Koslar - Heine-Abend „war wirklich erste Sahne“

Heine-Abend „war wirklich erste Sahne“

Von: rb
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Heine-Abend in Koslar: Matthias Fuhrmeister an der Gitarre.

Koslar. „Also, dass war wirklich erste Sahne! Dass man so etwas in Koslar geboten bekommt, hätte ich wirklich nicht erwartet!“ Andrea Royé, Diplom-Schauspielerin aus Aachen, hatte sich einen Tag frei genommen und war nach Koslar gekommen, um den Heinrich Heine-Abend mit Matthias Fuhrmeister zu erleben.

„Bei dem Begriff Heine-Abend denkt man zunächst an eine Lesung.“ Was die Zuschauer im prall gefüllten de Nickel Schuppen erleben durften, ging jedoch weit über eine gewöhnliche Rezitation hinaus: Fuhrmeister las nicht, er spielte und sang.

Die Lebendigkeit, mit der Matthias Fuhrmeister, der bis 2011 noch zum festen Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses gehörte, die Zeilen Heinrich Heines verkörperte, ließen den ein oder anderen Zuschauer stellenweise vermuten, es handele sich um Fuhrmeisters eigene Worte.

„Ich schätze Heinrich Heine vor allem aufgrund seiner großen Vielfältigkeit“, verriet der 48-Jährige sein Faible für den kritischen Journalisten, Essayisten, Satiriker und Polemiker. „Vom intimen Liebesgedicht bis hin zum hochpolitischen Werk – alles ist dabei.“ Und das galt auch für das Repertoire des ganzen Abends: Mit Fuhrmeister gemeinsam wurde das begeisterte Publikum melancholisch, als es um die Liebe ging, spürte die heitere Vergnügtheit Heines, wenn es um die leichten Seiten des Daseins ging, und war ein ums andere Mal verblüfft, welch aktuellen Klang Heines politische Kritik auch heute noch hat. Im Jahr 1795 kam der „letzte Dichter der Romantik“ in Düsseldorf zur Welt, als die Rhein-Metropole noch Hauptresidenz des Herzogtums Jülich-Berg war. Er wuchs im Geist der Haskala, der jüdischen Aufklärung, auf.

Nun also sollte Heine in Koslar wieder künstlerisch zum Leben erweckt werden. Und das gelang Fuhrmeister, der in Hamburg zum Schauspieler ausgebildet wurde und mittlerweile selbst in Düsseldorf lebt, eindrucksvoll. „Ich versuche immer, einen ganz persönlichen Zugang zu Heine zu finden, und mache auch nur das, was mich persönlich betrifft.“

„Deutschland, wir weben Dein Leichentuch. Wir weben hinein den dreifachen Fluch!“ So heiß es im Gedicht „Die schlesischen Weber“. Ein völlig neues Erlebnis wurde daraus, als Fuhrmeister es mit eigens komponierter Melodie sang und Gitarre dazu spielte. „Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,/Den unser Elend nicht konnte erweichen,/Der den letzten Groschen von uns erpreßt/Und uns wie Hunde erschießen läßt./Wir weben, wir weben.“

Ein Glas guten Weines, um den es auch bei Heine hin und wieder ging, konnten die Zuschauer nach der Vorstellung noch gemeinsam mit Fuhrmeister trinken, als dieser nach drei stürmisch eingeforderten Zugaben von der Bühne abging und sich an auf einer Bank vor dem de Nickel Schuppen niederließ.

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