Jülich - Günstig wohnen wird in Jülich bald schwierig

Günstig wohnen wird in Jülich bald schwierig

Von: Volker Uerlings
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Das war ein Gebäude der Schweizer Siedlung, das inzwischen abgerissen worden ist. Es wird durch einen Neubau ersetzt, und die Mieten steigen. Foto: Uerlings

Jülich. Die bezahlbaren Wohnungen in Jülich drohen langsam, aber stetig zu verschwinden. Gemeint sind (meist) Mehrfamilienhäuser, die mit öffentlichen Mitteln gebaut worden und deren Mieten gebunden sind. In den nächsten 15 Jahren läuft die Förderung für jede zweite dieser 873 Wohnungen in der Stadt aus und mit ihr die Mietbindung. Was dann passiert?

Das lässt sich leicht ausmalen, und ganz ohne Panikmache ist festzustellen: Die Mieten werden steigen. „Nachschub“ gibt es praktisch nicht mehr, denn der geförderte Wohnungsbau ist auch in der Stadt Jülich praktisch zum Erliegen gekommen. Das sind harte Fakten, die im Jülicher Rathaus vor Wochen zur Sprache kamen und die Politiker beeindruckten. Sie wollen handeln.

Hans Jürgen Goergens und Rita Schrewentigges vom Amt für Recht, Bauordnung und Wohnungswesen des Kreises trugen wenig Erbauendes vor. Goergens: „Die Förderung des Mietwohnungsbaus in Jülich ist stark bis sehr stark zurückgegangen. Es wurden keine Förderanträge mehr gestellt.“

Das ist ein Ergebnis der europäischen Geldpolitik mit niedrigen (Leit-)Zinsen, die nicht nur auf Sparbüchern und Festgeldkonten ablesbar ist, sondern eben auch Bauinvestitionen direkt beeinflusst. Die Fördermittel vom Staat – allein in NRW über 700 Millionen Euro in vier Jahren – sind da, werden aber nicht abgerufen. Diese Mittel würden überwiegend als Darlehen mit 0,5 Prozent Zinsen ausgezahlt. Dafür dürften die Mieten 5,25 Euro pro Quadratmeter nicht überschreiten.

Angesichts dessen entscheiden sich Investoren für Darlehen von privaten Kreditinstituten (unter 2 Prozent Zinsen), können aber in Jülich bei Neubauten Mieten von bis zu 7,50 Euro und höher pro Quadratmeter erzielen.

Was geschieht mit dem alten geförderten Wohnungsbestand? Wenn die Förderung ausläuft, dürfen Vermieter nicht ohne Weiteres an der Preisschraube drehen, aber in gewissem Maße. Die Karten werden bei Neuvermietungen der alten Wohnungen völlig neu gemischt, dann geht „die Post ab“. Manche modernisieren, was sich teilweise in Mieten niederschlägt.

Ein Extrembeispiel ist die Schweizer Siedlung in Jülich: Hier sind etliche Wohnungen mit schlechter Ausstattung (keine Heizung) verschwunden. Sie wurden verkauft, abgerissen und werden durch neue Mehrfamilienhäuser – privat finanziert – ersetzt. Auch wenn sich die Wohnqualität für Mieter und die Lebensqualität für das Viertel zweifelsfrei verbessert, bleibt festzustellen: Die Mieten sind nun deutlich höher. Auch die Altmieter wohnen jetzt schöner, aber teurer. Sie waren laut Stadtentwicklungsgesellschaft damit einverstanden.

Das kann sich nicht jeder leisten. Fast die Hälfte aller Haushalte kann heute einen Wohnberechtigungsschein (WBS) erhalten, sagt Experte Goergens vom Kreis Düren. Das sind längst nicht mehr nur die unteren Einkommensgruppen, weil das Leben insgesamt viel teurer geworden ist. Goergens: „Wir sprechen über die Mitte der Gesellschaft.“ Beispiele: alleinstehende Rentner(-innen) mit bis zu 1675 Euro brutto monatlich oder fünfköpfige Familien mit fast 5000 Euro brutto im Monat erhalten den WBS.

Für sie stirbt das Angebot derzeit aus. Hans Jürgen Goergens: „Bei bezahlbaren Wohnungen hakt es in Jülich im Moment gewaltig. Wir können die Investoren leider nicht an den Haaren ins Büro ziehen.“ Die Nachfrage ist da. Der Kreis zählt 166 Haushalte mit 312 Menschen und WBS als wohnungssuchend – allein in Jülich.

Die Politiker der Stadt sehen Handlungsbedarf. An einem „runden Tisch“ kommen diese Woche kompetente Akteure zusammen und suchen Lösungen. Wir werden berichten – und wollen auch mit Mietern reden: beim 13. Stadtgespräch .

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