Glasmalerei-Museum: Neue Wege gehen

Von: Astrid Dohmen
Letzte Aktualisierung:
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Nach persönlicher Ansprache schuf Victor Vasarely dieses Glasbild in Beton.

Juelich. Man muss schon ein wenig im Glasmalerei-Museum suchen, um in einer Nische auf ein wahres Kleinod zu stoßen. Fritz Oidtmann, der damalige Inhaber der gleichnamigen Glasmalereiwerkstatt in Linnich war es, der Ende der 1960er-Jahre eigens nach Frankreich reiste, um dort einen Künstler für seine Idee zu begeistern, neue Wege in der Glasmalerei zu gehen.

Victor Vasarely, ein 1906 in Ungarn geborenen Maler und Grafiker, der eine Vorliebe für grafische Muster und Illusionen des Raumes hatte. Was aber sollte sich erneuern? Oidtmann wollte die Palette der Glasverarbeitung erweitern; nicht mehr nur auf die klassische Technik der Bleiverglasung setzen.

Die konstruktiv geometrischen, abstrakten Motive Vasarelys, der seit 1930 in Paris lebte und arbeitete, schienen dafür wie geschaffen, um Glas und Beton miteinander zu verbinden. Vasarely hatte sich in seinen bisherigen Schaffensphasen bereits mit dem Kontrast der Farben Weiß und Schwarz bzw. der Entstehung von Perspektiven durch Hell-Dunkel-Effekte auseinandergesetzt und war offen dafür, diesen neuen künstlerischen Weg zu beschreiten: Der Grundstein für die Betonverglasung war gelegt.

Anders als bei der klassischen Bleiverglasung, das heißt dem Zusammenfügen des Glases mittels einer Bleirute, werden nun die Werkstoffe Beton und Glas zusammengefügt. Verwendet wird hierbei kein dünnes, mundgeblasenes Antikglas, sondern ein ca. 2 cm dickes Glas: Die Glasschmelze wird in spezielle Formen gegossen und ausgehärtet. Anschließend sägt man das Glas in Stücke, deren Kanten mitunter noch abgeschlagen werden, um eine höhere Lichtbrechung zu erzeugen.

Nach dem veranschlagten Maßstab werden Formen/Umrandungen hergestellt, in die man die Glasstücke nun hineinlegt und die Zwischenräume mit Beton auffüllt. Gab man zu Beginn dieser Verglasungstechnik zur Stabilisierung in die Betonmasse noch Eisenstangen, so greift man heute auf VA-Stahl zurück, um eine Korrosion zu vermeiden, die früher häufig zu Rissen im Beton führte. Nach der Aushärtung des Betons werden die Schalformen abgenommen und die Verglasung eingebaut.

Auch die Komposition aus dem Jahr 1972 von Vasarely wurde in dieser Technik in der Glasmalereiwerkstatt Oidtmann hergestellt. Um den von ihm so geschätzten Hell-Dunkel-Effekt zu erzielen, wurde einerseits farbloses Glas verwendet, andererseits der Beton vor dem Einbau mit schwarzer Farbe versehen. Die so entstandene harte geometrische Komposition wirkt also, anders als die bunten Bleiverglasungen, nicht durch ihre Farbigkeit.

Erst bei längerer Betrachtung lassen sich aus dem geometrischen Gewirr Linien und auch Formen erkennen, die sich aber nicht wirklich begreifen und daher den Betrachter immer wieder hinschauen lassen.

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