Hoch hinaus: Von Beruf professioneller Baumkletterer

Von: Kr.
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Er hängt in den Seilen: Bei der schon spektakulären Fällaktion an der Titzer Pfarrkirche übernahm Christian Bach die Arbeiten im Baum. Foto: Kròl
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Alle Hände voll zu tun: Daniel David, Fachagrarwirt für Baumpflege und professioneller Baumkletterer. Foto: Kròl

Ederen. Was Daniel David aus Ederen und seine Kollegen Tag für Tag vollbringen, ist zirkusreif. Doch im Gegensatz zu den Artisten arbeiten sie mit Netz und doppeltem Boden. Sicherheit ist ihr oberstes Gebot. Das bedeutet, sie sind gleich mit zwei Seilen gesichert, wenn sie sich in den Bäumen bewegen, denn Daniel David ist professioneller Baumkletterer.

Die richtige Berufsbezeichnung ist Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung. Seit 2001 führt er seinen eigenen Betrieb. Nach dem Abitur absolvierte er zunächst eine Ausbildung in einer Baumschule und erlangte dann die Qualifikation zum Agrarwirt.

War er zunächst noch im Landschafts -und Gartenbau tätig, spezialisierte er sich im Laufe der Zeit immer mehr in der Baumpflege und Baumsanierung. Überwiegend für die öffentliche Hand ist er tätig und seit dem Pfingstunwetter in unserer Region kann er sich vor Arbeit kaum retten. Dabei sagt er: „Mit der Baumpflege kann man heutzutage kein Geld verdienen. Es ist die Idee, schwierige Arbeiten möglichst schnell und effektiv zu erledigen, die bezahlt wird“.

Daher hat er sich vor einigen Jahren auch entschlossen, sich als Baumkletterer ausbilden zu lassen. Drei Kurse waren dazu nötig. Zunächst einmal galt es, den Motorsägenschein zu erlangen. Danach erfolgte ein Kletterkurs in den Bäumen und nach 200 Kletterstunden durfte er sich zum Kurs „Klettern mit Motorsäge“ anmelden.

Viel Sicherheit

Heute ist Daniel David qualifiziert, selbst Kurse anzubieten. Sein Spezialgebiet sind die schwierigen Fälle. Überall dort, wo man mit einer Arbeitsbühne nicht herankommt, heißt es für ihn und seine Kollegen, die Gurte umzuschnallen und in die Bäume zu klettern. Stets ist dabei ein zweiter Mann vor Ort, der ebenfalls die nötigen Qualifikationen aufweist, um bei einem Unfall schnell nachklettern zu können. Das wird regelmäßig trainiert. „Man muss aber nicht nur klettern können, sondern auch Verständnis für den Baum haben“, sagt der Baumkletterer.

Zunächst einmal wird untersucht, ob der Baum sicher steht. In einen maroden Baum zu klettern ist ein zu großes Risiko. Dann wird der Ankerpunkt gesucht, ein Seil dorthin geworfen und eingestiegen. Nun wird noch das Arbeitsseil eingehängt, nach dem Flaschenzugprinzip arbeitet sich der Kletterer hoch. „Wir arbeiten immer unterhalb des Ankerpunktes und es ist wichtig, sich den günstigsten Arbeitsweg im Baum vorher zu suchen. Das spart Kraft, denn es ist sehr anstrengend, rauf und runter zu klettern“, erläutert er. Schwindelfrei muss ein Kletterer schon sein und er sollte neben dem nötigen Fachwissen auch ein gesundes Quäntchen Angst mitbringen, meint David. Die körperliche Fitness kommt dann von alleine.

Eng arbeitet David mit anderen Kollegen zusammen. Gegenseitig leiht man sich das Arbeitsgerät aus, vor allen Dingen aber Erfahrung und Informationen. Viele Aufträge werden außerdem in Kooperation bearbeitet. So war bei der letzten großen Baumfällaktion in Titz Christian Bach mit im Boot. Dort mussten an der Kirche zwei große Linden gefällt werden, die beim Sturm stark beschädigt wurden. Mit einer Arbeitsbühne war der Fall nicht zu lösen.

Noch jede Menge aufzuräumen

So wurde ein großer Kran geordert und Christian Bach übernahm die Arbeit im Baum. Mit dem Kran wurde der Kletterer zusätzlich gesichert und gleichzeitig ermöglichter er es, die abgesägten und gebrochenen Äste sicher zu Boden zu bringen. So ging dann auch diese Aktion relativ unspektakulär und sicher über die Bühne.

Daniel David selbst stand am Häcksler, mit dem das Schnittgut sofort zerkleinert wird und anschließend am die Spannplattenindustrie geht. Bis Ende des Jahres, so denkt er, wird er mindestens mit den Aufräumarbeiten nach dem Unwetter beschäftigt sein, ehe er wieder zu Pflege und Sanierungsmaßnahmen zurückkehren kann. Das ist auch nötig, den für den Fachmann ist eines klar: Die großen Schäden beim Unwetter sind meist hausgemacht.

Die Bäume haben den falschen Standort oder wurden nicht richtig gepflanzt. Außerdem wurde in den vergangenen Jahren immer mehr an der fachgerechten Pflege der Bäume gespart.

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