Global Player aus Jülich-Koslar: Mondi

Von: hfs.
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Nur mittels einer perfekt abgestimmten Logistik gelangen die tonnenschweren Papierrollen bei Mondi in Koslar an den richtigen Standort – mitunter in hohem Tempo. Foto: hfs.
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Die „BM 12“ produziert in Koslar 2,40 m breite Selbstklebe-Folien – das ist in Europa konkurrenzlos. Foto: hfs.
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Die Millimeterarbeit in Maschinen wird in Koslar nicht nur von Robotern überwacht, auch der Faktor Mensch spielt eine große Rolle bei der Kontrolle. Foto: hfs.

Koslar. „Global Player“ ist die Bezeichnung für ein Unternehmen, das sich einem internationalen Wettbewerb stellt und in seiner Branche mit Technik, Qualität und Innovation weltweit eine Vormachtstellung einzunehmen versucht.

Aus dieser Position heraus machen sich die „Globalen Spieler“ daran, die Märkte für ihre Produkte auch außerhalb ihres nationalen Firmensitzes in ihrem Sinne zu steuern, um ihre Position weiter auszubauen. Wichtigstes Merkmal bei Global Playern ist per Definition aber, dass sie nicht nur ein Geschäft oder eine Filiale in einem Land haben, sondern Filialen besitzen, die als Tochterfirmen auf der ganzen Welt verstreut sind. Auch in unserer Region gibt es einige dieser Global Player, die sich die hier vorhandene Infrastruktur zunutze machen – zum Beispiel die günstige Verkehrsanbindung oder die Nähe zu wissenschaftlichen Einrichtungen. Zu diesen Global Playern gehört die Firma Mondi, die nach der Übernahme der ehemaligen Papierfabrik Schleipen und Erkens bisher rund acht Millionen Euro in den Standort Koslar steckte, um die Marktposition zu stärken.

Wurde zu Beginn der industriellen Papierproduktion um die Jahrhundertwende aus dem Rohstoff zunächst „nur“ Papier hergestellt – vorrangig als Druck- sowie Schreibpapier – erfolgte später die Weiterverarbeitung zu Wellpappe, womit zunehmend der Fokus auf Verpackungen gelegt wurde. Grundlage ist in allen Fällen Zellstoff, gewonnen aus der Holzproduktion. „Für uns war es demnach eine laufende Fortentwicklung vom Papier über Karton hin zu Verpackungen, die mit der zunehmenden Industrialisierung und dem immer größer werdenden Angebot für den Konsumenten natürlich gewachsen ist“, sagt Sabine Ehrlich, zuständig für Marketing-Koordinationen mit Sitz in Wien.

Da sich im gleichen Zeitraum auch die Anforderungen beziehungsweise die Umstände geändert hätten, habe Mondi im Zuge von Akquisitionen, zu denen auch 2006 das Jülicher Werk gehörte, die Gelegenheit gesehen, sein Kerngeschäft „auch als Basis für andere Segmente zu nutzen“: wie bei der Silikonbeschichtung von Papier.

Das geschieht im Koslarer Werk – spezialisiert auf Klebebänder, Dekorfolien, Etiketten und Umschläge. Hinzu kommen Faserverbund-Werkstoffe, die industrielle Anwendungen erlauben: bei Rotorblättern von Windkraftanlagen, als Komponenten für die Automobilindustrie oder aber als Fertigungsbauteile für die Luft- und Raumfahrtindustrie. Ebenso finden sie Anwendung in Freizeitprodukten (Gleitschirme). Koslar und Heerlen zählen zu den sechs Standorten in Europa und drei Werken in den USA, die führend in der so genannten Klebeträger-Produktion (Release-Liner) sind.

„Unsere mehrlagigen Beschichtungen bieten Schutz gegen Fett, gegen Diffusion durch Wasser, Feuchtigkeit und Gas, aber auch durch Licht und Chemikalien“, umschreibt Geschäftsführer Pa-trick Lennartz die breite Produktpalette, mit der man ebenfalls eine exponierte Stellung auf dem europäischen Markt einnimmt. Wissen und Erfahrungen aus den eigenen Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten. Wie zum Beispiel so genannte Ventilaid Ultimate, eine atmende, aber wasserdichte Membrane für Böden und Dächer.

Dabei werden Polymere auf Papier, Karton, Aluminium, Vlies oder Gewebe aufgebracht. Die hauchdünnen Polypropylenfolien lösen zunehmend in der Automobilindustrie auch Spritzgießformteile bei der Innenausstattung in Fahrzeugen ab. Die stark reduzierte Folienstärke unterstützt damit den Trend zu nachhaltigen und leichtgewichtigen Komponenten. So macht sie es zum Beispiel auch möglich, dass sehr leichte Schutzanzüge für Spezialeinsatzkräfte, auf denen die Folie aufgebracht ist, nicht nur gegen extreme Hitze schützen, sondern auch gegen Säure oder Laugen.

Die Divison Europe & International hat ihren Hauptsitz in Wien. Sie unterhält insgesamt 100 Produktionsstätten in 29 Ländern und beschäftigt rund 24.000 Mitarbeiter. Unterteilt ist die Division in vier Geschäftsbereiche, in denen Wellpapperohpapiere- und Wellpappeverpackungen, Kraftpapiere für Industrie-und Lebensmittelverpackungen, Industriesäcke, Konsumgüterverpackungen, Büro-und professionelle Druckpapiere oder aber hoch entwickelte Folien und Komponenten hergestellt werden. Mondi-Europa machte im Jahre 2012 einen Gesamtumsatz von rund 5,2 Milliarden Euro.

Eigene Forstplantagen

Der „World Wide Fund For Nature“, die „Welt-Naturstiftung“ (WWF), hat Mondi für seine Transparenz zum ökologischen Fußabdruck ausgezeichnet. „Dies belegt, dass das Unternehmen seine Verantwortung gegenüber der Umwelt und der Gesellschaft sehr ernst nimmt“, sagt der WWF-Deutschland in Berlin. So habe Mondi zum Beispiel 92 Prozent seiner ungestrichenen Feinpapiere – aus Baumzellstoff werden in der Papierfabrik Feinpapiere hergestellt, die in der Endbearbeitung zu Büro- und professionelle Druckpapieren werden – in eine weltweite Datenbank des WWf veröffentlicht. Mittels nachhaltiger Forstwirtschaft – Holz und die Fasern, die Mondi für die Papierproduktion zukauft, stammen aus Quellen, die zertifiziert sind – werden somit Synergien entlang der gesamten Wertschöpfungskette betrieben. „Für jeden Baum, den wir in unseren zu 100 Prozent zertifizierten Forstplantagen in Russland und Südafrika fällen, wird mindestens ein neuer geplanzt“, heißt es im Firmenbericht der Mondi-Group. So wurden 2012 rund 31 Millionen Bäume neu angepflanzt.

Der Umweltschutzgedanke kommt auch durch biologisch abbaubare Materialien, die bei der Produktion verwendet werden, zum Tragen. Diese sind gekennzeichnet, wurden für die industrielle Kompostierung optimiert. So wird zum Beispiel aus einem Sack auf Papierbasis, der mit einer optionalen biologisch abbaubaren Folie, die als Feuchtigkeitsschutz dient, bestückt ist, wertvoller Humus.

Was Patrick Lennartz aber besonders herausstellt, ist der Erfolgsfaktor Mitarbeiter. „Unsere Mitarbeiter sind für den Erfolg unseres Unternehmens unabdingbar.“ Um als erfolgreiches internationales Unternehmen bestehen zu können, brauche Mondi qualifizierte, geschulte und engagierte Mitarbeiter.

Sie werden auch in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung in rund 40 angebotenen Kursen, Seminaren oder Workshops unterstützt. Das soll auch die Mitarbeiterzeitung, die drei Mal pro Jahr in zwölf Sprachen erscheint, gewährleisten.

Verantwortung vor Ort

Das Unternehmen sieht nach eigenen Angaben auch eine gewisse gesellschaftliche Verantwortung vor Ort. Dieser sei man sich bewusst und unterstütze lokale Projekte. Nicht unerwähnt werden rund 14,3 Millionen Euro an Spendengeldern, die 2012 für wohltätige Zwecke oder für soziale Engagements weltweit investiert wurden.

Mondi zählt in Koslar rund 100 Beschäftigte – in früheren Jahren waren es einmal 160 – und hat viele Millionen Euro in den Standort investiert. Die neuen Strukturen haben laut Geschäftsführung die Produktion in Jülich konkurrenzfähig gemacht.

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