Hat die frühere Polizeischule bald einen neuen Mieter?

Von: Otto Jonel
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Fachhochschule Aachen
Noch ist die Fachhochschule Aachen Mieter in der ehemaligen Polizeischule. In einem Jahr könnte auf dem Schild „Fachhochschule für Finanzen” stehen. Foto: Jonel

Linnich. Zieht in das Haus ein Mieter ein, der da schon einmal gewohnt hat? Auf diese Frage lässt sich vereinfacht herunterbrechen, was derzeit im Umfeld des ehemaligen Polizeiausbildungsinstituts ausgelotet wird.

Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes Nordrhein-Westfalen hat offenbar einen zweiten Interessenten als Mieter der Gebäude an der Rurdorfer Straße an der Hand - die Finanzverwaltung des Landes.

Auslöser der Suche war die anstehende Verlängerung des Mietvertrages zwischen Bau- und Liegenschaftsbetrieb und der Fachhochschule Aachen, die für Studenten im Vorbereitungsjahr Unterkünfte in Anspruch nimmt. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb zielt auf eine langfristige Vereinbarung ab, konkret auf einen Mietvertrag über eine Laufzeit von zehn Jahren.

Die Fachhochschule würde sich darauf aber nur unter der Bedingung einlassen, dass eine Kündigungsklausel eingebaut wird, die unter bestimmten Bedingungen den vorzeitigen Ausstieg aus dem Mietvertrag ermöglicht. Das war dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb zu vage. Angesichts beabsichtigter erheblicher Investitionen in das Gebäudeensemble pochte der BLB auf Planungs- und Kostensicherheit.

Unter diesem wichtigen Aspekt ist die Finanzverwaltung der Fachhochschule voraus. „Die Finanzverwaltung braucht keine Ausstiegsklausel”, brachte es Dietmar Nietan auf den Punkt. Der SPD-Bundestagsabgeordnete hatte sich aus gutem Grund um Informationen bemüht. „Mir war wichtig, dass in Linnich keine Ruine entsteht.”

Alle halten sich bedeckt

Entschieden ist derzeit noch nichts. Die beteiligten Parteien halten sich bedeckt. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW reagiert auf Anfrage wortkarg. „Es gibt Gespräche”, bestätigte Sprecher Thomas Tintelot.

Da das ein laufender Prozess sei, könne er weder etwas über den Inhalt noch über die Gesprächspartner selbst etwas mitteilen. Ähnlich zugeknöpft reagierte Daniel Moritz, Pressereferent im Finanzministerium des Landes Nordrhein-Westfalen. Immerhin: „Es werden Gespräche mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb geführt.” Mehr sei zu diesem Zeitpunkt nicht zu sagen.

Allerdings wird nicht nur geredet. Der Rektor der Fachhochschule Aachen, Professor Marcus Baumann, wurde um eine Stellungnahme hinsichtlich einer Kündigung des Mietverhältnisses zwischen BLB und Freshman-Institut zum Jahresende gebeten. Auf diese Weise ließe sich bereits im Vorfeld einiges ausloten. Auf ein Problem bei Auslaufen des Mietvertrags wies beispielhaft Prof. Hermann-Josef Buchkremer, Leiter des Freshman-Instituts, hin: „Wenn wir jetzt vor der Situation stünden, kriegten wird eine Alternative so schnell nicht hin.”

Will heißen: Eine neue Bleibe für die derzeit rund 140 Freshmen, die in der ehemaligen Linnicher Polizeischule wohnen, ließe sich zum 1. Januar 2013 wohl nicht finden. Buchkremer betonte wiederholt, er würde „am liebsten in Linnich bleiben”. Wenn aber keine Annäherung zwischen der Forderung des BLB und dem Höchstmaß an Zugeständnis der Fachhochschule möglich sei, würde er wenigstens das Herbstsemester der Freshmen über das Jahr hinaus in Linnich untergebracht wissen, sagte Buchkremer.

An diesen Fall dachte nicht nur Professor Buchkremer. Hans-Friedrich Oetjen, Fraktionsvorsitzender der Linnicher SPD, hatte Bürgermeister Wolfgang Witkopp gebeten, sich nach Unterbringungsmöglichkeiten für die Freshmen in Linnich zu erkundigen. Freier Wohnraum in erheblichem Umfang, so Oetjen, stünde eventuell in den Mietsblöcken unweit der Polizeischule zur Verfügung. Diese Häuser sind allerdings in Privatbesitz.

Wenn es nach dem Jülicher CDU-Landtagsabgeordneten Josef Wirtz ginge, müsste es so weit gar nicht erst kommen. Er sieht immer noch gute Chancen einer Annäherung zwischen BLB und FH. Die strittige Ausstiegsklausel habe doch wohl eher Pro-Forma-Charakter, meint er mit Blick auf die Fachhochschule. Und den Bau- und Liegenschaftsbetrieb würde das Land kaum hängen lassen, wenn das Freshman-Institut tatsächlich vorzeitig aus dem Mietvertrag aussteigen müsste.

Er hielte es sogar für denkbar, dass Finanzfachhochschule des Landes und Freshman-Institut nebeneinander die Linnicher Liegenschaft nutzten. Denn 960 Studenten und knapp 50 Dozenten, wie in den Jahren 2004 bis 2006, werden sicherlich nicht von Nordkirchen nach Linnich wechseln. Mit Finanzhochschülern und Freshmen wäre auch eine Linnicher Mensa sicherlich mehr als eine Überlegung wert.

Dietmar Nietans Ansatz - „Meine Lieblingslösung wäre, wenn die Fachhochschule in Linnich bliebe” - ist orientiert an der Grundüberlegung schlechthin. Falls die Fachhochschule für Finanzen das Freshman-Instut als Mieter ablösen sollte, wäre eines immerhin gewährleistet: „Nämlich, dass die Liegenschaft für die nächsten zehn Jahre vermietet ist und nicht verfällt. Das wäre wichtig für Linnich.”
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