Gnadenkapelle Aldenhoven akut von Verfall bedroht

Von: gep
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Hinter dem Bauzaun: Die Gnadenkapelle in Aldenhoven muss totalsaniert werden. Foto: gep

Aldenhoven. Die Gnadenkapelle in Aldenhoven, ein historisches Kleinod der Merzbach-Gemeinde, ist akut vom Verfall bedroht. Die Grundfeuchte ruiniert den kleinen oktogonalen Sakralbau mit dem Haubendach, eine wasserführende Schicht drängt an die Fundamente. Darüber scheint mittlerweile Klarheit zu herrschen.

„Innen und außen ist eine totale Sanierung erforderlich“, macht Ralf Herhut vom Kirchenvorstand die Dimension der Feuchtigkeitsschäden deutlich.

Auch der barocke Altar aus dem 17. Jahrhundert, von dem es im Rheinland nur noch einige gibt, und die Holzvertäfelung am Eingang sind angegriffen, haben Restauratoren festgestellt. Was die Sanierungskosten betrifft, so erwartet Herhut „eine ganz dicke Zahl“ - „deutlich über 100.000, eher 200.000 Euro“, schätzt er.

Spendenaktion angelaufen

An der Finanzierung arbeiten die Kirchengemeinde, das Bistum Aachen und das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland. Dank einer Spendenaktion, so Herhut, sei man zwar „gut aufgestellt, aber es reicht bei weitem nicht“. Aber wenn die Finanzierung stehe, „geht es sofort los“.

Mit dem Bau der Gnadenkapelle um das 1654 aufgefundene Gnadenbild, eine geschnitzte Madonnenfigur im Strahlenkranz, erlangte Aldenhoven seine spätere Bedeutung als überregionaler Wallfahrtsort, im 18. Jahrhundert wurden in der Spitze bis zu 100.000 Pilger im Jahr gezählt. Veranlasst wurde der Bau 1659 durch Herzog Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg und von Jülich-Berg.

Die Kapelle hat zwei Eingänge, so können Prozessionen leicht durchziehen. Zu den Oktavzeiten der Feste Mariä Heimsuchung (2. Juli), Aufnahme Mariens in den Himmel (15. August) und Maria Geburt (8. September) kommen die Pilger aus der nahen und weiten Umgebung nach Aldenhoven. Das Marienbild ist in einem Kasten, der mit Edelsteinen und wertvollem Schmuck verziert ist, in den Altar eingelassen. Stets brennen Kerzen, um die Präsenz Gottes und der Gottesmutter zu symbolisieren. Unter dem Namen „Zuflucht der Sünder“ wird die Jungfrau Maria heute hier verehrt.

Die Gnadenkapelle ist nach dem Vorbild der ebenfalls achteckigen Altöttinger Kapelle errichtet worden, wo seit 1489 die „Schwarze Madonna“ verehrt wird. Dass man sich in Aldenhoven an dem oberbayerischen Wallfahrtsort und dem dortigen Geschäftsmodell orientierte, verwundert nicht. Landesherr Philipp Wilhelm, der von 1653 bis zu seinem Tode 1690 in Wien als Herzog von Jülich und Berg amtierte , war verwandtschaftlich mit den Wittelsbachern verbandelt. Seine Mutter war Magdalene (1587-1628) , die Tochter des Herzogs Wilhelm V. von Bayern, eines Wittelsbachers. Und das Erzbistum Köln, zu dem Aldenhoven damals gehörte, war fest in der Hand der stramm katholischen Wittelsbacher.

Zunächst war Magdalenes Bruder Ferdinand (1577-1650) Kurfürst von Köln sowie Fürstbischof von Lüttich, Münster, Hildesheim und Paderborn, dann dessen Neffe Maximilian Heinrich von Bayern (1621-1688). Insgesamt war Kurköln, unmittelbarer Nachbar des Herzogtums Jülich-Berg, fast 180 Jahre lang bis 1761 eine „Sekundogenitur“ für die Wittelsbacher Prinzen. Damit bezeichnet man eine besondere Form der Erbfolge: eine von Nachgeborenen begründete Nebenlinie.

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