Görner macht den Schiller

Von: ng
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Stimmgewaltig und mit großer Mimik und Gestik rezitiert Lutz Görner, der wohl bekannteste Lyrik-Rezitator Deutschlands, im Foyer des Audimax den Dichter und Autor Friedrich Schiller. Begleitet werden seine Rezitationen von Sefan Sell auf der Gitarre. Foto: Gottfroh

Jülich. Nicht nur aus der nahen Umgebung kamen Literaturfans in das Auditorium der FH Campus Jülich, um Lutz Görner, „den Tausendsassa des gesprochenen Wortes”, bei seiner Rezitation Schillers zuzuhören. Besucher aus Düsseldorf, Köln oder Hagen wollten das Programm „Opiumschlummer und Champagnerrausch” in der Herzogstadt hören.

Umso größer war bei vielen Kartenbesitzern die Enttäuschung über die Organisation der Veranstaltung. Denn Görner zeigte sein Programm im Foyer des Auditoriums, Stühle müssten erst mühsam herbeigeschafft werden. Dicht gedrängt saßen die Zuhörer in der kleinen Halle. Wer keinen Stuhl mehr ergattern konnte, musste sich in bester Hörsaal-Tradition mit einem Platz auf der Treppe begnügen.

Katastrophale Akustik

Am meisten ärgerten sich viele Besucher aber über die „katastrophale” Akustik. Ohne technische Hilfsmittel versuchte Görner, allein mit der Macht seiner eigenen Stimmbänder, den Raum zu beschallen. In den hinteren Reihen etwas zu verstehen erforderte äußerste Konzentration. Auf die Bitte der Zuhörer, er möge noch lauter sprechen, hatte der Star des Nachmittags in bester Görner-Manier eine flapsige Antwort parat: „Wer nichts hört, der muss einfach wieder gehen”. Natürlich gegen Rückerstattung des Eintrittspreises von 18 Euro.

Geblieben sind jedoch bis zum Ende alle. Denn schließlich gab es an Görners Programm und der eindrucksvollen Rezitation selbst nichts auszusetzen.

Worte mit Leben füllen

Er machte dem Publikum Lust auf Schiller. Mehr als zwei Stunden lang verknüpfte er die Biographie des Dichters mit der Rezitation seiner Werke, Gedichte und Briefe von und an Schiller. Und für Momente wurde er selbst zu Schiller, dessen Werke er mit Leben erfüllte. Mal humorvoll, mal traurig, mal laut und impulsiv, dann wieder leise und melancholisch brachte er der Zuhörerschaft Friedrich Schiller nahe. Unterstützt wurde er dabei von Stefan Sell, der ihn an der Gitarre begleitete.

Görner ließ den jungen Schiller lebendig werden, der auf der Württemberger Karlsschule seine Erziehung erhielt. Steinig war sein Weg zum Autor, doch mit den „Räubern” gelang dem jungen Schriftsteller der Durchbruch. Und das Werk machte Schiller zu einem von den einen verehrten, von anderen gefürchteten Rebellen. Und rebellisch zeigte sich auch Görner in diesem Teil des Programms. Aggressiv wetterte er gegen das „tintenklecksende Säkulum”. Auch Schiller und die Frauen fanden bei Görner Beachtung. Hatte der „Riese mit dem rot-blonden Boris-Becker-Haar” in seiner Jugend keine Chance bei den Frauen, besaß er später zahlreiche Geliebte (manchmal sogar mehrere zur gleichen Zeit). Seinen Ansprüchen genügen konnte aber kaum eine. Zudem lebte der Dichter die meiste Zeit seines Lebens verarmt und konnte nur mit Hilfe seiner „Sponsoren” überleben.

Schillers Sehnsucht

Dennoch sehnte er sich nach einer „bürgerlichen und häuslichen Existenz”. Die fand er später mit seine Frau Lolo und Sohn Karl. Mit nur 45 Jahren starb der Vertreter der Weimarer Klassik.

Sprechend, und singend, mit jeder Menge Gestik und Mimik vermittelte Görner ein Bild von einem Leben des Dichters, seinen guten und schlechten, glücklichen und traurigen Zeiten. Dafür wurde Görner und auch Stefan Sell von den Zuhörern mit tosendem Beifall belohnt.
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