Gibts in Jülich den leckersten Glühwein Deutschlands?

Von: Isabelle Hennes
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Claudia Jülicher, Norbert Got
Claudia Jülicher, Norbert Gottwald und Elvis Puscenid freuen sich, von ihrem Chef zu einer Tasse Glühwein eingeladen zu werden. Foto: Hennes

Jülich. Für den einen ist es genau das, was den Weihnachtsmarkt ausmacht, für den anderen ist es billiges Gesöff. Die Rede ist von Glühwein. Er hat dieser Tage auf den Weihnachtsmärkten bundesweit Hochsaison. Aber: Wo kommt die Tradition des Glühweins überhaupt her? Und: Was kann ein Wein verbrochen haben, dass man ihn auf 73 Grad erhitzt?

Hella Eschweiler hat seit 27 Jahren einen Stand auf dem Jülicher Weihnachtsmarkt und schenkt dort sowohl roten als auch weißen Glühwein aus. „Als Glühweinwirtin hinter der Theke zu stehen sind für mich die schönsten Wochen im Jahr”, sagt sie. Sie zieht ein rot gepunktetes Tuch zur Seite: Hier steht der gute Stoff in 20 Liter Einwegfässern.

Selber machen? Nein, das sei zu aufwendig. Stattdessen achtet sie darauf, dass der Alkohol beim Erhitzen nicht verloren geht. Deshalb bleibt der Glühwein an ihrem Stand bis zur Bestellung kalt. Er wird erst dann erhitzt, wenn der Kunde eine Tasse bestellt. „Wenn er in den Ausschank geht, hat er eine Temperatur um die 75 Grad.” Das sei wichtig, denn wenn der Wein kochen würde, bekäme er einen Kochton, das heißt, er würde sich negativ geschmacklich verändern - so festgehalten im Merkblatt für den Glühweinausschank des Kreises Düren.

„Da es in den vergangenen Jahren keine Auffälligkeiten bei den Kontrollen der Glühweinstände gab, haben wir in diesem Jahr lediglich ein Merkblatt herausgegeben”, sagt Josef Kreutzer vom Kreis Düren. „Ich habe mit Glühwein noch nie schlechte Erfahrungen gemacht”, erzählt Hella Eschweiler.

Nur die Klebrigkeit, das ist ein Kapitel für sich. „Im Grunde genommen ist es schon eine klebrige Angelegenheit”, sagt Maria Kreitz einige Buden weiter. Auch sie nutzt seit 30 Jahren die Vorweihnachtszeit in Jülich, um Glühwein an den Mann zu bringen. „Als wir angefangen haben, hatten wir eine Kelle und haben jede Tasse per Hand aus dem Topf geschöpft”, erinnert sie sich. Heute funktioniert das alles viel einfacher. Einmal den Hebel des Hahns betätigen und die Tasse voll laufen lassen.

Detlef Koch (45) hat gerade eine Tasse bestellt. Er nippt an dem dampfenden Glas. „Ja, schmeckt nach Glühwein”, sagt er. Für ihn ist die richtige Mischung aus Alkohol und Gewürzen entscheidend. Auf dem Weihnachtsmarkt Glühwein zu trinken, das habe Tradition: „Weihnachtsmarkt ist Glühwein und fertig”, sagt er. Er könne sich beispielsweise nicht vorstellen, in einer Kneipe Glühwein zu bestellen. Auch nicht, wenn draußen die Temperaturen stimmen.

Tradition, die es bereits bei den alten Griechen gab. Als Ursprung des Glühweins gilt allerdings die römische Kultur. Damals kamen die Gewürze nicht nur wegen des Geschmacks zum Einsatz, sondern auch, um die Haltbarkeit des Getränks zu verlängern. Im Römischen Reich waren Gewürze allerdings sehr teuer, deshalb blieb der Verzehr von Glühwein der Oberschicht vorbehalten.

Das hat sich geändert: Im Supermarkt gibt es 1,5 Liter Glühwein bereits für unter zwei Euro. Aber ob der an die Qualität vor 2000 Jahren herankommt? Wohl nicht. Dafür bezeichnet Ernst Heinisch, 84 Jahre alt, den Jülicher Glühwein als den „besten, den ich je getrunken habe.” Er komme täglich zum Weihnachtsmarkt, um sich zwei Tassen zu genehmigen. „Die bauen mich auf, so dass ich warm ums Herz bekomme”, sagt der Rentner lachend.

Die Zutaten des Glühweins - Zimt, Nelken und Sternanis - erinnern an die Gaben, die die heiligen drei Könige aus dem Morgenland mitgebracht haben. In Glühwein befindet sich sozusagen ein Teil der christlichen Botschaft. Das könnte der Grund dafür sein, warum mancher Chef in der Vorweihnachtszeit milde gestimmt mit seinen Mitarbeitern auf dem Weihnachtsmarkt steht und an einer Tasse Glühwein schlürft.

Zu ihnen zählt Wilfried Hubrich, der seinen Mitarbeiter jedes Jahr auf dem Weihnachtsmarkt eine Tasse spendiert. Claudia Jülicher, Norbert Gottwald und Elvis Puscenid freut es jedenfalls. Seriöse Winzer halten übrigens von Glühwein nicht viel: Wein, der durch eine Heitzspirale gepumpt wird? Das kann ja nicht mit rechten Dingen zugehen. Aber: Das Geschäft mit dem Glühwein brummt.

Der Jülicher Glühwein kommt vorzugsweise aus Nürnberg oder Bad Liebenwerda (in der Nähe von Dresden). In dem Merkblatt zur „Behandlung von Glühwein im Ausschank” ist als letzter Punkt festgehalten, dass die Produktqualität regelmäßig durch Verkosten zu prüfen sein. Na dann: Prost!
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