Goethes Werther bemerkenswert für die Bühne bearbeitet

Von: Hilde Viehöfer-Emde
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Werther verehrt die jugendliche Lotte. Foto: Emde

Jülich. Der Briefroman „DieLeiden des jungen Werther“ von Johann Wolfgang von Goethe entstand 1774. Er wirkt sehr authentisch und traf damals den Nerv der Zeit. Besonders junge Menschen konnten die Gefühle und Leiden des jungen Werther nachempfinden. Bis heute ist das Thema der großen unerfüllten Liebe aktuell.

Der Briefroman wurde in der Bühnenbearbeitung von Jens Heuwinkel vom Ensemble des Theaterhauses im Spitalhof, Dinkesbühl auf der Bühne der Jülicher Stadthalle zum lebendigen Spiel des Geschehens um die Hauptgestalten des Romans. Für die nicht so zahlreichen Besucher der Vorstellung auch eine Herausforderung. Die Zuschauer waren vor allem Zuhörer und mussten sich auf die besondere Art der Darstellung einlassen. Denn glücklicherweise standen bei dieser Inszenierung Goethes Sprache, seine Briefe im Mittelpunkt.

Das Ambiente für die sparsame Handlung war ein karges Bühnenbild, das keine Ablenkung zuließ, aber den drei Schauspielern große Entfaltungsmöglichkeiten bot. Eine Schaukel, ein Podest mit Abschrägung, auf dem ein Flügel stand, ein Laubhaufen.

Die Kostüme spiegelten das Bild der Charaktere. Die zierliche, graziöse Schauspielerin Patricia Foik, die die Rolle der Lotte verkörperte, trug ein fast kindliches Kleid in reinem Weiß, das mit dem Schmuck der Bänder in rosa und schwarz die jeweiligen Phasen des Spieles versinnbildlichten. Julian Niedermeier als junger Werther zeigte mit bunter Kleidung, zerrissener Hose, bedrucktem Shirt und farbenfrohem Hemd das Bild des unbeschwerten jungen Mannes, der sein Leben voller Neugier gerade genießt. Mike Kühne verkörperte den schon gesetzteren Verlobten Albert im Anzug mit Weste.

Der junge Werther, ein junger empfindsamer Mann auf Reisen, verliebt sich unsterblich in die 19-jährige Lotte, die er zufällig trifft. Sie ist jedoch schon mit einem anderen rechtschaffenen Mann verlobt. Werther ist von dem bezaubernden Geschöpf und seiner Anmut hingerissen. Er bewundert ihr verantwortungsvolles Sorgen für die vielen kleinen Geschwister, bei denen sie die Rolle der verstorbenen Mutter einnimmt.

Patricia Foik spielte die Lotte bezaubernd schlicht und authentisch. Auch Mike Kühne überzeugte mit seiner ruhigen Darstellung des bedächtigen, verantwortungsbewussten Albert, der seine Lotte aufrichtig liebt und achtet und seine Verbindung nicht gefährdet sehen will.

Werther freundet sich mit Lotte und Albert an, er weiß, dass seine Liebe zu Lotte unerfüllt bleiben wird. Er flieht vor dieser Wahrheit, kehrt dann aber doch zurück und erfährt von der Vermählung Lottes mit Albert. Seine große Liebe findet in seinem Selbstmord ihr tragisches Ende.

Julian Niedermeier verkörperte den Werther mit einer phänomenalen Ausstrahlung. Seine Körpersprache und lebhafte Bühnenpräsenz ließen die langen Briefzitate zu lebendigen Szenen werden. Beeindruckend war seine Textsicherheit beim Umfang der Vorlage. Geschickt baute die Regie Kulissen und Requisiten ein, um dem Geschehen auch eine räumliche Szene zu geben. Viele Kleinigkeiten gewannen große Bedeutung, die Farbe der Kleiderbänder, das bunte Laub, die Leichtigkeit der Schaukel, der Einsatz der Instrumente, laute Klänge, leise Melodien.

Die immer aktuelle Thematik der unerfüllten jungen Liebe, eine klare, aber behutsame Inszenierung, die der Gewalt des Wortes gerecht wurde und geniale schauspielerische Leistungen machten die Vorstellung zu einem besonderen Theaterereignis, das vom Jülicher Publikum mit viel Applaus und Bravorufen honoriert wurde.

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