Hat Schleiden zu früh gefeiert?

Letzte Aktualisierung:
nonnenhof2-
Angelehnt an ein historisches Bild aus dem 18. Jahrhundert präsentiert sich die Besitzerfamilie im Schleidener Nonnenhof mit Sohn Pierre (v. l.), der angehenden Schwiegertochter Sandra Viehöver, Ehepaar Edmund und Marion Frank und Hans Kunnes, Autor der Dokumentation. Foto: Zantis

Schleiden. Ist Schleiden 1997 nicht 1000 Jahre, sondern erst 893 Jahre alt geworden? Kann also der Aldenhovener Ortsteil womöglich in ferner Zeit noch einmal ein 1000-jähriges Ortsjubiläum feiern? Diese Fragen ergeben sich aus einer Dokumentation mit dem Titel „Nonnenhof in Schleiden - erstmals urkundlich erwähnt 1217”, die von Hans Kunnes zusammengestellt wurde.

Der Heimatforscher aus Baesweiler hat die reichlich bebilderte und mit belegbaren Urkunden versehene Schrift im Auftrag der jetzigen Besitzerfamilie Falk erarbeitet.

Vergünstigungen besiegelt

Kernstück der ersten schriftlichen Erwähnung des Nonnenhofes ist die Urkunde unter Lacomblet II. aus dem Jahr 1217. Die mit dem anhängenden Siegel versehene Urkunde im Düsseldorfer Landesarchiv stammt vom Jülicher Grafen Wilhelm III. und besiegelt eine so genannte „Vergünstigung”.

Sie befreit den zum Kloster auf dem Aachener Salvatorberg gehörenden Nonnenhof in Schleiden von allen Abgaben. Diese von seinem Vater gewährte Befreiung für den Zisterzienserorden wurde nochmals 1218 von seinem Sohn Graf Wilhelm IV. in einer zweiten Ausfertigung bestätigt.

Dass Schleiden unter dem Namen „Leidon” erstmals 997 erwähnt wurde, ist zweifelhaft, denn in einer Urkunde von Kaiser Otto III. „wurde die Abtei Burtscheid und nicht Schleiden gegründet”. Damit, so wird in der Dokumentation weiter klargestellt, „ist eine Berichtigung der bisher veröffentlichten Jahresdaten bezüglich Erwähnungen von Schleiden und dem Nonnenhof erforderlich.”

Die Fehldeutungen sind offensichtlich durch Verwechslungen von Urkunden entstanden, die Schleiden erstmals 1104 erwähnen. „Diese Irrtümer führten dazu, dass bei nachfolgenden Publikationen ungeprüft die falschen Daten übernommen wurden.”

Zisterzienserinnen auf dem Hof

Erwiesen ist allerdings, dass der Schleidener Nonnenhof vor rund 800 Jahren von den Zisterzienserinnen bewirtschaftet wurde. Auch im Schleidener Wappen ist das Zeichen des Ordens mit dem schrägen Balken von abwechselnd weißen und roten Feldern erkennbar. Die sechs Goldäpfel verweisen auf den Schutzpatron St. Nikolaus, Patron der Pfarrkirche. Identisch mit einem Wappenstein am Wirtschaftsgebäude des Nonnenhofes ist auch ein großes Wappenemblem am Eingang der Aachener Pfarrkirche St. Johann in Burtscheid. Allerdings tragen die seitlich postierten Löwen ihre Schwänze am Aachener Ordenswappen hoch und im Nonnenhof nach unten.

Als sich 1789 mit dem Sturm der Bastille die französische Revolution auch auf die benachbarten Länder ausbreitete, hatte die nachfolgende Säkularisierung auch Auswirkungen auf die Ordensniederlassung in Schleiden. Die Nonnen mussten ihr Anwesen verlassen und die Hofanlage wurde von Napoleon einem verdienten Veteran übertragen.

Nach der entscheidenden Niederlage der Franzosen 1815 kam es zur Versteigerung der so genannten „Domänengüter”. Darunter war auch der Nonnenhof, der in einer Auktion vor der Rentei Geilenkirchen schließlich in den Besitz der Familie Weitz überging.

Geschichte der Familie Weitz

Ausführlich wird in der vorliegenden Dokumentation auch die Familiengeschichte Weitz vorgestellt. 1878 erbaute Konrad Weitz im Garten des Hofgeländes ein Landhaus. Im Volksmund bekannt als die so genannte „Villa”. Von der Familien Weitz ging das sanierungsbedürftige Anwesen 2003 in den Besitz der Eheleute Edmund und Marion Falk mit den Kindern Pierre und Jenny über.

Während die Renovierungsarbeiten am Gebäude der „Villa” 2007 abgeschlossen wurden, soll der gesamte Sanierungsprozess im Bereich der Hofanlage fortgeführt werden. Hier hat Edmund Falk mit seiner ihm eigenen Ideenvielfalt im Ausbau des Wohnhauses sowie der Stallungen mit separaten Wohnungen und Gesellschaftsräume schon recht eigentümliche Kreationen verwirklicht.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert