Gut Ungershausen: Der Rasenteppich kommt von der Rolle

Von: Antonius Wolters
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Erst nach etwa anderthalbjährigem Wachstum ist der Rollrasen „erntereif“: Dazu wird das satte Grün samt Wurzelwerk mit dieser Spezialmaschine vom Ackerboden abgeschält und zu 40 cm breiten Rasenrollen konfektioniert. Foto: Wolters

Dürboslar. Auf den Äckern rund um Gut Ungershausen, das an der B 56 zwischen Dürboslar und Frei-aldenhoven gelegen ist, wird seit 2008 neben Getreide, Kartoffeln und Zuckerrüben eine weitere „Feldfrucht“ angebaut: Rollrasen.

Der Anlass dazu, den landwirtschaftlichen Betrieb, der rund 90 Hektar bewirtschaftet, um diese eher ungewöhnliche Sonderkultur zu erweitern, entstand, nachdem ein Brunnen gebohrt worden war, der die Bewässerung der Kartoffeln und anderer Kulturen dauerhaft sicherstellt. „Für Rollrasen braucht man auch immer genügend Wasser“, erinnert sich Firmeninhaberin Jutta Coenen an den damaligen Entscheidungsprozess, diese Nische zu besetzen.

Doch bevor das erste Gras ausgesät und schließlich fertiger Rasen geerntet werden konnte, war viel zu tun. So mussten etliche Spezialmaschinen für die Vorbereitung des Bodens und die spätere „Ernte“ des Rasens angeschafft werden. Die verwendeten Traktoren sind ebenfalls speziell ausgestattet mit extra breiten Reifen mit wenig Profil, was den Bodendruck minimiert und so dafür sorgt, dass im satten Grün der weitläufigen Rasenfläche auch keine Furchen entstehen.

Damit allein ist es jedoch nicht getan, denn die Flächen bedürfen der intensiven Pflege, so wie der Rasen im heimischen Vorgarten. Neben Düngen, Spritzen und Wässern wird alle zwei Tage gemäht, wofür Spindel-, Sichel- und Mulchmäher verwendet werden. Damit wird außerdem das Wurzelwachstum gefördert.

Der auf der Fläche verbleibende Kleinschnitt wird anschließend vorsichtig abgesaugt, damit sich die einzelnen Halme nicht verfilzen können. Auch hier tut eine Spezialmaschine Dienst.

Nach dem Winter muss die Fläche zudem gewalzt werden, bevor die neue Vegetationsperiode beginnt. „Das Gras steht bis zu anderthalb Jahren“, weiß Jutta Coenen, dass die Verwurzelung der Halme das A und O für die Qualität des Rasens ist, der erst dann „geerntet“ werden kann, wenn die Grassoden zehn bis zwölf Zentimeter tief verwurzelt sind.

Die Erntemaschine schält das satte Grün samt Wurzelwerk vom Ackerboden und konfektioniert im gleichen Arbeitsgang einen Quadratmeter große Rasenrollen, die 40 cm breit und rund 20 Kilogramm schwer sind.

„Rollrasen ist wegen Wert und Gewicht kein Produkt, das weit transportiert wird“, sagt Jutta Coenen, deren Kunden dementsprechend aus der näheren Umgebung kommen. Neben Garten- und Landschaftsbauern sind das auch viele Privatleute, die eine neue Rasenfläche anlegen oder eine vorhandene ergänzen möchten.

Sie wählen zwischen zwei Sorten für sonnige oder schattige Plätzchen. Auch bei der Gestaltung von Grabstätten und ihres näheren Umfeldes wird Rollrasen bevorzugt eingesetzt.

Da der Rollrasen „zeitnah verlegt werden soll“, erfolgt die Ernte der entsprechenden Mengen erst nach Eingang der Bestellung. Ausgeliefert wird das frische Grün in Rollenform per Lkw auf Paletten oder steht für Selbstabholer bereit, die es auf ihren Anhänger packen möchten.

„Wir verkaufen ab einem Quadratmeter“, sagt die Firmeninhaberin, an deren Unternehmen auch schon außergewöhnliche Wünsche herangetragen worden sind. So sollte ein Stück Rollrasen die Tischdeko bei einer Hochzeit umrahmen oder bei Filmaufnahmen eine – nun ja – Nebenrolle spielen.

Auch ein Stück Rollrasen für den heimischen Balkon ist nach Angaben der 53-Jährigen offenbar sehr begehrt, damit Hund oder Katze ein Naturteppich zur Verfügung steht, um sich dort zu erleichtern. Bei Preisen ab vier Euro pro Quadratmeter – gestaffelt je nach Abnahmemenge – bleiben die Kosten immerhin überschaubar.

Wer den Rollrasen am Eigenheim verlegen möchte, muss ähnlich vorgehen wie der Betrieb auf Gut Ungershausen, um lange Freude am satten Grün zu haben: Den Boden vorbereiten, am besten gut düngen und die aufgebrachten Rasenrollen in den ersten Wochen gleichmäßig wässern.

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