Historische Gesellschaft Lazarus Strohmanus weiht neue Strohpuppe

Von: ptj
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Pattühm Thomas Gissler-Weber (Bildmitte) benetzt seine Finger mit „echtem Taufwasser“, gereicht von Heinrich Ningelgen (l.), bevor es nach der Taufe getrunken wird. Foto: Jagodzinska

Jülich. Nach „zähen Verhandlungen“ auf der Suche nach einem geeigneten „Pattühm“ für die Strohpuppe Lazarus Strohmanus war Heinrich Ningelgen, Präsident der gleichnamigen Historischen Gesellschaft, fündig geworden: Als Täufer bei der traditionellen „Lazarustaufe“ im Kuba am kirchlichen Fest der „Taufe des Herrn“ trat Thomas Gissler-Weber in Erscheinung.

Die verstorbenen Väter der Genannten waren Freunde und publizierten gemeinsam das Buch „Lazarus mit der Geige“. In seinem ausführlichen Klaaf bot Ningelgen diese „Rarität“ mit seinen ausdrücklich als „wahr“ erklärten Inhalt als große Überraschung gegen eine „Spende von mindestens fünf Euro“ zum Kauf an. Nutznießer des Gesamterlöses sei die Stephanusschule Selgersdorf.

Die gesamte Historische Gesellschaft versammelte sich auf der Bühne, um unter Ningelgens Dirigat vollmundig das „Lazaruslied“ anzustimmen. Potenzial für den Jülicher Männergesangverein findet sich unter den Brüdern allemal. Höhepunkt der von Tanz- und Musikdarbietungen umrahmten Veranstaltung war natürlich der Taufakt selbst, den Thomas Gissler-Weber mit einer kurzen Rede würzte. Verbindungen zwischen ihm und der Strohpuppe sei etwa die Tatsache, dass einer seiner Vorfahren (Dr. Richard Gissler-Weber) einen der Ahnen des Strohmanus taufte. Weiterhin fand der Polospieler Gemeinsamkeiten in der Vorliebe für „Reitstiefel ähnlichem Schuhwerk“ und den Wellen. Nämlich die in der Wellpappe aus der Papierfabrik Gissler-Pass und die Wellen der Rur, in denen Lazarus am Veilchendienstag versenkt wird. Der Pattühm nannte den vollständigen Namen des Täuflings: „Thomas, Walther, Georg, Richard Lazarus Strohmanus“ und bat die Strohpuppe nach alter Tradition, die Schuld aller Jülicher mitzunehmen. „Aber nicht die der Stadt“ ergänzte Ningelgen später augenzwinkernd.

Vor dem feierlichen Taufakt hatte der Präsident folgende Taufnamen verkündet, beginnend mit der „lateinischen“ Version: Superbus praefectus equitum ad polus hamus-arx vehiculum conuncitio. Viator inter orbis et opus, difficilis capere stirps, nepos et filius de fundere-textor vel fundere ad iugum. Fabricare de unda pappus, colligere. Post superbus ortus et imperator-sectio ad dat reperio benignus patronus et bonus-paris, bene-forma, longus-capillus aurum-splendidus Thomasus, Waltherus, Georgus, Richardus collum at crus fractura. Bonus conicere.

Die „unnsinnjemäße Översetzung“ ins Hochdeutsche sei: Stolzer Reiter beim Polo im Hamburger Bentley-Club, Reisender zwischen den Welten und Betrieben, schwer einzufangender Sproß, Enkel und Sohn derer von Gissler-Weber bzw. Gissler & Pass. Hersteller von Wellpappe, Karton und Verpackungen. Nach schwerer Geburt und Kaiserschnitt zu uns gefundener wohlgesinnter Taufpate des gut gebauten, wohlgeformten, langhaarigen, goldigglänzenden Thomas, Walther, Georg, Richard Lazarus Strohmanus. Hals und Beinbruch. Gut Werfen. Schließlich trug er den „Doofnam em Johr 2015“ als „Kneeh-reite-leed in Plattdütsch“ vor: Hoppe, hoppe Reite, wenn e fällt dann schreit’e. Fällt de en de Grabe, fresse ehm de Rabe. Fällt de en de Sumpf, mäht de Reite plumps. Hoppe, hoppe Reite, wenn e fällt dann schreit’e. Fällt de en de Hecke, fresse ehm de Schnecke. Fällt de en de Sumpf, mäht de Reite plumps. Hoppe, hoppe Reite, wenn e fällt dann schreit’e. Fällt de en et gröne Gras, mäht de sich de Botz janz naß. Fällt de en de Sumpf, mäht de Reite plumps. Hoppe, hoppe Reite, wenn e fällt dann schreit’e. Fällt de en et Wasser, mäht de sich noch nasser. Fällt de en de Sumpf, mäht de Reite plumps. Hoppe, hoppe Reite, wenn e fällt dann schreit’e. Fällt de ob di Steen, dohn ehm wih de Been. Fällt de en de Sumpf, mäht de Reite plumps. Bresch dich blos net de Hals on de Been. Jood Preck.

Gießkanne als Instrument

Das Rahmenprogramm gestalteten die Blaskapelle „Merzbachmusikanten“, die Mundartmusikanten Wolfgang Gehlen, Hans Weiergans und Bernd Flücken und das „Original kubanische Fernsehballett“, in Wirklichkeit das der CCKG. Erwähnenswert ist das „musikalische Genie“ Ronny Eßer, der zunächst in Büttenredenform darüber berichtete, „was man so alles erlebt, wenn man inne Musikverein spillt“. Seine Rede würzte der Musikkünstler mit kreativsten Vertonungen, unter anderem setzte er dazu eine Gießkanne mit Mundstück oder ein Toilettenbecken mit Plastikschlauch ein!

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