Glasmalerei-Museum zeigt auch einen Teil der Geschenke

Von: Antonius Wolters
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Unter anderem dieses Stifterbildnis nach Hans Baldung haben die Erben des Künstlers und Sammlers Fritz Geiges dem Linnicher Museum übereignet. Foto: Glasmalerei-Museum/Stephan Johnen
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Im neu eingerichteten Prikker-Raum: Dr. Myriam Wierschowski vor zwei von drei Glasbildern aus dem Kreuzigungszyklus. Foto: Wolters

Linnich. Prägend für das laufende Ausstellungsjahr ist im Linnicher Glasmalerei-Museum die Jubiläumsschau „Unsere Werte und Lichtblicke. Schenkungen an die Stiftung und den Förderverein Deutsches Glasmalerei-Museum Linnich 1997-2017“, die am 3. Dezember aus Anlass des 20-jährigen Bestehens eröffnet wird.

Zu diesen Schenkungen gehören auch die beiden monumentalen Glasgemälde, die Markus Lüpertz dem Museum im vergangenen Jahr verehrt hat und um die herum die Ausstellung „Markus Lüpertz wird 75. Ein Geschenk für das Rheinland“ gestaltet worden ist, die nach Verlängerung an diesem Sonntag mit der Finissage und Sonderprogramm von 11 bis 17 Uhr beendet wird.

„Die Werke bereichern jetzt unsere Galerie“, freut sich Museumsleiterin Dr. Myriam Wierschowski über das Geschenk des Geburtstagskindes und die Zugkraft seiner Ausstellung, die dem Museum im vergangenen Jahr steigende Besucherzahlen beschert hat.

Kleinod der Kunstgeschichte

Eine weitere Schenkung vom vergangenen Herbst hat Myriam Wierschowski und ihr kleines Museumsteam geradezu in Verzückung versetzt, denn beim um 1920 entstandene Kreuzigungszyklus von Johan Thorn Prikker aus Privatbesitz handelt es sich um ein wahres Kleinod der Kunstgeschichte, das die Leiterin zu den Hauptattraktionen ihres Hauses zählt. Auftraggeber des dreiteiligen Werkes war der Architekt Georg Metzendorf, dessen Enkel Dr. Rainer Metzendorf nicht nur den Kreuzigungszyklus an das Museum übergab, sondern überraschend auch den umfangreichen Schriftverkehr zwischen Auftraggeber und Johann Thorn Prikker, einem der Begründer der modernen Glasmalerei, der hier drei Glasgemälde von expressiver Sprache und Farbgewalt geschaffen hat.

Zur speziellen Wirkung der übereck angeordneten Fenster trägt die gleiche architektonische Raumkonstellation des neu eingerichteten Prikker-Raums im Museum bei, die der Bauernstube des Mooshäusl bei Berchtesgaden entspricht, für die der Zyklus ursprünglich gestaltet worden ist. „Das ist Fügung“, sieht Myriam Wierschowski hier höhere Mächte am Werk. Der fast 100 Jahre alte Werkzyklus, der auch ohne Sanierung in erstaunlich gutem Zustand ist, hat drei Metzendorf-Generationen begleitet, wobei die Glasgemälde über gute und schwere Zeiten hinweg gehegt und bewahrt worden sind. Von Berchtesgaden aus wurden sie später bei Wohnhäusern in Essen (für das Damenzimmer) und Mainz (übereinander angeordnet) verwendet.

Der Minimalist

Vom 12. März bis 15. Oktober widmet das Glasmalerei-Museum mit Jochem Poensgen einem weiteren Geburtstagskind eine Sonderausstellung. Der Düsseldorfer Künstler gehört zu den sieben bedeutenden Glasmalern nach dem Krieg. Die Werkschau ist zu seinem 85. Wiegenfest in Kooperation mit dem Vitromuseum Romont entstanden, war zunächst in der Schweiz zu sehen und zeigt unter dem Titel „Affinité/Wahlverwandt – Hinterglasmalerei und Glasbilder“.

Während sich Poensgens Frühwerk an der französischen Moderne orientierte, hat er nach Worten Wierschowskis „später seine eigene Bildsprache gefunden“. Die Reduzierung der Formen hin zu geometrischen Mustern geht mit der Reduzierung der Farbe einher, was Poensgen den Beinamen des „Minimalisten“ einbrachte.

Poensgen wird auch selbst aktiv

„Der neue Poensgen“ hat sich der Hinterglasmalerei verschrieben, deren Wirkung ähnlich wie Gemälde, nicht das Durchlicht zeigt, sondern erst beim Auflicht offenbar wird. Jochem Poensgen ist aktuell derart produktiv, dass in Linnich schon viele dieser neuen Werke gezeigt werden. Zudem gibt er am Eröffnungstag Einblicke in seine Arbeitsweise und in sein Leben. Beides präsentiert er in der Museumswerkstatt und mit einem Lichtbildvortrag. Begleitend zur Werkschau ist eine Exkursion nach Düsseldorf auf den Spuren von Jochem Poensgen geplant.

In den 20 Jahren, die das Museum am 29. November 2017 bestehen wird, hat das Haus diverse Schenkungen und Stiftungen von Künstlernachlässen erhalten. Dieses Engagement zeige, „dass wir uns als Leuchtturm für die Glasmalerei etabliert haben“, sieht Myriam Wierschowski das Linnicher Spezialmuseum in einer Schlüsselstellung für dieses anspruchsvolle künstlerische Medium. Bekanntes und Unbekanntes, Schätze aus dem Depot und Kunstwerke aus der Dauerausstellung werden in der Sonderausstellung „Unsere Werte und Lichtblicke“ vom 3. Dezember bis 23. September 2018 gezeigt.

In den Gründungsjahren bildeten Schenkungen der Linnicher Glasmalereiwerkstatt Dr. Heinrich Oidtmann einen wichtigen Grundstock des Museums, dem in den folgenden knapp 20 Jahren weitere Schenkungen und Stiftungen folgten, die gar nicht alle gezeigt werden können. Neben Glasarbeiten gehören auch Entwürfe auf Papier oder Pappe zu den Beständen, die das Museum für seine Besucher in Auszügen ausbreiten wird.

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