Jülich - Haus Overbach will hoch hinaus: Dauerhafte Tagungsgäste

Haus Overbach will hoch hinaus: Dauerhafte Tagungsgäste

Von: Volker Uerlings
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Bekommt nicht nur ein neues Da
Bekommt nicht nur ein neues Dach: Das frühere Internat auf dem Gelände von Haus Overbach. Auch im Inneren ist ein Groß-Umbau im Gange. Foto: Uerlings

Jülich. An und für sich ist der „dunkle Lord” nur eine nette Nebensache. Aber „Voldemort”, der durch und durch fiese Dauer-Gegenspieler von Harry Potter, steht symbolisch für eine grundlegende Veränderung auf dem Gelände von Haus Overbach.

Dort, wo über Jahrzehnte der Orden der Oblaten des Heiligen Franz von Sales und das Internat eher die Abgeschiedenheit gesucht haben, halten die große weite Welt und selbst Romanfiguren Einzug. Das wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen. Haus Overbach öffnet sich für jedermann und so auch für Live-Rollenspieler, die vom 21. bis 23. September „Den Aufstieg des dunklen Lords” darstellen und dafür im eigens angefertigten Prospekt das „ambientige Kloster mit 4 ha Gelände” belegen. Darüber hinaus will Haus Overbach hoch hinaus und dauerhaft Tagungsgäste an den „altehrwürdigen und spirituellen Ort” locken. 4-Sterne-plus-Standard inklusive.

Den Begriff Umbau darf man in mehrfacher Hinsicht wörtlich nehmen. Mit der Aufgabe des Internatsbetriebes und der Anstellung eines Geschäftsführers mit betriebswirtschaftlichem Stallgeruch brechen neue Zeiten an. Das früher Internat heißt nun „Franz-von-Sales-Kolleg” und beherbergt derzeit vor allem Handwerker. Sie decken das Dach neu und drehen innen quasi alles auf „links”, um das Konzept des von Ralf Stutzke geführten Unternehmens Overbach umzusetzen. „Tagen und genießen” in der tatsächlich außergewöhnlichen Atmosphäre wird es zukünftig heißen. 90 Betten stehen dann in luxuriösen Zimmern auf der zweiten Etage des alten Internats. Der Betrieb wird etwa im Frühjahr 2013 aufgenommen.

Im ersten Geschoss befinden sich 13 Seminarräume und im Erdgeschoss das eigentliche Kolleg, das bereits im September seine Arbeit aufnimmt. Hier sollen für jeweils zwei Semester motivierte junge Menschen auf ein Studium im „MINT”-Bereich vorbereitet und in ihrer Persönlichkeit gestärkt werden. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik. Hier sehen Geschäftsführer Ralf Stutzke und der Kolleg-Leiter Simon Jörres eine Bildungs-Marktlücke.

Denn durch das „Turbo-Abitur” für alle und den Wegfall der Wehrpflicht sind die Studienanwärter(-innen) deutlich jünger und manchmal auch noch unentschlossen. Das Angebot in Barmen soll Qualität, Orientierung und Praxisnähe liefern. Dafür sorgen Kooperationen mit der RWTH, der Fachhochschule und Unternehmen. Der neue Kollegleiter Simon Jörres ist Mathematiker und im April von der Universität Erlangen-Nürnberg nach Jülich gewechselt. Natürlich profitieren Jörres und die künftigen Kollegiaten auch von dem hervorragenden Möglichkeiten im Science College gleich um die Ecke.

Die Offensive und die Öffnung in Overbach sind aber auch notwendiger Kraftakt zur Sanierung und langfristigen Bestandssicherung. Zum einen sind laut Geschäftsführer „wichtige Investitionen überfällig” - wie in eine neue Heizung und die Dämmung der Dächer. Fünf Millionen Euro hat der Orden als Anschubfinanzierung für wichtige Maßnahmen locker gemacht.

Stutzke, der nun seit einem Jahr quasi der „Schlossherr” ist, nennt auch die Motive des Trägers: „Der Campus Haus Overbach ist defizitär. Der Orden kann und will das aber nicht kaputtgehen lassen.”

Klar ist aber auch, dass mit dem neuen Konzept und dem „Knowhow der freien Wirtschaft” das Defizit minimiert werden muss. Viele Menschen, aber auch Unternehmen sind Haus Overbach verbunden und helfen bei diesen Bemühungen, so der Geschäftsführer.

Das Potenzial für Tagungen sei hoch, sagt Ralf Stutzke, der sich auf einige hundert Gespräche unter anderem mit Unternehmern und Verbänden stützt. Das Kolleg wird daher auch luxuriöser ausfallen als zum Beispiel das Schloss, das bewusst vorerst nur eine neue Sanitärinstallation erhält. Hier werden die Ordensvertreter untergebracht. Eine Ausnahme bilden die bereits fertiggestellten Seminarräume, die ebenso freundlich wie technisch modern ausgestattet sind.

Tagungsstätte und Kolleg sind aber lange nicht alles, was Overbach ausmacht. Der Sinn für Kultur bleibt ausgeprägt. So bleibt die Musik ein wichtiger Stützpfeiler, aber auch die anderen „schönen Künste”. Am Samstag, 8. September, stellen so etwa 100 Künstler ihre Werke im gesamten Areal aus, unter anderem 41 Skulpturen. An diesem Tag, über den wir noch separat berichten, halten nach langer Zeit auch woeder Ritter Einzug in Overbach - noch vor Harry Potter und Voldemort.
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