Historische Holzspiele begeistern im Brückenkopf-Park

Von: ptj
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Zielsicher wirft der achtjährige Jonas einen Ring über einen der Türme beim Burgturm-Ringwurfspiel im Jülicher Park. Foto: Jagodzinska
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Felix Pampuch (2.v.r.) und Negi Eskandarpour (2.v.l.) erklären die historischen Holzspiele, die originalgetreu nachgebaut wurden. Foto: Jagodzinska

Jülich. Um das warme Material Holz kreisten bereits eine Woche vor der großen Holzhackermeisterschaft zahlreiche Aktivitäten im Stadtgarten des Brückenkopf-Parks. Der Veranstaltungsdienstleister „Spiel- & Erlebniswelten Hohenwald“ hatte auf Wunsch der Parkleitung 18 große historische Holzspiele platziert.

„Die meisten Spiele sind recht selbsterklärend. Sie stammen größtenteils aus der Renaissance und sind originalgetreu nachgebaut.“ Das sagte Felix Pampuch, der gemeinsam mit Kollegin Negi Eskandarpour im renaissancezeitlichen Outfit als Spielanleiter fungierte.

Einige Besucher hatten bereits an den Spieltischen Platz genommen und die Regeln herausgefunden, die denen heutiger Geschick­lichkeits- oder Strategiespiele durchaus ähneln. So ist nach Bekunden Eskandarpours das über 400 Jahre alte Geschicklichkeitsspiel „Jakkolo“ niederländischen Ursprungs, das im Stadtgarten in der XXL-Variante zu finden war, „die Urform des Airhockeys“. Gespielt wird mit 30 Holzscheiben, die in drei Durchgängen auf alle vier Punktefächer verteilt werden. Die nicht ins Ziel gelangten Scheiben kommen im zweiten und dritten Durchgang erneut zum Einsatz.

Bereits am Hofe von Sonnenkönig Ludwig XIV. spielte jeweils eine Person mit Holzkugeln in einem Durchmesser von zehn Zentimetern das Denkspiel „Solitaire“. Das auf einer Art Billardtafel gespielte „Trou Madame“ (Das Lochspiel der Dame) stammt aus der viktorianischen Zeit des britischen Empires und war das Lieblingsspiel von Königin Victoria.

Zwei Pärchen aus Herzogenrath testeten im Park das „Königliche Paarsuchspiel“, ebenfalls in der XXL-Variante, ein Memory-Spiel, das wahrscheinlich bereits im 12. Jahrhundert in Japan als „Kai-Awase“ (Muscheln zusammenfügen) bekannt war. Auch das vom indischen Subkontinent stammende „Königliche Carrom“ stand als Brett- und Geschicklichkeitsspiel für zwei oder vier Personen bereit. Getestet wurde auch das historische „Tic Tac Toe“, ein klassisches Strategiespiel für zwei Personen, das schon um 1300 v. Chr. in Ägypten beliebt war. Im römischen Imperium wurde es später „Terni Lapilli“ genannt, heute ist es unter anderem als „Drei gewinnt“ bekannt.

Viele Kinder übten sich als vermeintliche Ritter im „Burgturm-Ringwurfspiel“, einem Nachbau eines mittelalterlichen Turnierspiels. Beim wesentlich größeren historischen Vorbild maßen sich die Teilnehmer allerdings vom Pferd aus. Angezogen fühlten sich die Kids auch von einer Variante des „indonesischen Kalaha“ mit hölzernen Meeresschildkröten. Ziel des Spieles ist es, durch vorausschauendes kluges Verteilen der Bohnen in die wunderschönen Schildkröten selbst die meisten Kalaha-Bohnen zu sammeln.

Weitere Beispiele heutiger beliebter Spiele in der historischen Variante waren das Sternhalma oder Domino aus der Barockzeit und das Mühlespiel aus der Renaissance. Das historische Holzkugelspiel war auch als die moderne Umsetzung „Colour Balls“ vertreten. „Ein ganz beliebter Klassiker der Zeit“ war auch das mit 64 Steinen auf einem Schachbrett gespielte „Steinchenwechselspiel“, auch bekannt unter den Namen „Reversi“ oder „Othello“, das heute zu den beliebtesten Brettspielen Japans zählt.

So bot sich den Besuchern bei größtenteils trockener und warmer Witterung nicht nur ein interessanter Einblick in historische Spielegewohnheiten. Teamgeist und Kommunikationsgabe wurden aktiviert, weil der ein oder andere zufällig vorbeikommende Gast zum aktiven Mitspieler wurde.

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