Goldenes Priesterjubiläum: Jöcken will Fenster der Kirche öffnen

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Pfarrer Dr. Peter Jöcken spricht in seiner Wohnung über Gott und die Welt. Foto: Jagodzinska

Kirchberg. Pfarrer Dr. Peter Jöcken, geboren am 10. März 1938 in Krefeld, wurde am 22. Februar 1964 im Hohen Dom zu Aachen von Bischof Johannes Pohlschneider zum Priester geweiht. Der heute 75-jährige ist Pfarrer in der Gemeinschaft der Gemeinden Heilig Geist.

Er war Studentenpfarrer und Lehrbeauftrager für Religionswissenschaft an der Fachhochschule Jülich, Mitglied im Caritasrat und Dechant des Kreises Düren. Er setzt sich für die Ökumene ein, engagiert sich im christlich-jüdischen Rahmen und für den interreligiösen Dialog, ist Präses der Kolpingsfamilie Jülich und Mitbegründer des Fördervereins Hospizbewegung. Zudem engagiert er sich in im Jülicher Geschichtsverein oder der Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz und in Karnevalsvereinen. Was treibt einen Priester 50 Jahre nach seiner Weihe noch an? Mit ihm sprach Silvia Jagodzinska.

Herr Pastor, Sie bezeichnen sich als „Priester der Mitte“ und kämpften vorkonziliar für die Öffnung der Fenster der Kirche zur Welt. Sind Ihnen die Fenster weit genug offen?

Dr. Peter Jöcken: In meiner Art, das Priestertum zu verstehen, sind die Fenster zur Welt sicher weit offen. Innerkirchlich sind sie im Laufe der Zeit wieder ordentlich angelehnt worden. Ich denke hier etwa an den grundsätzlichen Ausschluss Wiederverheirateter von der Kommunion. Ähnlich denke ich im Bezug auf den gemeinsamen Gottesdienst mit Protestanten. Es gibt eine ganze Reihe von Menschen, die Sehnsucht nach der Kommunion haben und durchaus wissen, was sie da tun. Ich habe noch niemals jemandem die Kommunion verweigert.

Haben Sie es jemals bereut, Priester geworden zu sein?

Jöcken: Nein, das habe ich nie bereut. Ich hatte eigentlich keine Probleme. Die haben sich immer schon im Anlauf geklärt. Mit den finanziellen Mitteln der Familie hätte ich nie Priester werden können. Ich wollte es aber.

Was machen Sie am liebsten innerhalb Ihres Priesterberufes?

Jöcken: Nun, ich spiele sozusagen auf vielen Klavieren. Zum Priesterberuf geführt hat mich sicher die Liturgie, damals noch tridentinisch. In Krefeld habe ich auch die russisch/katholische Liturgie mitgefeiert. An zweiter Stelle steht die Bibel. Früher bin ich herumgezogen und habe Vorträge zu biblischen Themen gehalten. Dann kommt die Musik. Als Kind habe ich mit Blockflöte/Altflöte angefangen und war im Knabenchor. Mein Hauptinstrument ist Cello, ich spiele Gitarre, Klavier und Quintfidel, die eine Stimmung wie Geige und Bratsche zusammen hat. An vierter Stelle, inzwischen mein Hauptgebiet, steht die Seelsorge in allen Spielarten, am liebsten arbeite ich mit Kindern zusammen.

Was finden Sie an/in der Kirche am schlimmsten?

Jöcken: Ganz furchtbar finde ich den Missbrauchsskandal. Ich kann auch überhaupt nicht verstehen, dass Priester die biblische Warnung im Matthäusevangelium vergessen können: „Wer einen von diesen Kleinen zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde“.

Finden Sie den Zölibat noch zeitgemäß?

Jöcken: Jein. Ich bin ein geistiger Mensch und empfinde den Körper manchmal als Last, die man tragen muss. Den Verzicht auf die Ehe sehe ich als wichtiges Zeichen dafür, dass es nicht nur Sex gibt. Andererseits denke ich aber, das ist ein Kirchen-, kein Gottesgebot. Wie Karl Rahner meine ich, es sollte zwei Sorten von Priestern geben, Gemeindepfarrer vor Ort mit Familie und Priester mit höheren apostolischen Aufgaben, die unverheiratet bleiben sollten. Auch in der evangelischen Kirche klappt die Pastorenehe übrigens nur zu 75 Prozent. Sehr gut gefallen mir Pfarrerehepaare, die gemeinsam eine Pfarrerstelle ausfüllen.

Was denken Sie über Homosexuelle?

Jöcken: Ich kämpfe nicht gegen sie, man kann die Leute nicht diskriminieren. Aber muss man immer jeden mit einem Etikett versehen? Ich finde es nicht gut, das der Sexualismus im Allgemeinen so hoch gestellt ist.

Sie haben in katholischer Theologie im Fach Altes Testament promoviert. Ist nicht das Alte Testament wesentlich ungnädiger als das neue?

Jöcken: Vorsicht, so einfach darf man es sich nicht machen. Im Alten Testament gibt es Stellen, wo Gott auch als Mutter verstanden wird oder es wird fast zärtlich ausgedrückt, wie sehr Gott sein Volk liebt, etwa bei Hosea.

Sie hatten den emeritierten Papst Benedikt als Professor im Studium der katholischen Theologie in Bonn. Wie war er?

Jöcken: Er wohnte bei uns im Haus im Collegium Albertinum und ich war immer froh, wenn ich bei ihm Prüfung hatte. Durch ihn habe ich auch Schreibmaschine gelernt. Früher war er offener als später als Papst. Ich habe ihn zum Jubiläum eingeladen. Ich denke aber, er wird einen Brief mit seinen Segensgrüßen schicken. Papst Franziskus ist mir übrigens sehr sympathisch.

Haben Sie einen Spruch zum Goldenen Priesterjubiläum ausgewählt?

Jöcken: Ja zwei: „Anderen Mut machen, selbst tapfer vorausgehen, und Gott wird helfen“ von Adolph Kolping und „Mag sein, dass der jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gerne die Arbeit für eine besser Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht“ von Dietrich Bonhoeffer.

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