Heinrich Campendonk: Ausstellung im Glasmalerei-Museum

Von: Antonius Wolters
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Ein breit gefächertes Jahresprogramm, das weit über das eigene Haus (Bild) hinausgeht, ist von Direktorin Myriam Wierschowski und ihrem Team für das Deutsche Glasmalerei-Museum Linnich zusammengestellt worden. Foto: Wolters
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Diese Rundscheibe von Heinrich Campendonk zeigt den Apostel Petrus mit den Schlüsseln zum Himmelreich. Foto: Museum/Stefan Johnen

Linnich. Breit gefächert und prall gefüllt ist das Jahresprogramm des Glasmalerei-Museums Linnich, das Museumsdirektorin Dr. Myriam Wierschowski unlängst vorgestellt hat.

Die Sonderausstellung „Raumkunst der Gegenwart – Glasmalerei und Skulptur von Tobias Kammerer“ ist am vorvergangenen Wochenende zu Ende gegangen und hat speziell auch zum Ende der Ausstellung hin eine große Resonanz gefunden.

Nun wird mit Hochdruck an der Ausstellung „Kristalline Welten – Die Glasgemälde Heinrich Campendonks“ gearbeitet, die am 5. April eröffnet wird. Auf diese Schau freut sich die Museumsdirektorin ganz besonders, denn in der Reihe der Klassiker der Glasmalerei-Moderne wird erneut ein bedeutender rheinischer Glasmaler, der durch seine Malerei internationales Ansehen erlangte, in einer einzigartigen Ausstellung präsentiert. Heinrich Campendonk (1889 –1 957) gehört zu den Künstlern des Rheinischen Expressionismus und ist vor allem als Mitglied der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ bekannt geworden. Weniger bekannt ist dagegen, dass Campendonk auch ein versierter Glasmaler war.

Besonders stolz sind Dr. Wierschowski und ihr Team, dass im Glasmalerei-Museum erstmals zwei monumentale Glasgemälde aus Privatbesitz als Leihgaben gezeigt werden, die Campendonk während des Krieges 1941–44 für St. Kolumba in Köln ausführte. Die beiden Fenster, die nie eingebaut wurden, vermitteln mit einem weiteren, postum ausgeführten Fenster sowie den Originalkartons von zwei weiteren Fenstern erstmals das gesamte Bildprogramm für die aufwendige künstlerische Gestaltung der Ostwand der einstmals bedeutenden Kölner Pfarrkirche. Weiterhin zeigt die Campendonk-Schau einen repräsentativen Querschnitt durch das glasmalerische Werk des Krefelder Künstlers mit Inkunabeln der Kunstgeschichte wie der Kreuzigung für das Augustinerkloster Marienthal von 1926 oder dem Passionsfenster für die Pariser Weltausstellung 1937.

Eingebettet in die Ausstellung, die bis zum 28. September gezeigt wird, ist am 4. September der Vortrag „Falsche Bilder – echtes Geld. Der Fall Beltracchi und der Schaden für die Kunstgeschichte.“ von Kulturjournalist Stefan Koldehoff, der mit Tobias Timm die Geschichte um den Kunstfälscher ausführlich recherchiert hat. Zu den Künstlern, die der in Geilenkirchen aufgewachsene Wolfgang Beltracchi im Visier hatte, gehörte auch Campendonk, wenn auch nicht seine Glasbilder. Auf den Spuren von Campendonk wandelt im Mai eine Exkursion per Bus, die unter anderem zum Kloster Marienthal in Hamminkeln und diversen Kirchen führt.

Ein Kontrastprogramm bieten die beiden Sonderausstellungen im Herbst, die zeitgleich am 22. November eröffnet werden. „Fritz Geiges: Künstler – Kopist – Restaurator“ widmet sich einem bedeutenden Freiburger Glasmaler, der zu den außergewöhnlichen Künstlerpersönlichkeiten des ausgehenden 19. Jahrhunderts zählt. Zu seinen spektakulärsten Aufträgen gehört die Gestaltung der 27 Fenster und Mosaiken für die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin 1895. Während Geiges zudem Glasmalereien des 13. bis 16. Jahrhunderts mit großer Stilsicherheit restaurierte, widmet sich die Sonderausstellung mit Werken des Korschenbroicher Glaskünstlers Klaus Michael Dross dessen durch Experimente geprägten zeitgenössischen Glasmalereien und -skulpturen.

Doch das Linnicher Museum ist nicht allein im eigenen Haus aktiv. In Zusammenarbeit mit dem Kreis Düren und Burg Nideggen wird ab 31. August im Burgenmuseum eine Ausstellung mit Arbeiten von Helmut Kaldenhoff und Ernst Küppers gezeigt, die in den 1960-er/70-er Jahren an der Kölner Werkkunstschule studierten und die sich stilistisch am Werk ihres Lehrmeisters Wilhelm Teuwen orientierten. Die Ausstellungen werden begleitet durch ein Rahmenprogramm mit Führungen, Workshops und Exkursionen.

Ein weiteres Highlight im Jahresprogramm sind die Veranstaltungen zur Glasmalerei in Kooperation mit dem Aachener Domkapitel, das sich der Expertise des Museums als Forum für Glasmalerei bedient. In der Kaiserstadt wird nämlich nicht nur das Karlsjahr gefeiert, sondern auch die 600-Jahr-Feier der Chorhalle im Hohen Dom gefeiert, die zur Erweiterung des Sakralbaus nach 60-jähriger Bauzeit vollendet wurde.

Das lichtdurchflutete so genannte „Glashaus“ mit seinen einzigartigen Glasmalereien ist am 23. und 30. August jeweils Ziel von zwei Exkursionen, die der Aachener Kunstglasermeister Michael Scheu als Experte begleitet. Darüber hinaus sind im historischen Ambiente des Kreuzgangs im Aachener Dom im August drei jeweils dreitägige Glasmalerei-Workshops geplant, bei denen Kabinettscheiben nach historischer Vorlage der Chorhallenfenster entstehen sollen. Während sich diese Workshops an Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren richten, sind an gleicher Stelle im Juli und August weitere Kurse für Kinder „Malen auf Glas“ nach Vorbildern aus der Chorhalle vorgesehen.

Ein lang gehegter Wunsch des Fördervereins geht auch in Erfüllung, denn am 24. Mai erfolgt eine Exkursion nach „Linnich und Umgebung“, wo zahlreiche Kirchen mit Fenster namhafter deutscher Glaskünstler ausgestattet sind. Freien Eintritt genießen die Besucher beim Internationalen Museumstag am 24. Mai, wenn um 11 Uhr auf dem Museumsvorplatz außerdem der VI. Linnicher Glasmarkt beginnt. Hin- und Rückfahrt mit der Rurtalbahn sind an diesem Tag ebenfalls kostenlos.

Um neue Besuchergruppen zu erschließen, sind auch wieder kulturelle Veranstaltungen im Museum vorgesehen, die nicht unmittelbar auf die Glasmalerei fokussiert sind. Für den 22. Mai ist ein „Claire Waldoff-Abend“ mit der Schauspielerin Maggy Domschke geplant, die mit Pianist Erik Kross die „Goldenen Zwanziger Jahre“ lebendig werden lässt. „Goethes Faust“ als Schattentheater präsentiert das Theater der Dämmerung schließlich am 27. November.

Neben solchen Sonderveranstaltungen gehören das Museumsfrühstück sowie Workshops für Jugendliche und Erwachsene zu den Standards, die das Glasmalerei-Museum regelmäßig anbietet. Im laufenden Jahr möchte Direktorin Wierschowski die Arbeit mit Senioren ausbauen, für die in in Kooperation mit dem Sophienhof in Niederzier ein spezielles Programm entwickelt worden ist.

So werden die betagten Leute zunächst in ihrem Umfeld besucht. Ein „Museum aus dem Koffer“ bringt ihnen das Themenfeld des Glasmalerei-Museums näher, das schließlich auch aufgesucht wird. „Später werden wir das Konzept vielleicht auch auf Demenzkranke ausweiten“, sagt Dr. Wierschowski, die einem entsprechenden Arbeitskreis angehört und auch um die Förderung solcher Vorhaben weiß, die auch ihrem Haus gut tun würden.

Das Programmheft für das laufende Jahr ist im Museum gratis erhältlich. Es kann auch als PDF-Datei direkt unter www.glasmalerei-museum.de heruntergeladen werden und wird alternativ auch zugesendet (E-Mail: info@glasmalerei-museum.de; Telefon 02462/99170).

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