Goldener Meisterbrief: Matthias Johnen ist viel herumgekommen

Von: ptj
Letzte Aktualisierung:
7211452.jpg
Matthias Johnen im Wohnzimmer zwischen seinen beiden Meisterbriefen. In der Mitte ist ein Platz reserviert für den Zeitungsartikel anlässlich seines Goldenen Meisterbriefs. Foto: Jagodzinska

Jülich. „In Jülich ging ja gar nichts ohne Haus Hesselmann, da war immer Bombenstimmung“, sagt der 73-jährige Matthias Johnen. Seine Wohnzimmerwand zieren zwei eingerahmte Meisterbriefe, dazwischen ist ein Platz reserviert für den Zeitungsartikel zum Goldenen Meisterbrief.

1954 startete Johnen in Burtscheid seine Lehre im Fleischereihandwerk und drehte während der dreijährigen Ausbildungszeit seine Runde durch diverse Fleischereien. In der Aachener Wurstfabrik Deutz legte er am 6. Februar 1964 seine Meisterprüfung ab. Fortan war er jeweils als Filialleiter im Kaufhof Koblenz oder einer Kaufhof-Tochtergesellschaft in Freiburg tätig. 1966 wechselte er zu Tengelmann in Aachen und später in eine Metzgerei nach Wickrath.

1970 gelangte Johnen zum Jülicher Haus Hesselmann. Dort war er an einem Tag zuständis für die Wurst- und Fleischlieferung an den Koch, Josef Hesselmann senior. Die übrigen Tage kellnerte er. „Das war wunderbar im schwarzen Anzug mit schwarzer Krawatte. Es war aber auch eine Menge Arbeit, 12, 13 und 14 Stunden am Tag“. Sonntags wurden im „gastronomischen Denkmal“ Jülichs 500 Essen gekocht. „Morgens um 7 Uhr kamen schon die ersten Kaffeebusse aus dem Ruhrgebiet. Im Karneval waren die ganzen Größen da: Karl Berbuer, Lotti Krekel, Margit Sponheimer oder das Eilemann Trio. Nicht zu vergessen die ganzen Tanztees. „Das war eine goldene Zeit. Man hatte mit vielen Leuten Kontakt“. Kein Wunder, dass die Kellnerei Johnen die größte Freude bereitete, obwohl er seine Berufswahl „nie bereut hat“.

Damals war allerdings vieles anders: „Die Metzger kauften früher im Aachener Schlachthof ihr Fleisch und belieferten Kneipen und Restaurants, wie das auch in Jülich war. Fleisch war damals ein Luxusartikel, heute kaufen die Gastronomen im Großhandel.“

1990 bis 1996 war Johnen selbständig, aber nicht als Metzgermeister. Er war vielmehr Inhaber der Gaststätte „Zum Fässchen“ an der Bongardstraße. Von 1996 bis ´98 arbeitete er in der Jülicher Zuckerfabrik, bis ein Oberschenkelhalsbruch, den er sich bei einem Fahrradunfall zuzog, seinem Erwerbsleben ein Ende setzte.

Der Jubilar erkrankte im vergangenen Jahr schwer, seine Genesung dauert noch an. Der zweifache Vater ist seit zehn Jahren Witwer. Mit Sohn Christoph, der ihn täglich besucht, teilt er sich die Lektüre unserer Zeitung, die er seit 45 Jahren abonniert hat. So ist er stets gut informiert. Zum Beispiel darüber, dass nach Abriss von Haus Hesselmann die „Pulvermühle heute das einzige gastronomische Denkmal in Jülich ist“.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert