Gymnasium Zitadelle: Kein Lehrerbonus beim ersten Poetry Slam

Von: ptj
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Siegerin des ersten Zitadellen-Poetry-Slam-Wettbewerbs: Ann-Kathrin Johnen aus der Q2 im anschließenden Interview mit Nando Riccio (l.) und Robert Nickel. Foto: Jagodzinska

Jülich. Als voller Erfolg erwies sich der erste „Poetry Slam“-Wettbewerb des Gymnasiums Zitadelle im PZ des Gebäudekomplexes. Eine vierköpfige Lehrerjury hatte über 15 thematisch breit gefächerte Beiträge aus der Kunst der Wortspielerei von Schülern und Kollegen zu entscheiden, wobei es selbstverständlich keinen Lehrerbonus gab.

Das betonte Nando Riccio, der mit Robert Nickel den überwiegende im Paarreim gehaltenen Wettstreit humorvoll moderierte. Solo-Slammer oder Dichter-Duos trugen den zahlreich erschienenen Gästen selbst geschriebene Texte in höchstens fünf Minuten vor.

Dabei ergänzten performative Elemente und eine bewusste Selbstinszenierung gut durchdachte humorvolle oder zum Nachdenken anregende Inhalte. Die herausragendsten Beiträge erhielten die Höchstpunktzahl der Jury. Per Akklamation bestimmte dann das Publikum die Reihenfolge auf dem Siegertreppchen: „Meine Familie, mein sicherer Hafen, mein Fels in der Brandung, das seid ihr“, betonte als letzte Slammerin des Abends Ann-Kathrin Johnen aus der Q2 im Rahmen ihres Beitrages „Familie, Freunde, Liebe“ in ihrer „sehr rührenden“ Hommage an die ihr Nahestehenden mit „tiefgreifendem Inhalt“.

Sie wurde zur Siegerin gekürt. Besonderen Mut zeigte die mit 15 Jahren jüngste Teilnehmerin Lioba Horn aus der neunten Klasse mit ihrem Thema „Angst“. „Du ziehst mich runter, raubst mir den Schlaf“, begann der Beitrag, der mit „Du kriegst mich nicht gebrochen, denn ich bleibe stark“ endete. Die Jury zeigt sich „total berührt“ von der „personifizierten Angst, der am Ende der Kampf angesagt wird“ und lobte Gestik und Mimik der Slammerin.

Lioba verdiente sich den zweiten Platz. Hannah Breuer (EF) widmete sich dem aktuellen Thema „Flüchtlinge“ mit dem Untertitel „Deutschland schläft“. Die Schülerin plädierte in ihrem sehr aussagekräftigen Text dafür, „einfach mal laut und ungebeten für das, was ihr wollte, einzutreten“.

Ein „beeindruckender Vortrag mit lyrischen Elementen und guter Betonung“, fand die Jury. Hannah landete auf dem dritten Platz. Weitere Wortspielereien stachen hervor: Niklas Frank aus der Q2 trat als einziger ohne Textblatt, dafür aber mit einem Globus hinters Mikro. Als Reisender aus dem 18. Jahrhundert berichtete er in seinem improvisierten Slam in angepasster, reimloser Sprache über eine Reise nach Schottland, wo er niemals war.

Er sprach über „faszinierende Absurditäten, die man unbedingt erleben muss“, wie Juror Mario Maintz es ausdrückte. Musiklehrer Pedro Obiera „erfüllte und übertraf die sehr hohen Erwartungen an einen spitzfindigen und eloquenten Kommentator des Weltgeschehens“.

Obiera reimte „mit drei ungewöhnlichen Quartetten und zwei Septetten“ auf die Toleranz und gleichzeitig zulasten der Pegida, wo „Dummheit und Kleinmut kopulieren. Am Ende bringt das nur trüben Schleim, aber keinen Reim“, endete seine frenetisch beklatschte Dichtung.

Selbstkritik

Mit „ausführlichen literarische Ergüssen, lyrisch hervorragend formuliert“, aber „nicht immer ganz nachvollziehbar“ unterhielt Lehrer Carsten Tell sein Publikum mit seinem Beitrag „Das goldene M“. Mitorganisatorin Lena Worms bezog sich in ihrem aus dem Herzen kommenden und Mut machenden Beitrag mit eingebauter Metaphorik auf die Textzeile „Break out the boarders“, oder „Sei wie du sein willst, sei du“.

„Schön“ fand die Jury auch, dass sich die Vortragende am Ende selbst kritisch sieht. Bei der mitfiebernden Begeisterung des Publikums steht einem weiteren Zitadellen-Dichterwettbewerb sicher nichts im Wege.

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