Jülich - Herrlicher Schwank: Der eingebildete Kranke enttarnt wahre Absichten

Herrlicher Schwank: Der eingebildete Kranke enttarnt wahre Absichten

Von: ptj
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Aus dem „aahle Jammerlappe“ wird ein gebildeter Kranker: „Et Züff“ (Edith Leßenich, l.) rettet „dä Schäng“ (Karl Roberz) aus seinem Irrtum. Rechts im Bild sind Lisbeth (Ilsemie Fleischhauer) und Thomas Diafurüs (Michael Küpper) zu sehen, die nun doch zusammengefunden haben. Foto: Jagodzinska

Jülich. Aus dem „eingebildeten Kranken“ in Molières Dreiakter „Le malade imaginaire“ wird in der kürzeren und flotteren Version der „Heimatbühne der Eifeler Mundartfreunde“ ein gebildeter Kranker, der sich tot stellt und aufersteht, nachdem er die wahren Gefühle seiner Nächsten enttarnt hat. Die Gäste in der Stadthalle hatten einen Abend lang mächtig Spaß an der Komödie „Schäng, der reiche Schweinezüchter“.

Protagonist Schäng (Frontmann Karl Roberz), der eigentlich Johann Graf heißt, ist ein Hypochonder, der ständig nach Einläufen mit „Rhinozeros-Öl“ verlangt. „Hier in dem Huus hätt‘ keine krank ze sin usser mir“, ist seine Maxime.

Die Handlung spielt natürlich in Eefeler Mundart, unterbrochen durch höchst amüsante schwülstige Passagen in Hochdeutsch und Phantasie-Französisch. Letzteres parliert der Apotheker Eugen Rafjeü (Kalle Leßenich), der dem vermeintlich Sterbenskranken teure Medikamente und etliche Analspülungen verabreicht. Er kann aber schnell wieder in Mundart umschwenken: „Je m‘en vais – isch jonn“.

Schängs rabiate Hausangestellte „et Züff“ (Edith Leßenich) ahnt von Anfang an, dass das Familienoberhaupt gar nicht krank ist, seine heiß geliebte zweite Ehefrau Malvine (Mariele Braun) ein Verhältnis mit dem Apotheker hat, und dass fast alle Beteiligten die Absicht haben, an Schängs Vermögen zu kommen. Bis auf dessen geschiedene Tochter Lisbeth (Ilsemie Fleischhauer), die der leidende Landwirt unbedingt verheiraten will, um den Fortbestand seiner Schweinezucht zu sichern. Dafür ausgewählt hat er Thomas Diafurüs (Michael Küpper), der im 30. Semester in Bonn Medizin studiert, denn der Hypochonder will einen Arzt als Schwiegersohn – und seine fachkundige Pflege.

Phantasie-Fachvokabular

Der Schwiegersohn in spe reist mit seinem Bruder, dem Arzt Johannes Diafurüs (Martin Otten) an, den Schäng als zweiten Hausarzt verpflichtet. Viel Spaß bereitete dem Publikum das Aufeinanderprallen einfacher gradliniger Charaktere, die nur Mundart sprechen, und vermeintlich vornehmerer mit Phantasie-Fachvokabular und unlauteren Absichten.

„Dat war keene Affrong, dat wor janz eenfach ne Rausschmiss“, so drückt sich etwa „et Züff“ aus, deren Rolle Edith Leßenich auf den Leib geschnitten ist. Sie ist es schließlich auch, die Schäng rät, sich tot zu stellen. „Duut stelle? Bisse beklopp, dat kann ja lebensjefährlich sin“, ist dessen erste Reaktion. Doch die Rechnung geht auf. Schäng händigt Rafjeü den bereits aufgesetzten „Schenkungsvertrag unter Lebenden“ nicht aus und gibt seiner Frau den Laufpass.

Lisbeth ist zunächst gar nicht begeistert von Thomas‘ herrlich blödsinnigen Vorstellungsreden und seiner Einladung zu einer „unterhaltsamen Obduktion“. Doch sie entdeckt ihr Herz für den bei der „Säuszucht“ so geschickten Mann, der dafür sogar sein Studium aufgeben will. Köstlich in besagter Rede war im Übrigen das Detail vom „Standbild des Memnon (einem halbgöttlichen König der Äthiopier), das bei Sonneneinstrahlung einen harmonischen Ton von sich gibt“. Wer schließlich in den Arztkittel schlüpft, ist Schäng, aus dem „aahle Jammerlappe“ wird ein gebildeter Kranker.

Begeistert wurde das siebenköpfige Ensemble aus der Eifel beklatscht, das sich schon vor vielen Jahren in die Herzen der Jülicher gespielt hat. „Die sind toll, der Besuch hat sich gelohnt“, brachten Zuschauer ihre Begeisterung auf den Punkt.

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