Kofferen - Hancocks Kampf zurück ins Hundeleben

Hancocks Kampf zurück ins Hundeleben

Von: Guido Jansen
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Foto: Guido Jansen

Kofferen. Am 6. November wird Hancock zwei Jahre alt. In den vergangenen fünf Wochen haben Frauchen und Herrchen oftmals nicht daran geglaubt, dass ihr Hund seinen zweiten Geburtstag erlebt. Denn am 18. September wurde Hancock von zwei Kampfhunden angefallen.

Im Jäger-Fachjargon würde man sagen: Sie haben ihn gerissen. Zweimal musste Hancock notoperiert werden, zwei Wochen lang war Jennifer Mueller jeden Tag mit ihrem Hund beim Tierarzt. „Wir haben am Anfang häufiger gedacht, dass er das nicht schafft. Es sah schlimm aus“, sagt Mueller. „Er hat vermutlich riesiges Glück gehabt. Und er ist ein Kämpfer.“ Selbst beim Tierarzt habe man ihr gesagt, dass es ein Wunder sei, dass Hancock noch lebt. Denn die Bissverletzungen in seinem Rumpf waren schwer.

Jetzt springt der Sheltie – so die Kurzbezeichnung für die Rasse Shetland Sheepdog, die aussehen wie kleine Langhaarcollies – wieder halbwegs vergnügt durch die Gegend, wenn er mit Frauchen durch die Felder rund um Kofferen streift. Die Narben sind gut verheilt, bis auf das Loch, in dem sich die Drainage befunden hat. Da ist Hancock immer noch geklammert. Allerdings will er an der Stelle nicht mehr vorbei gehen, an der er damals ins Feld getrieben und dann mehrfach in den Unterleib gebissen wurde. Jennifer Mueller berichtet von zwei Hunden, die plötzlich links und rechts an ihrem Fahrrad vorbeigeschossen sein sollen. Sie fiel vor Schreck vom Sattel, während Hancock die Flucht ergriff. Vergeblich. Seine Verfolger waren größer und schneller.

Bald hörte Mueller ihren Hund schreien. Im Feld sah sie, dass eines der Tiere sich in Hancocks Unterleib verbissen hatte und der andere im Kreis um das Geschehen herum lief. „Der Kopf dieser Hunde war fast halb so groß wie mein Hund“, sagt sie. Hancock wurde gebissen, in die rechte und die linke Seite des Rumpfes. Das zeigen die großen Narben noch heute. Mueller hat versucht, ihren Hund zu befreien, hat nach den Angreifern getreten. Ein Mann sei dann angerannt gekommen, vermutlich der Halter. Ihm sei es dann letztlich gelungen, den Biss zu lösen. An den Halsbändern habe er die Hunde davongeschleppt, eine Leine habe er laut Mueller nicht dabeigehabt.

Was bisher neben den großen Narben auf Hancocks Unterleib übrig bleibt, sind Tierarztrechnungen in Höhe von fast 1700 Euro und eine Strafanzeige, in deren Sache die Polizei derzeit ermittelt. Auch das Ordnungsamt der Stadt Linnich befasst sich mit dem Fall. Als Fakten liegen Hancocks Narben und die Bilder von seinen schweren Verletzungen auf dem Tisch und die Tatsache, dass die zwei Hunde, die ihn angefallen haben, zu den sogenannten Listenhunden gehören und als große Hunde geführt werden.

Umgangssprachlich spricht man von Kampfhunden. Sie dürfen nach Landeshundegesetz nur an einer Leine ausgeführt werden und müssen einen Maulkorb tragen. Sollten die Tiere einen Wesenstest bestehen, dann können sie von diesen Pflichten befreit werden und dürfen dann außerhalb geschlossener Ortschaften und ohne Kontakt zu anderen Menschen und Tieren frei laufen. Ob es für die Hunde, die Hancock angefallen haben, eine solche Ausnahme gegeben hat und ob der Halter hätte sehen müssen, dass seine Hunde und er nicht alleine auf den Feldwegen unterwegs waren, müssen die Ermittlungen noch zeigen.

Die Einfuhr und die Aufzucht solcher Listenhunde sind verboten, sie dürfen nur dann aus Tierheimen übernommen werden, wenn die Halter einen Sachkundenachweis erbracht haben oder wenn aufgrund des Berufs erkennbar ist, dass die Sachkunde vorhanden ist. Das gilt beispielsweise für Tierärzte oder Polizeihundeführer. Im Landeshundegesetz steht weiter, dass für gefährliche Hunde eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden muss. Ein weiterer Absatz besagt, dass auch Hunde, die ein ungewöhnliches aggressives Verhalten gezeigt haben, als gefährlich eingestuft werden können, unabhängig von ihrer Rasse.

Hancock dürfte das alles egal sein. Das schönste Geburtsgeschenk an ihn dürfte wohl sein, wenn er möglichst bald keinen Schutzmantel und keine Verbände mehr tragen muss.

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