Jülich - Hinter Gissler & Pass liegt ein schwieriges Jahr

Hinter Gissler & Pass liegt ein schwieriges Jahr

Von: Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:
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Auch in Jülicher Standorte wurde investiert: Thomas Gissler-Weber (r.) und Manfred Schlapps an der neuen Stanze im Werk Lorsbeck. Foto: Uerlings
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Hauptsitz von Gissler & Pass: Das Unternehmen findet man an vier Orten in Jülich: zwei Mal an der Dürener Straße, in Lorsbeck und Kirchberg. Foto: Uerlings

Jülich. Gissler & Pass ist nicht irgendwer. Das Unternehmen war vor 133 Jahren der Pionier der Wellpappenherstellung auf dem europäischen Festland. Und es ist einer der größten privaten Arbeitgeber in Jülich. Nach mehreren guten Jahren in Folge war 2014 für G&P aber ein in jeder Hinsicht schwieriges.

Das hat vor allem zwei Ursachen: Geplante Großinvestitionen haben sich am zweiten Firmenstandort in Rodenberg bei Hannover unerwartet lange verzögert und deutlich mehr gekostet, weil sich ein Genehmigungsverfahren in die Länge gezogen hat. Zudem wurde unerwartet das Werk eines großen Kunden in den Niederlanden geschlossen. Die Folge waren roten Zahlen bei gleichbleibendem Umsatz im Geschäftsjahr. Die Bilanz ist noch nicht veröffentlicht. Richard Gissler-Weber und Geschäftsführer Manfred Schlapps bestätigten diese Fakten auf Anfrage unserer Zeitung. Die Einbußen werden nun „mit einer Reihe von Maßnahmen“ kompensiert.

„Das 2014er Ergebnis war nicht gut. Jetzt müssen wir uns anstrengen“, fasst Gissler-Weber knapp zusammen. Stolz ist er aber darauf, dass sich Gissler & Pass weiter als „Familie“ aufstellt, denn auch die Beschäftigten helfen.

Mit den Betriebsräten in Jülich und Rodenberg und den Beschäftigten sei vereinbart worden, dass das übertarifliche Gehaltsniveau beibehalten, aber auf die Steigerung aus den Tarifverhandlungen in diesem Jahr verzichtet wird. G&P gehört weiter dem Arbeitgeberverband an, jetzt aber zunächst ohne Tarifbindung, wie Gissler-Weber und Schlapps informierten. Gleichwohl soll nach Überwindung der aktuellen Situation zur bisherigen Regelung zurückgekehrt werden.

Dass Gissler & Pass weniger ein strukturelles als ein spezielles Problem im vergangen Jahr hatte, lässt sich daran ablesen, dass die größten Investitionen in der jüngeren Vergangenheit abgeschlossen wurden: 18 Millionen Euro sind aufgewendet worden, davon laut Unternehmensführung gut 12 Millionen in Rodenberg und 6 Millionen an den Jülicher Standorten. In Niedersachsen entstanden 12.000 Quadratmeter neue Fabrikationsfläche, nachdem die alten Gebäude vollständig ausgereizt waren. In den Wellpappenwerken Jülich und Rodenberg wurden automatisierte innerbetriebliche Transportsysteme installiert.

Bei zeitgemäßer Umsetzung hätten die Investitionen noch im laufenden Jahr 2014 zu deutlichen Ersparnissen geführt – und zu einer Ausweitung der Kapazitäten, also mutmaßlich steigenden Umsätzen, sagt die Unternehmensleitung. Beide Effekte traten aber zunächst nicht ein, weil die Gissler & Pass-Pläne von einer Behörde ausgebremst wurden. Der Schallschutz war Streitpunkt und machte mehrere Gutachten und teure Nachbesserungen notwendig. Nur mit Unterstützung der Samtgemeinde Rodenberg und des Kreises Schaumburg sei es möglich gewesen, „den einzelnen Beamten der zustimmungspflichtigen Behörde zu überzeugen“.

Manfred Schlapps sagt deutlich: „Wir ringen nicht nach Aufträgen, sondern fahren Schicht auf Schicht. Wir hatten unter einer extremen Verzögerung mit finanziellen Folgen zu leiden.“ Nun aber ist die neue Infrastruktur „auf der Reihe“. Die Erweiterung in Rodenberg könnte auch eine Blaupause für den weiteren Ausbau einer der Standorte in Jülich sein, denn die Kunden haben laut Geschäftsführung begeistert reagiert: „Damit habt Ihr neue Maßstäbe gesetzt.“ In der großen Halle mit vorwiegend neuen Maschinen ist eine weitgehend automatisierte Just-in-Time-Produktion möglich.

„Nun warten wir drei bis fünf Jahre und sammeln Erfahrungen“, erklärt Thomas Gissler-Weber. Dann werde auch über weitere Investitionen in Maschinen und Gebäudeerweiterungen in Jülich nachgedacht. Der Ausbau des immer noch deutlich kleineren Standortes Rodenberg geschah auch aus Gründen der Produktionssicherheit. Vor allem große Kunden fragten gleich zu Beginn einer Verhandlung: „Was macht Ihr, wenn eine Maschine ausfällt?“ Dann muss Jülich für Rodenberg einspringen können und umgekehrt. Das geben die Kapazitäten nun sehr viel her.

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