er eine Fensterscheibe, die er im Mai 2011 mit einer Holzwasserwaage zertrümmert hatte. Damals, so der Gutachter, litt er unter Alkoholentzug, die sich u. a. in Halluzinationen geäußert habe und mit einer „akuten Psychose” einhergegangen sei. Hier wurde auf Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen nach Paragraph 20 des Strafgesetzbuches erkannt und daher nicht verhandelt.

Strafrichterin Claudia Wolny sah es als erwiesen an, dass B. an jenem Tag im März seinem Widersacher „zumindest eine Backpfeife” - B. gestand eine „Klatsche” ein - verpasst habe, die zu keiner größeren Verletzung geführt habe. Auch habe er ihm massiv gedroht - mit „Kopf abschlagen”.

Doch habe es seitens D. , der, so die Richterin, „auch nicht ohne” sei, ebenfalls „Provokationen” gegeben. Er sei, so der Verteidiger, „autoritär” und ein „kleiner Tyrann” in dem Mietshaus gewesen.

Ehemaliger Ringer

D., Rentner, ehemaliger aktiver Ringer beim TuS Aldenhoven und aus dem Haus mittlerweile verzogen, warf B. bei seiner Vernehmung als Zeuge vor, ihn „terrorisiert” zu haben. B. habe schon beim Einzug „getobt”, da die neue Wohnung vermüllt gewesen sei; laut Verteidiger sah sie aus „wie Sau”. B., so der Ex-Ringer, habe „Krach ohne Ende” gemacht, etwa die Musik aufgedreht und gegen die Tür getreten, so dass er mehrmals die Polizei wegen Ruhestörung herbeigerufen habe. Auch sei es zu Saufgelagen mit dem Nachbarn P. gekommen.

P. (42), Frührentner und unmittelbarer Nachbar von B., sagte vor Gericht aus, der Angeklagte sei in der Regel „total ruhig” gewesen.

Er habe an jenem März-Tag durch Zufall von seiner Diele aus gehört, dass D. B. vor desssen Haustür barsch angegangen sei: „Ich entscheide, was hier läuft.” Er habe sich als „Skinhead” bezeichnet und gedroht, seine „Kumpels” zu holen, um ihn zusammenzuschlagen.

B., laut Staatsanwältin „erheblich alkoholisiert und enthemmt”, fühlte sich dadurch nach eigener Aussage „blöd angemacht” durch einen „Rechtsradikalen” und habe ihm daher „eine geklatscht” - mit der flachen Hand, nicht mit der Faust.
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