Haben die Jülicher den Rummel satt?

Von: Nicola Gottfroh
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Mit ruhiger Hand Enten angeln: Die jüngeren Kinder fanden auf der Sommerkirmes durchaus interessante Angebote.

Jülich. Die Schwestern Vanessa und Sarah überlegen noch, ob sie für die nächsten drei Minuten lieber als Feuerwehrfrauen, Busfahrerinnen oder Prinzessinnen fühlen möchten.

Die Mädchen entscheiden sich im letzten Augenblick für eine Spritztour in zwei knallbunten, augenscheinlich PS-starken Mercedes-Limousinen.

Und dann geht die Fahrt auf dem Kinderkarussell auch schon los. Zwar immer nur im Kreis und nur mäßig rasant, aber die Mädchen haben ihren Spaß. Es ist Sommerkirmes in der Herzogstadt. Vier Tage lang möchten Schausteller mit Fahrgeschäften, Verkaufs- und Imbissständen für pures Kirmesvergnügen bei den Herzogstädtern sorgen.

Anders als bei vielen anderen Jahrmärkten ist die Kirmes eine recht seltene Mischung aus Markt und Rummel. Stände mit Textilien, Leder- und Haushaltswaren dominieren das Kirmesbild. Die Rummelmeile erstreckt sich von der Kölnstraße über den Marktplatz und endet am Wallramplatz. Dort macht sich Jan gerade für seine Fahrt bereit. Er hält den Brustbeutel, den er um den Hals trägt, ganz fest.

Schließlich ist sein Kirmesgeld in der quitschgrünen Geldbörse: Einen 20-Euro-Schein hat seine Oma dem 9-Jährigen zugesteckt. Den möchte Jan bei der Jülicher Sommerkirmes auf den Kopf hauen. Allerdings nicht wie Vanessa und Sarah auf dem Kinderkarussell. „Dafür bin ich doch schon viiiieeel zu alt”, sagt der Zweitklässler. Wie die Großen will er lieber mit den Autoscooter seine Runden drehen. Und es dabei so richtig krachen lassen. „Der größte Spaß beim Autoscootern sind die Zusammenstöße”, erzählt er. Dann setzt er sich in sein „Auto”, fährt los und crasht den 11-jährigen André Timpanaro, der ebenfalls gerade die Fahrfläche des Scooters unsicher macht. Gegenseitig rammen sie immerzu ihre Fahrzeuge. Dabei ist das eigentlich gar nicht nötig - schließlich sind ihre Autos fast die einzigen auf der „Fahrbahn”.

Sascha Gross, Sohn des Autoscooterinhabers, freut sich deshalb ganz besonders über die jungen Kunden. Denn obwohl das Wetter an diesem Samstag super ist und viele Jülicher den Vormittag und frühen Nachmittag zum Shoppen in der Innenstadt nutzen - zum Walramplatz haben sich bislang nur wenige Besucher verirrt. „Hier ist gar nichts los. Es lohnt sich kaum, hier zu stehen”, so Groos. Darauf, dass die Schaustellerkasse endlich klingelt, wartet auch Iris Remen. Sie sehnt sich am Schießstand ihrer Schwiegereltern, an dem sie heute Dienst hat, nach Kundschaft.

„Ich bin mit dem Kirmesleben und dem Schaustellerdasein groß geworden. Sicherlich hat sich die Besucherzahl in den vergangenen 20 Jahren insgesamt und überall deutlich verringert. Aber so schlimm wie in diesem Jahr in Jülich war es noch nie. Die Situation ist für uns Schausteller katastrophal”, sagt sie. Vor allem die Schausteller, die am Walramplatz stünden, hätten es schwer. „Dadurch dass der Platz geteilt ist - in Innenstadt und Wallramplatz - kommt bei uns kaum noch jemand vorbei”, so Remen. Doch selbst diejenigen, die mit ihren Verkaufsbuden ganz zentral in der City stehen, sind mit der Resonanz der Besucher nicht zufrieden. „Es läuft schlecht”, sagt Kätchen Cremanns. Seit mehr als 60 Jahren ist sie mit ihrem Schaustellerwagen unterwegs. Immerhin werden bei ihr viele Leute von Duft angezogen, denn sie verkauft sie in ihrem Wagen Süßigkeiten, wie Popcorn, gebrannte Mandeln und Gummibärchen. Obwohl sie ihre Leckereien leichter an den Mann oder die Frau bringen kann - schließlich werden Süßigkeiten immer gegessen - macht sie alles andere als das Geschäft ihres Lebens.

„Bei der Sommerkirmes ist deutlich weniger los, als wir erwartet haben”, sagt sie. Trotz aller sinnlicher Vorteile - viel hat sie nicht zu tun. Darum kann sie hinter der Theke auch ausgiebig mit Verkäuferin Cornelia Langen klönen. „Ich habe das Gefühl, dass die Leute übersättigt sind. In Jülich findet einfach viel zu viel hintereinander statt, vor kurzem war erst das Kindergroschenfest. Da ist Kirmes nichts Außergewöhnliches mehr. Karussells und Süßwarenstände gehören schon fast zum Stadtbild”, versucht sie die Situation zu analysieren. „Alles Quatsch”, sagen die Besucher, die bewusst zur Kirmes kommen. So auch die junge Mutter Karina. Sie kommt mit ihrer vier Jahre alten Tochter Lena sehr gerne zur Innenstadt-Kirmes. „Klar, das hier ist natürlich nicht die Annakirmes. Aber immerhin braucht man dafür keine Angst zu haben, dass die Kinder im Trubel verloren gehen. Und mit einer Runde auf dem Karussell bringt man Kinderaugen immer zum Strahlen”, weiß die Jülicherin, für deren Tochter die Sommerkirmes Rummelspaß pur ist. Und vielleicht klingeln bei den Schaustellern am heutigen Familientag (Montag), falls viele Familien die ermäßigten Kirmespreise ausnutzen, doch noch die Kassen.
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