Glasmalerei-Museum Linnich: Auf den Spuren der Derix-Dynastie

Von: tee
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Auf vielen Ebenen - räumlich wie inhaltlich - werden die Werkstätten Hein Derix im Deutschen Glasmalerei Museum Linnich von Museumsleiterin Dr. Myriam Wierschowski präsentiert. Foto: Schenk

Linnich. Das ist Tradition im besten Sinne: Ein Familienunternehmen in der fünften Generation betreiben und immer am Puls der Zeit bleiben. Das gilt für die „Werkstätten für Glasmalerei, Mosaik und Restaurierung Hein Derix”. Ihnen widmet das Deutsche Glasmalerei Museum Linnich eine Ausstellung, die am Samstag eröffnet wurde.

„Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, neben den Künstlern auch die Werkstätten vorzustellen”, erklärt Museumsleiterin Dr. Myriam Wierschowski. Nachdem vor zwei Jahren zum Firmenjubiläum „Oidtmann” präsentiert wurde, ist nun die 1866 gegründete Derix-Dynastie an der Reihe.

In mehr als 60 Werken zeichnet die Ausstellung die Unternehmensgeschichte von den Anfängen nach, als zum Handwerk noch die Ausführung bei der Entwurfszeichnung begann, bis zum heutigen Tag, an dem die Verantwortung vor allem in der Umsetzung liegt.

Ein untrügliches Gespür für aktuelle Kunstströmungen zeichnet die Familienoberhäupter Derix aus. Stets gaben die Väter ihre Söhne bei Künstlern in die Lehre, die wegweisend für die zeitgenössische Entwicklung in der Glasmalerei sein sollte.

Der wirtschaftliche Nutzen ergab sich wie von selbst: Die Söhne brachten ihre Lehrmeister als Kunden ins Haus und sicherten damit der Werkstatt die Zukunft.

Kirchenmaler Friedrich Stummel in Kevelaer war der Künstler, der dem Unternehmen zur ersten Blüte und Gründer Wilhelm Derix 1910 zur Ernennung zum päpstlichen Hofglasmaler verhalf. Bei ihm hatte Derix Senior seine Söhne zur Ausbildung gegeben.

Umbruch nach dem Krieg

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges kam der Umbruch: Während Stummel in der Vergessenheit versinkt, ist Thorn Prikker der aufstrebende Künstler in der Glasmalerei. Bei ihm studierte Hein Derix und lernte neben dem neuen Verständnis - Malen mit Glas, statt auf Glas - auch die namhaften zeitgenössischen Kollegen wie Heinrich Campendonk, Heinrich Diekmann und Anton Wendling kennen.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg sind es vor allem Künstler wie Klos, Lüneborg, Meistermann, Schaffrath, Schreiter und Teuwen, die den Ruf der Werkstatt Derix als Unternehmen mit Verständnis für die moderne Glasmalerei garantieren. Die Kundenliste liest sich wie das „Who is Who” der aktuellen Glas-Kunstschaffenden. Für eifrige Besucher der Ausstellungen im Linnicher Museum gibt es also ein Wiedersehen mit vielen „alten Bekannten”.

Das Ausstellungskonzept folgt der Zeitschiene. Während auf der untersten Ebene Entwurfszeichnungen und ein Karton von Kirchenmaler Stummel neben Werken von Prikker und Campendonk stehen, widmet sich die Zwischenebene den Glasmalerei-Scheiben hauptsächlich von Architekten. Zu sehen sind hier die ersten gestalteten Entwürfe und Zeichnungen von Dieter Hartmann für die geplante aus 12.000 Prismen bestehende Eingangstüre von St. Antonius Kevelaer aus diesem Jahr, die noch nicht realisiert ist.

Ebenfalls ein Bereich - und das war den Derix-Erben wichtig - ist für die Arbeiten von Werkstatt-Mitarbeitern reserviert. Schließlich folgen auf der obersten Ebene fünf zeitgenössische Arbeiten, die nach Aussagen von Dr. Wierschowski den Schluss zulassen: Die Glasmalerei wird weiblich.

Zur Eröffnung am Samstag sprach Prof. Thomas Kesseler. Der Düsseldorfer Architekt lässt seine Glaswerke in Kevelaer umsetzen - Beispiele sind in der Ausstellung zu sehen.

Das Museum und die Ausstellung sind dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet (auch an Feiertagen). Nähere Infos - auch zu geführten Werkstattbesuchen in Kevelaer - unter Telefon 02462/99170 sowie im Internet.
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