Grenzlandtheater: Geschliffene Dialoge, intensives Schauspiel

Von: vieh
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Das Grenzlandtheater begeisterte mit „Abendstunde im Spätherbst“ das Jülicher Theaterpublikum.

Jülich. Der Krimi „Abendstunde im Spätherbst“ weicht vom gängigen Aufbau eines Kriminalstückes ab. Mord, Recherche, Aufklärung und Stellen des Täters sucht der Zuschauer hier vergeblich. Der Schweizer Friedrich Dürrenmatt, einer der bedeutendsten Dramatiker des 20. Jahrhunderts, beleuchtet seine Figuren aus moralischer Sicht. Verantwortung, Schuld, Sühne, aber vor allem Gerechtigkeit sind immer wieder Werte, die der Handlung Tiefe und Bedeutung geben.

Dürrenmatt war ein Meister des Hörspieldrehbuches. Bei der „Abendstunde im Spätherbst“ werden die Stilelemente dieses Genres deutlich. Geschliffene Dialoge standen bei der Aufführung des Grenzlandtheaters Aachen in der Jülicher Stadthalle auch im Mittelpunkt. Der Krimi erschloss sich in einem dichten, dramatischen Kammerspiel. Unter der Regie von Udo Schürmer agierten zwei Schauspieler, die in ihren Worten und mit dezenter, aber deutlicher Körpersprache die handelnden Personen lebendig werden ließen.

Frank Büssing verkörperte den arroganten Autor Maximilian Friedrich Korbes, der durch seine Kriminalromane zu Weltruhm gelangte. In einem sachlich gestalteten Bühnenbild, das einem nüchternen Büroraum gleicht, arbeitet Korbes an einem neuen Roman. Gestört wird er durch den Besucher Fürchtegott Hofer, der sich als größter Bewunderer des Schriftstellers vorstellt. Seit Jahren reist er Korbes nach, beobachtet ihn und verfolgt die Entstehung seiner Romane mit den damit verbundenen Kapitalverbrechen. Er erweist sich als Detektiv und Schnüffler, der Verdacht geschöpft hat, dass die Inszenierung und Durchführung der Morde den literarischen Werken als Vorlage diente. Mit buchhalterischer Genauigkeit hat er seine Nachforschungen betrieben und dokumentiert.

In einem dichten Spannungsbogen wird die wahre Motivation des Schnüfflers deutlich. Er will den Autor überführen. Der Autor gesteht alle Morde und verteidigt seine Taten als von der Gesellschaft geforderte Leistung, die den Erlebnisdurst der Menschen durch Literatur befriedigen soll. Die Konsequenz, die aus der Entdeckung des Besuchers für ihn und Korbes hat, wurde wohl von Hofer unterschätzt. Der Ausgang des Krimis ließ Raum für Spekulationen und die eigene Fantasie.

Die beiden Schauspieler verkörperten die Figuren des Krimis mit großer darstellerischer Ausdruckskraft. Frank Büsing dominierte als whiskytrinkender Mann von Welt, der glaubte, die Situation im Griff zu haben. Michael Gerlinger ließ den zunächst unterwürfigen Buchhalter Fürchtegott Hofer lebendig werden. Mit Akribie zeichnete er dessen Verwandlung von dem pedantischen, unterwürfigen Menschen zu dem Ermittler, der durch Kleinarbeit und intensive Recherche einen Verbrecher überführt. Die Aufführung des Grenzlandtheaters erntete großen Applaus.

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