„Glas-Gefahr”: Linnicher Bad muss nach Unfall schließen

Von: Volker Uerlings
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Keine Schönheit, aber für Schüler, Vereins- und Freizeitsportler unersetzlich: das Linnicher Hallenbad. Es musste „auf unbestimmte Zeit” geschlossen werden. Foto: Uerlings

Linnich. Die von Hand geschriebene Mitteilung an die Schwimmer und Sportler in Linnich klingt lapidar: „Das Hallenbad ist auf unbestimmte Zeit geschlossen.” Hinter diesem Zettel - am Freitag an der gläsernen Eingangstür befestigt - steckt eine ebenso tragische wie folgenschwere Geschichte, die sich vor einem Jahr zutrug.

Ende Oktober 2008 hat sich eine damals zwölfjährige Realschülerin im Bad schwerstens verletzt. Dieser Unfall hatte ein juristisches Nachspiel, das nun zur vorläufigen Schließung der Einrichtung führte.

Im Zentrum steht eine Glastür im Inneren des Bades, die alle passieren müssen, die vom Lehrschwimm- ins große Becken möchten. Auf diesem Weg ist die Zwölfjährige mit der Tür in Berührung gekommen. Sie sei „ausgerutscht” und dabei gegen die Tür gestoßen, sagte sie nachher. Weitere Zeugen haben den Unfall nicht genau gesehen.

Jedenfalls zersplitterte das Sicherheitsglas. Dabei sind allerdings nicht nur kleine Splitter, wie man sie von zerberstenden Autoscheiben kennt, entstanden. Die größeren Scherben verletzten das Mädchen am Oberarm und am Oberschenkel, wo sogar der Muskel freilag.

Möglicherweise sind diese großen Glasfragmente an der Türklinke hängen geblieben und dann auf die am Boden liegende Schülerin gestürzt. Die Lehrerin war anwesend, hatte aber den Blick auf andere Schutzbefohlene gerichtet. Auch die befragten Mitschüler konnten keine näheren Beobachtungen zu Protokoll geben.

Wegen der Schwere der Verletzungen „haben wir zuerst vermutet, dass es sich gar nicht um Sicherheitsglas handelt”, erklären der Linnicher Bürgermeister Wolfgang Witkopp und Beigeordneter Hans-Josef Corsten im Gespräch mit unserer Zeitung. Dabei habe auch die Frage geklärt werden müssen, ob ein „schuldhaftes Handeln” der Stadt vorgelegen hat.

Die erste Frage nach dem Sicherheitsglas wurde rasch geklärt, nachdem die entsprechenden Stempel auf der sicher 30 Jahre alten Tür gefunden wurden. Die zweite Frage beschäftigt die Staatsanwaltschaft Aachen, die gegen den Verantwortlichen - den Bürgermeister - ermittelt. Der Sicherheitsbeauftragte der Stadt war mit dem Fall relativ schnell fertig, berichtet Beigeordneter Corsten: „Glastüren haben kein Verfallsdatum und unterliegen deshalb auch nicht der ständigen Kontrolle.”

Auch auf Intervention des Anwaltes der Zwölfjährigen und ihrer Eltern wurde von der Staatsanwaltschaft ein Gutachten angefordert, das nun vorliegt. Nur durch „besondere Untersuchungen” wurden laut Witkopp „leichte Beschädigungen” festgestellt. Es ist zu klären, ob die auch für die schweren Folgen des Unfalls verantwortlich sind. Der Bürgermeister konkretisiert: „Hat das dazu geführt, dass die Glastür zu diesem Zeitpunkt kaputt gegangen ist?”

Jetzt hat die Stadt einen Experten mit der Begutachtung beauftragt. Beigeordneter Corsten: „Wir erhoffen uns Aussagen, unter welchen Bedingungen wir das Bad schnellstens wieder öffnen können.” Vielleicht steht das Bad in zwei Wochen wieder zur Verfügung, vielleicht aber auch deutlich später. Die Fraktionsvorsitzenden im Linnicher Rat stützen das Verwaltungsvorgehen.

Wenn es zu einer Klage gegen die Stadt und einem Urteil kommt, wird Schadenersatz fällig. Die Tragweite wäre enorm, weil das dann für alle öffentlichen Einrichtungen mit Glastüren gelten würde. Wolfgang Witkopp wird deutlicher: „Wenn das strafrechtliche Konsequenzen hat, kann man es nicht mehr riskieren, irgendein Gebäude zu betreiben!”
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