Jülicher Land - Helfer brauchen Hilfe: Betreuungsvereine in Not

Helfer brauchen Hilfe: Betreuungsvereine in Not

Von: Daniela Mengel-Driefert
Letzte Aktualisierung:
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Viele Menschen brauchen nicht nur Pflege: Der Betreuungsverein hilft, wenn Menschen bei der Kommunikation mit Behörden nicht mehr zurecht kommen. Um diese Arbeit leisten zu können, ist der Betreuungsverein auch auf Hilfe angewiesen. Foto: dpa
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Herbert Hamann, Diplom-Sozialarbeiter und Vorsitzender des Betreuungsvereins der Diakonie Düren-Jülich-Heinsberg: „Ich finde, man kann einem Menschen mit 35 Stunden im Jahr nicht gerecht werden“. Foto: Mengel-Driefert

Jülicher Land. Hilfe ist nötig, wenn jemand aus eigenen Kräften nicht mehr in der Lage ist, wesentliche Bereiche des Alltags zu regeln. Das kann bei psychischen oder physischen Erkrankungen der Fall sein oder auch im Alter. Das Amtsgericht setzt dann einen gesetzlichen Betreuer ein.

Findet sich niemand aus dem familiären Umfeld, springt der Betreuungsverein ein und stellt einen haupt- oder ehrenamtlichen Betreuer. Diese Hilfe ist in Gefahr, klagen die Wohlfahrtsverbände, da die Finanzierung der Betreuungsvereine defizitär ist.

Im Laufe der Jahre habe sich die Situation zunehmend verschlechtert, die geleistete Arbeit werde nicht mehr auskömmlich gegenfinanziert, gibt Herbert Hamann, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes des Kirchenkreises Jülich und Vorsitzender des Betreuungsvereins der Diakonie Düren-Jülich-Heinsberg, Auskunft und sagt deutlich: „Wir können die Betreuungsarbeit nur durch einen Zuschuss des Kirchenkreises Jülich im fünfstelligen Bereich sicherstellen.“ Seit 2005 ist die pauschalisierte Vergütung nicht mehr angehoben worden. Die Personalkosten seien aber um 19 Prozent gestiegen, betont Hamann.

Vertretung gegenüber Ämtern

Was machen nun ein Betreuer und der Betreuungsverein konkret? Warum ist diese Arbeit wichtig? Die gesetzliche Betreuung ist auf bestimmte Lebensbereiche wie der Gesundheitsfürsorge, der Vertretung gegenüber Ämtern und Behörden, Vermögenssorgen oder der Aufenthaltsbestimmung klar konzentriert. Mit Entmündigung hat das heute nichts mehr zu tun. 1992 wurde das Betreuungsrecht von der Vormundschaft alter Prägung umgestellt auf die Betreuung.

Das Mitwirkungsrecht des Betreuten ist klar geregelt. Der Betreuer sucht den Betreuten auf, lernt die Lebenssituation und den Menschen kennen und verschafft sich einen ersten Überblick, was geregelt werden muss. Im Durchschnitt werden im Jahresverlauf 35 Stunden jährlich durch die Gerichtskasse vergütet. Das reiche bei weitem nicht aus, informiert Hamann und sagt: „Das ist eine mittlere Katastrophe.“ Die Betreuungsarbeit beinhalte neben vielen Verwaltungstätigkeiten auch den Aufbau eines persönlichen Kontaktes, um die Dinge im Sinne des Betreuten regeln zu können. Das brauche mehr Zeit.

Ob ein hauptamtlicher oder ehrenamtlicher Betreuer die Tätigkeit übernimmt, entscheidet im Grundsatz das Betreuungsgericht mit der Betreuungsstelle des Kreises. Grundsätzlich versucht der Betreuungsverein, die hauptamtlich Betreuten in eine ehrenamtliche Betreuung zu überführen. Die Dienstleistungen der hauptamtlichen Betreuer werden je nach Qualifikation unterschiedlich vergütet, die Arbeit der fachlich qualifizierten Mitarbeiter der Diakonie mit 44 Euro pro Stunde abgerechnet. Hat der Betreute kein Vermögen, bezahlt die Gerichtskasse. Das ist meist der Fall. „99 Prozent unserer Betreuten sind nicht vermögend“, erklärt Hamann.

Die defizitäre Situation zieht Konsequenzen nach sich. Im Diakonieverein entfällt in Kürze eine hauptamtliche Stelle, eine Mitarbeiterin wechselt den Arbeitsplatz, die Stelle wird nicht neu besetzt. Auch ein Beratungsangebot wird eingestellt. Die Mitarbeiterin der Diakonie bot monatliche Sprechzeiten bei der Stadt Jülich an, auch diese entfallen in Zukunft.

Die Beratung, Gewinnung und Schulung von ehrenamtlichen Mitarbeitern gehört ebenfalls zu den Aufgaben des Vereins, auch die Information über Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen. Für die Finanzierung seien sämtliche Fördermittel in den letzten Jahren weggebrochen. Herbert Hamann: „Wir sind auf die Unterstützung des Kirchenkreises angewiesen, obwohl es auch eine Aufgabe von Land und Kommunen ist.“ Es gehe nicht darum, Geld zu verdienen, sondern die Mittel für die geleistete Arbeit aufbringen zu können.

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