Gesucht wird die perfekte Tanne

Von: Nicola Gottfroh
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Während andere noch den richtigen Baum suchen, hat Ernst Simons (r.) seinen schon fertig verpackt. Umso mehr kann er das Spektakel der Mitarbeiter genießen. Jeder von ihnen muss einmal durch den Verpackungstrichter. Dafür sorgt Günter Rosenland (l.) persönlich. Foto: Gottfroh

Stetternich. Ach, wie schön ist doch ein Weihnachtsbaum. Wenn er geschmückt und in warmes Licht getaucht im Wohnzimmer steht und den Geruch von Tannennadeln im Zimmer verbreitet, kann sich wohl niemand seiner Romantik erwehren. Bis das Prunkstück jedoch in der guten Stube steht, ist es ein oft langer und beschwerlicher Weg.

Nicht zu groß, nicht zu klein, nicht zu buschig, aber auch nicht zu kahl darf er sein. Der Maßstab, den viele Familien an ihren Tannenbaum ansetzen, ist hoch. Perfekt soll er sein - nicht mehr und nicht weniger. So machen sich jedes Jahr kurz vor Weihnachten ganze Familien auf, um den schönsten aller Tannenbäume auszuwählen.

Unter die Lupe genommen

Dass das nicht immer ganz einfach ist, weiß Günter Rosenland aus Erfahrung. Seit Jahren verkauft er an einem Adventswochenende kurz vor dem großen Fest Weihnachtsbäume beim Weihnachtsbaumverkauf der RWE Power AG-Revierförsterei Lindenberg. „Manch einer braucht länger einen Weihnachtsbaum auszusuchen, als er gebraucht hat, die passende Frau oder den passenden Mann fürs Leben zu finden”, sagt er und lacht. Denn während es zwischen Mann und Frau einfach „klick” mache, werde ein Weihnachtsbaum von allen Seiten kritisch unter die Lupe genommen. Und deshalb dauert der Weihnachtsbaumkauf im Durchschnitt eine gute halbe Stunde.

„Die Kunden sind sehr wählerisch”, erzählt Rosenland. Vor allem achteten sie sehr auf Qualität und Frische. Und große Bäume seien gefragt. Deshalb habe man beim Weihnachtsbaumverkauf noch Nordmanntannen dazukaufen müssen. „Unsere eigenen Bäume sind noch nicht so groß, wie die Kunden es wünschen”, sagt der Förster. Und manchmal, so wissen die Baumverkäufer aus Erfahrung, endet der romantisch geplante Christbaum-Kauf auch schon einmal in einem handfesten vorweihnachtlichen Streit. Dem einem ist der Baum zu groß, dem Partner ist die Tanne zu klein. Einer ist ihr zu schief gewachsen, der nächste ist ihm an der Seite zu kahl.

Ernst und Marisa Simons haben solche Probleme glücklicherweise nicht. Sie gehören zu den entscheidungsfreudigen Kunden. Das Paar ist an diesem Tag ohne die drei Kinder zum Weihnachtsbaumverkauf der RWE Power AG Revierförsterei Lindenberg gekommen. Vielleicht haben sie ihre Tanne aus diesem Grund so schnell gewählt. Nach der genauen Betrachtung einer Handvoll Bäume lautet die Entscheidung von Marisa Simons: „Der gefällt mir. Den nehmen wir.” Wichtig war beiden nur, dass die Äste stabil sind - immerhin wird der Baum im Hause Simons noch mit echten Kerzen geschmückt. Auch wenn Marisa Simons das endgültige Urteil fällt: Ausgesucht, betonen beide, wird aber stets gemeinsam.

Anders ist das bei einer anderen Jülicher Familie, die an diesem Tag ihre Tanne auswählt. Hier hat die Mama beim Baumkauf die Hosen an. Das habe auch einen Grund, erzählt sie. „Als ich meinen Mann das letzte Mal alleine losgeschickt habe, kam er mit der hässlichsten Krüppelkiefer an, die ich je gesehen habe”, sagt sie und stupst ihren Mann in die Seite, der darüber nur müde lächeln kann.

Viel Vertrauen wird dagegen den männlichen Mitgliedern der Familie Pauli/Jungen entgegengebracht. Papa Axel Jungen wurde mit den Söhnen Alex und Christopher alleine los geschickt. „Macht ihr Männer das mal unter euch aus”, wurde ihnen mit auf dem Weg gegeben. „Wir können hier ja nicht viel falsch machen”, sagt Axel Jungen, „schließlich gibt es hier die besten und frischesten Tannen weit und breit.” Groß und gerade gewachsen ist ihre Errungenschaft - und entspricht damit genau den vorgegebenen Maßstäben. „Mal schauen, ob unsere Eroberung Gnade findet”, sagt Axel Jungen. Seine Jungs sind da ganz optimistisch.

Während die drei Männer aus Broich ihre Mission erfolgreich erfüllt haben und ihre Tanne endlich vom Gelände tragen, geht der Baumkauf für die Familie Alfs aus Engelsdorf erst los. Mit Kind und Kegel, die Dreikäsehochs hören auf die Namen Annalena und Niclas, suchen sie an diesem Tag ihren Baum. Ein Baum nach dem anderen wird genauestens von allen Seiten begutachtet - und wieder zurückgelegt. Wer hat denn hier das letzte Wort?

„Das hat beim Aussehen der Tanne immer meine Frau”, gesteht Martin Alfs. „Bei der Größe habe ich allerdings noch ein Wort mitzureden.” Wie der perfekte Baum aussehen soll, das weiß Susanne Alfs nur zu gut. „Gerade soll er sein. Und buschig und voll. Nach oben hin soll er dünner werden und insgesamt nicht zu groß sein”, sagt sie und grinst. Deutlich länger als eine halbe Stunde dauert das Aussuchen des Tannenbaums. Dafür finden sie ihren persönlichen Wunschbaum.

Günter Rosenland hat an diesem Wochenende viele Käufer beobachtet. Nach der einen oder anderen „Tannenbaum-Krise”, sind dennoch alle glücklich mit einem Tannenbaum von Gelände gegangen. Auch Rosenland ist glücklich. Er und seine Mitarbeiter haben einige hundert Bäume an den Mann und die Frau gebracht. Das Geschäft ist mal wieder gut gelaufen.
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