Jülich - Grenzlandtheater führt Komödie mit Tiefgang auf

Grenzlandtheater führt Komödie mit Tiefgang auf

Von: Hildegard Viehöfer-Emde
Letzte Aktualisierung:
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Zu diesem frühen Zeitpunkt des Stücks waren Thomas und Vera noch hoffnungslos zerschritten. Foto: Wolfgang Emde

Jülich. Die Vorankündigung des Gastspieles des Grenzlandtheaters Aachen mit einer Komödie sorgte für eine vollbesetzte Jülicher Stadthalle. Die hohen Erwartungen der Zuschauer wurden sogar noch übertroffen. „Noch einmal, aber besser“ von Michael Engler traf inhaltlich den Trend unserer Zeit und unterhielt bestens mit Niveau.

Thomas Berthold, der erfolgreiche Schriftsteller seichter Kriminalromane, lebt mit seiner Frau Vera in großem Wohlstand. Die Ehe jedoch ist zerrüttet. Die ständigen Seitensprünge von Thomas, sein Alkoholkonsum, der Mangel an gegenseitigem Respekt und fehlende Gemeinsamkeiten des Paares haben sicherlich dazu beigetragen. Vera will nach der letzten Eskapade ihres Mannes endgültig die Scheidung. Sie ist verbittert, ersehnt ihre Selbstständigkeit und ein Leben ohne Kränkungen herbei.

Zwei Anwälte kommen ins Spiel

Unterstützung sucht Thomas bei seinem Anwalt und langjährigem Freund des Paares, Markus Knöser. Dieser versucht, zu vermitteln und Vera von ihren Plänen abzubringen. Das Auftauchen ihrer Anwältin Arlette Wildgruber erschwert allerdings die Bemühungen der Mediation von Markus, da sie sehr klare Vorstellungen für die Abwicklung des Verfahrens hat.

Durch einen von seiner Frau verursachten Unfall verliert Thomas sein Gedächtnis, die Situation ändert sich. Thomas glaubt wieder jung zu sein. Trotzdem findet das Paar wieder zueinander und versucht einen Neustart. Die anfänglich gravierende Abneigung zwischen den Anwälten wandelt sich in Zuneigung, die zur Eheschließung führt, wobei allerdings keiner seine Profession und Professionalität in diesem Bereich verbergen kann.

Diese an sich schon spannungsreiche Handlung bot dem Autor des Stückes eine große Plattform für geschliffene Dialoge und komische Situationen. Die Schauspieler genossen sichtlich die Möglichkeit, ihre Rollen voll auszuspielen.

Die Regie von Philip Stemann gab dazu ausreichend Gelegenheit. Wolfgang Mondon als Thomas Berthold gelang vortrefflich die Darstellung der Wandlung vom oberflächlichen Schriftsteller und Ehemann zum sensiblen Menschen, der solide geworden, seine Umgebung und seine Frau wieder mit klaren Augen sieht. Die komischen Elemente seiner Rolle spielte er glaubhaft, mit zunächst großer Nonchalance, später mit erforderlicher Naivität und Ehrlichkeit.

Kerstin Thielemann verkörperte die Vera sensibel. Ihr gelang die Darstellung der zutiefst gekränkten und enttäuschten Ehefrau ebenso gut wie die der sich verantwortlich fühlenden Partnerin für den kranken Mann.

Die größten Lacherfolge erntete Doris Dexl als Anwältin Arlette. Mit absoluter Spielfreude verkörperte sie zunächst die ambitionierte, geschäftsmäßig harte Anwältin, die sich durch ihr Interesse an dem gegnerischen Anwalt nicht nur äußerlich veränderte. Witzig und absolut einmalig die Szene, in der sie versucht, die ungewohnten, verrutschten Kontaktlinsen zu richten.

Die Situation eskaliert völlig, als die beiden Anwälte unbeabsichtigt von den Haschkeksen naschen und sich deutlich näher kommen. Harald Schröpfer als Markus und Doris Drexel spielten diese Szene voll umwerfender Komik, so dass kein Auge trocken blieb, als sie in seliger Umarmung über die Lehne des Sofas entschwanden.

Wie konnte es anders sein. Bei diesem Stück voller Überraschungen konnte natürlich auch das Happyend mit der Hochzeit der beiden Anwälte nicht wie in einer Seifenoper enden. Hier wurde noch einmal der Berufsstand der Rechtsanwälte kräftig auf die Schippe genommen.

Am Ende gab es Riesenapplaus für eine brillante Komödie, eine gelungene Inszenierung und Schauspieler, die den Theaterbesuch zu einem Riesenspaß gemacht haben.

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