Körrenzig - Glockenjubiläum in der Alten Kirche Körrenzig

Glockenjubiläum in der Alten Kirche Körrenzig

Von: ptj
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Glockensachverständiger Norbert Jachtmann, referiert ausführlich zum Glockenjubiläum in der Alten Kirche Körrenzig und stellt Fachliteratur vor. Foto: Jagodzinska

Körrenzig. „Auch diese beiden Glocken sollten wieder (in der Alten Kirche) erklingen wie vor vielen Jahren.“ Das betonte Norbert Jachtmann, amtlich bestellter Campanologe (Glockensachverständiger) für die (Erz)bistümer, Köln, Aachen und Essen.

Anlässlich des 500-jährigen Glockenjubiläums in der Alten Kirche Körrenzig referierte der Kirchenmusiker und Campanologe innerhalb der dortigen Marienoktav. Ein netter roter Faden war der Geburtsort von Pfarrer Stefan Bäuerle, nämlich Trier, und der Name des Gießers der Körrenziger Glocken, Jan von Trier.

In seinem ausführlichen Vortrag befasste sich Jachtmann mit der Geschichte der Glocken ganz allgemein, ihrer Funktion, Gusstechnik und Läuteordnung und der Sicherheit auf dem Turm. Zusätzlich schnitt er Richtlinien und die Arbeit eines Glockensachverständigen an und verwies auf Fachliteratur und Links.

Glocken gab es bereits vor 5000 Jahren in China; das Christentum verhielt sich zunächst ablehnend. Irische Wandermönche brachten sie schließlich nach Europa. Bekannt ist St. Patrick mit den Attributen Stab, Buch und Glocke. Glocken dienen als Signalgeber, zumeist im kirchlichen Kontext, und als Musikinstrument, das heißt, eine musikalische Motivik innerhalb des Geläutes wird genutzt. In diesem Zusammenhang fiel auch der Begriff „Beiern“, der das manuelle Anschlagen in festgelegten Rhythmen meint.

Durch die Weihe erhält die Glocke den kirchenrechtlichen Status „Res Sacrae“ (heilige Sache). In deutschen Gießereien wird das aus dem Mittelalter übernommene „Lehmformverfahren“ verwendet, auch „Mantelabhebeverfahren“ genannt. Hierbei ist das Formbrett oder Schablone das Herzstück der Kunst. Eine falsche Glocke aus Lehm wird gefertigt, der Mantel abgehoben und nach Entfernung der falschen Glocke wieder aufgesetzt.

Eine historische Glocke besteht zu 78 Prozent aus Bronze, zu 21 Prozent aus Zinn und enthält nur ein Prozent Fremdmetalle. Seit der Industrialisierung werden unter anderem auch Stahlglocken hergestellt.

„Müssen die Glocken nachts schweigen?“ Das ist eine der meistgestellten Fragen an einen Campologen. Es kommt darauf an, ob es sich um ein „profanes Uhrschlagen oder ein liturgisches Läuten handelt“. Die Glocken dürfen demnach durchaus etwa morgens um halb fünf feierlich zur Osternacht läuten. Kann man Glocken in andere Kirchen „translozieren“ (umsiedeln)? Ja. Kann man Glocken verkaufen? Ja, an der Glockenbörse.

Der „dicke Pitter“

Der Campologe bewertet musikalische und technische Daten der Glocken nach den Limburger Richtlinien von 1951/1986. Als besonders interessant erwies sich ein Glockenunfall der Petersglocke am 6. Januar 2011 im Kölner Dom, bei der Jachtmann zufällig vor Ort war und ein Video drehte, das er den Glockeninteressierten vorführte.

Im letzten Teil des Vortrags widmete sich der Campologe den Körrenziger Glocken, einer „Besonderheit im Oeuvre von Jan von Trier“. Zunächst fertigte von Trier sie als Stücke zwei und drei seiner 60 Glocken. Sie sind mit gotischen Minuskeln, einer geschwungenen Schriftart des Mittelalters, beschrieben. Diese verwandte Jan von Trier vermutlich, solange ihm sein Vater noch bei der Arbeit über die Schulter sah.

Des Weiteren sind es die ersten Glocken, die man wegen der erst im 13./14. Jahrhundert üblichen Inschrift mit Gießernamen zweifelsfrei ihm zuordnen kann. Der Inschrift nach feiert allerdings „nur“ Glocke II. Jubiläum, die Maria und Petrus geweiht ist. Nach der Inschrift lädt sie in frühneuhochdeutscher Sprache zum Gottesdienst und vertreibt den Teufel.

Glocke I., die mit einem Kreuzblumenfries geziert ist und Rosetten als Trennungszeichen trägt, ist dem Patronat der Heiligen Anna und Geneva geweiht und trägt das Datum 1516.

Demnach kann Körrenzig „in zwei Jahren wieder Jubiläum feiern“.

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