Gesprächsprojekt mit Flüchtlingen am Gymnasium

Von: Antonius Wolters
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„Aus Fremden werden Vertraute“: Alle Beteiligten stellten Entstehung und Ergebnis des Projektes von Sozialamt Jülich und Gymnasium Haus Overbach im Barmener Schloss vor. Foto: Wolters

Barmen. Nina spricht von „einem spontanen Impuls, der mir sehr viel Freude gemacht hat“, als die Oberstufenschülerin des Gymnasiums Haus Overbach gefragt wird, warum sie an dem Projekt in Zusammenarbeit mit Flüchtlingen und dem Jülicher Sozialamt teilgenommen hat.

Es wird zwar viel über Flüchtlinge und die damit in Verbindung gebrachte Krise gesprochen, doch am direkten Gesprächskontakt hapert es. Ziel des Projektes war es, zu zeigen, was das für Leute sind und so Akzeptanz und Toleranz gegenüber dieser Bevölkerungsgruppe zu erhöhen.

Sozialamtsleiterin Doris Vogel und Asylbetreuerin Andrea Klein haben dafür die Brücke zwischen Asylbewerbern/Flüchtlingen und den insgesamt 13 Oberstufenschülern gebaut, die sich kurz vor den Sommerferien gemeldet hatten und zu zweit oder allein am Ende der Ferien die Gespräche mit den Hilfe suchenden Gästen geführt haben.

Die Kommunikation mit einem Syrien-Flüchtling per Dolmetscher sei zwar umständlich gewesen, berichtet Albert, „doch die emotionale Ebene kam sehr gut rüber“. Die Übersetzungen haben meist andere Flüchtlinge übernommen, die schon länger in Deutschland leben. So spricht Albert von einem „großen Denkanstoß“ durch das Gespräch, das ihm ein anderes Bild vermittel habe.

Zudem spielte wohl auch die nonverbale Kommunikation eine wichtige Rolle: „Was mich total freut ist, dass Mimik und Gestik super interpretiert worden sind“, gibt Andrea Klein den Pennälern eine glatte Eins in Empathie. Es sei auch für die Flüchtlinge „ein großer Schritt gewesen, das zu machen“, freut sie sich darüber hinaus über deren Bereitschaft zum Austausch.

Den Leitlinien für die Gesprächsführung folgend, die die Gruppe mit SV-Lehrer Marco Maria Emunds erarbeitet hatte, informierten sich die Schülerinnen und Schüler vorab über die Situation im Land ihres Gesprächspartners und erzählten zunächst über sich selbst, um die Atmosphäre zu lockern. Dass angesichts schrecklichster Vorkommnisse verfolgte Christen aus Ägypten ihre Erlebnisse zusammenfassend erzählten, statt ins Detail zu gehen, ist verständlich.

Nach dem Austausch haben die Schülerinnen und Schüler das Gehörte und Erlebte aufgeschrieben. Herausgekommen ist eine Sammlung von anonymisierten Gesprächen, die unter dem Titel „Aus Fremden werden Vertraute“ in einer Auflage von 250 Exemplaren und zum Preis von fünf Euro verfügbar ist. Das Heft gibt es im Sekretariat des Gymnasiums und ab Montag in der Buchhandlung Fischer. Jeder Cent fließt in die Flüchtlingshilfe.

Zwei Schülerinnen lesen am Sonntag ihre Gesprächszusammenfassungen im Rahmen der Gedenkfeier zur Pogromnacht im Bonhoefferhaus.

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