Gnadenfrist für Kastanien an der Jülicher Rur?

Von: Antonius Wolters
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Ein prägendes Element des Rurdamms im Jülicher Stadtgebiet ist die Allee, die 180 Kastanienbäumen bilden. Foto: Uerlings
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Drangvolle Ende herrschte am Donnerstag im großen Sitzungssaal, wo viele Bürger ihr Interesse am Thema bekundeten. Foto: Wolters

Jülich. Den Charakter einer vorgezogenen „Bürgerinformation light“ hatte die Sitzung des Jülicher Planungs-, Umwelt- und Bauausschusses, der am Donnerstag trotz brütender Hitze zahlreiche Bürger ins Neue Rathaus lockte. Dort widmete sich das Gremium ausführlich der geplanten Maßnahme an der Rur im Zuge der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) zwischen den Rurbrücken an der Großen Rurstraße und der B56.

Experten unter anderem der Forstbehörde und des Wasserverbandes Eifel-Rur standen dem Ausschuss sowie der Bürgerschaft zur Verfügung, der die Gelegenheit gegeben wurde, ebenfalls Fragen zu stellen. Zudem wurden die insgesamt drei Tagesordnungspunkte zum Thema gebündelt behandelt.

Bevor Beigeordneter Martin Schulz die Grundproblematik zusammenfasste, monierte Jürgen Laufs (Bündnisgrüne), dass die Vorträge zum Thema in der vorangegangenen Sitzung (noch) nicht ins Protokoll aufgenommen worden sind. „Der Sitzungsdienst ist nicht nur für die Politiker da, sondern auch für die Bürger“, möchte er hier den gleichen Informationsstand gesichert wissen.

Schulz unterschied die Bäume an der Rur in solche, die im Vorland stehen (meist Pappeln) und als Wald ausgewiesen seien, und die Allee auf dem Damm (Kastanien). Um die Qualität des Flusslaufs gemäß Rahmenrichtlinie zu verbessern, sollten die schlagreifen Pappeln im Uferbereich überwiegend entfernt werden. Diese Rodung solle kurzfristig umgesetzt werden. Die Kosten würden zu 80 Prozent vom Land bezuschusst, den Rest trage der WVER. Fallen die meisten Pappeln weg, werde der Kastanienallee auf dem Damm, die der Stadt gehört und regelmäßig von einem Experten des Bauhofs begutachtet wird, der schützende Windschatten genommen.

Einen langen Fragenkatalog hatte die die Jül-Fraktion eingereicht, deren Beantwortung der Beigeordnete komplett vortrug. So muss die Wasserrahmenrichtlinie bis 2021 umgesetzt sein, deren einzelne Maßnahmen ebenfalls dargestellt werden. Die drei Pappelreihen am Ufer hätten mit 50 bis 60 Jahren ihre physiologisches Lebensende erreicht, so dass bei einer Entnahme dort lediglich Bergahorn, Weiden, Erlen und Kirschen erhalten bleiben.

Bei der Kastanienallee „können zum heutigen Zeitpunkt alle 180 Bäume auf dem Teilstück zwischen Großer Rurstraße und Kirmesplatz An der Vogelstange als verkehrssicher eingestuft werden“, heißt es weiter in den Antworten. Die Kosten fürs Abholzen der Kastanien betragen geschätzt 50.000 Euro.

Zur Verkehrssicherungspflicht bei Bäumen referierte anschließend Forstmann Ralf Fürstenberg, Berater, Gutachter und Praktiker, der unter anderem für Stadt und Kreis Düren tätig war. Er erläuterte in groben Zügen die Vorgehensweise bei einer Schadensanalyse, verschiedene Gefährdungsstufen, Sicherheitskategorien und die Risikoabschätzung. In seiner Grobeinschätzung der Jülicher Verhältnissen zweifelt der Experte an einem höheren Risiko für die Kastanien nach Wegfall der Pappeln, wodurch gleichzeitig die ökologische Vielfalt durch deren Bedeutung für die Schmetterlingspopulation eingeschränkt werde.

Übergangsweise eine ökologisch ärmere Zeit konstatierte auch Joachim Knoth vom Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde, während Dipl.-Ing. Franz-Josef Hoffmann vom WVER auf Nachfrage eines Bürgers einräumen musste, dass bei der Planung auf ein Artenschutzrechtliches Gutachten verzichtet wurde.

„Wir haben kein Interesse an einer Maßnahme, die nicht gewollt ist“, stellte Hoffmann klar. Das entlässt die Stadt Jülich allerdings nicht aus der „behördenverbindlichen“ Verpflichtung, die Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen. Das soll erreicht werden, indem die Rur im genannten Abschnitt „stärker sich selbst überlassen wird“ und deren Eigendynamik Fluss und Ufer formt. In Jülich stünden noch viele Missverständnisse im Raum, sagt der WVER-Mann, der „mit vernünftigen Argumenten überzeugen möchte“.

Der Ausschuss wird sich wohl erst abschließend äußern, nachdem auch die offizielle Bürgerinformation veranstaltet worden ist.

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