Glasmalerei Museum Linnich: Der große Nachlass des Erich Feld

Von: Kr.
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Diese Büste, die Dr. Myriam Wierschowski hier präsentiert, ist Bestandteil der Erich Feld Ausstellung. Foto: Kròl
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Der Filmemacher Ties Peth präsentiert in Linnich seine Arbeit Foto: Kròl

Linnich. Erich Feld zählt zu den vergessenen Künstlern. Sein Nachlass lag 17 Jahre lang in einem Dornröschenschlaf auf dem Dachboden der Glasmalerei Oidtmann. Die Werke gingen auf Betreiben von Prof. Ludwig Schaffrath 1997 an das Deutsche Glasmalerei Museum in Linnich.

Angesichts des Werks wird deutlich, dass Feld dennoch ein bedeutender Künstler unserer Zeit war. „Doch wenn man solch einen Nachlass wie den von Erich Feld erhält, bedeutet dies auch eine Verpflichtung“, sagt Dr. Myriam Wierschowski, Leiterin des Deutschen Glasmalerei Museums in Linnich. Mit ihren Mitarbeitern machte sie sich daran, dieses umfangreiche Material zu sichten.

Gerade einmal ein Zwanzigstel, so schätzen sie, ist durchgesehen. Umfangreiche Aktenbündel, in denen die Privatkorrespondenz ebenso enthalten war wie Notizen und Anmerkungen zu seinen künstlerischen Arbeiten, Zeichnungen, Skizzen, Druckgrafiken, Entwürfe zu Glasmalereien, Wandgestaltungen, Gemälde, Skulpturen und vielem mehr, sind schon geöffnet wurden.

Sie sind in Aktenordnern, Kisten, in Einschlagmappen wahllos zusammengebunden oder als fliegende Blätter vorgefunden worden. Vieles wartete darauf, gesichtet zu werden. Doch schon bei den ersten Durchsichten wurde klar, welcher Schatz da im Verborgenen schlummerte. So entschloss sich das Museum, schon jetzt mit den ersten Erkenntnissen an die Öffentlichkeit zu gehen und dem Künstler unter dem Titel „Nicht vergessen! Der Nachlass des Glasmalers Erich Feld“ eine Ausstellung zu widmen.

Sie gibt nur einen Einblick in seine enorme Schaffenskraft, denn Feld beschäftigte sich nicht nur mit der Glasmalerei. Er lieferte Entwürfe für Wandarbeiten, Gobelins, war Keramiker, Maler und Zeichner. Er fertigte Entwürfe für Möbel und realisierte Werke unter anderem für Kirchen, Rathäuser oder Schulen.

Dabei war seine künstlerische Schaffensphase kurz. 1919 in Köln geboren, besuchte er zunächst als Maler-Volontär die Städtischen Bühnen Köln und schrieb sich an der Landesakademie Kronenburg/Eifel ein, die damals zur Kunstakademie Düsseldorf gehört. Schnell kam es zu Spannungen und er musste die Schule verlassen. Feld ging in die Niederlande, klagte und konnte sein Studium 1938 wieder aufnehmen, dass er 1940 beendete.

Er absolvierte seinen Kriegsdienst und nach 1945 gelang es ihm nach und nach, als Künstler Fuß zu fassen. In den 1950er und 1960er Jahren schuf er zahlreiche bedeutende Kunstwerke. Darunter „mutans campi“, eine Wandgestaltung aus glasierten Keramikquadern für das Institut für angewandte Physik der Uni Münster, ein Wandrelief für die Stadthalle Erkenschwick und zahlreiche Kirchenfenster.

Dann wurde es still um den Künstler, der sich bereits 25 Jahre vor seinem Tod ganz zurückzog und in ärmlichen Verhältnissen mit seiner Mutter in Jülich lebte. 1996 verstarb er dort.

Sprengt die Möglichkeiten

Einen Eindruck von seiner Schaffenskraft und Kreativität will diese Ausstellung vermitteln und den Künstler damit aus der Vergessenheit holen. „Hier gibt es noch viel Arbeit zu bewältigen. Es wäre eine schöne Aufgabe für einen Doktoranden, diesen Nachlass auszuwerten. Der Umfang sprengt unsere Möglichkeiten“, gesteht Dr. Myriam Wierschowski.

Glasarbeiten sind dann auch hier nicht zu sehen. Es sind vielmehr Zeichnungen, Entwürfe aber auch Fotografien von seinen Kirchenfenstern und Objekten, die in Bauwerken integriert sind. So gibt es auch einige Porträtbüsten und Vorlagen dazu. Steine aus der „mutans Campi“ sind noch vorhanden und viele andere äußerst interessante Details. Außerdem entstand wieder mit Unterstützung des Landschaftsverbandes Rheinland ein umfassender Katalog.

„Diese Ausstellung ist ein Wagnis, aber eines, das sich lohnt. Sie wird sicherlich große wissenschaftliche Aufmerksamkeit erregen, “ lobte Dr. Eckhard Kluth, Leiter der zentralen Kustodie der Universität Münster, den Mut des Linnicher Museums.

Gleichzeitig wird eine Ausstellung des Künstlers Ties Poeth eröffnet, die in eine ganz andere Richtung geht. Der niederländische Filmemacher besuchte die Ausstellung Campendonk in Linnich und fand, seine Objekte und Filme passten in dieses Haus. So zeigt er dort nun seinen Kunstfilm Mission Ville, in dem der Kontrast zwischen Stadt und Natur dargelegt wird.

Um die Arbeit noch zu verdeutlichen, präsentiert er in Leuchtkästen Bildfolgen aus seinen Filmen. Sie erscheinen als abstrakte Landschaften und erinnern in vielen Auszügen an Ausschnitten von Glasfenstern.

Gezeigt werden die drei Filme „Tranquillizer“, „Stella“ und Caravan“ sowie Filmstreifen aus dem in Arbeit befindlichen Werk „Der Traum des Glasmalers“. Außerdem wird im Rahmen der Ausstellung noch einmal eine zwölfteilige Bodenarbeit „Licht – Erde – Wasser“ der Künstlerin Renate Gross gezeigt.

Eröffnet werden beide Ausstellungen am Samstag, 10. Oktober um 16. Uhr und werden bis zum 31 Januar 2016 zu sehen sein.

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